PJ-Tertial Allgemeinchirurgie in Universitaetsklinikum Tuebingen (4/2021 bis 7/2021)

Station(en)
47-49
Einsatzbereiche
Diagnostik, Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde, OP, Notaufnahme, Station
Heimatuni
Nicht angegeben
Kommentar
Leider war die Zeit auf der AVT insgesamt mit Abstand die am wenigstens lehrreiche Zeit meines PJs. Auch wenn ich vor dem Tertial eher wenig Berührungspunkte mit der Chirurgie hatte, war ich eigentlich sehr offen und optimistisch, was die AVT anging, da ich dachte, mit der richtigen Einstellung (Bereitschaft, mitzuhelfen und anzupacken, Eigeninitiative, Offenheit) könne man eigentlich überall eine gute Zeit haben und viel mitnehmen- das hat für alle anderen Stationen auch gestimmt. Leider habe ich aus der AVT trotzdem sehr wenig mitgenommen.

Positiv fand ich:
- viele nette, aber leider selbst ziemlich überarbeitete Assistenzärzte, bei denen deshalb verständlicherweise fast nie Zeit für längere Erklärungen war. Auch einzelne Oberärzt_Innen waren wirklich sehr freundlich bei Operationen.
- eine Woche wirklich lehrreiche und gute Rotation in die Poliklinik / Notaufnahme. Hier konnte man selbstständig Patienten aufnehmen und vorstellen, Behandlungen vorschlagen, die Arztbriefe schreiben. Top.
- eine Woche Rotation in die Endoskopie war auch ganz interessant.
- die Möglichkeit, an 24h- Diensten teilzunehmen; das würde ich allen PJlern mal empfehlen. Man sieht spannende Sachen und bekommt einen "Ausgleichstag" frei.

Negativ fand ich:
- Die Arbeitszeiten sind nirgendwo offiziell geregelt; auf meiner Station wurde erwartet, dass bis zur Frühbesprechung um 7.15 Uhr alle BEs erledigt und PVKs gelegt sind; dafür musste man ca. um 6.45 da sein. Arbeitsende war- mit Glück- nach der Mittagsbesprechung gegen16.15 Uhr, aber häufig wurde es auch dann sehr ungern gesehen, wenn man heimging, schließlich seien noch nicht alle Briefe fertig geschrieben. An vielen Tagen mussten PJler außerdem zu langen OPs zum Hakenhalten usw, die dann bis abends gingen- am nächsten Tagen wurde man trotzdem pünktlich um spätestens 7 Uhr erwartet, auch wenn die OP am Tag vorher bis 20 Uhr ging.
- Studientage: Eigentlich steht uns laut Studienordnung ein halber Studientag die Woche zu. Einzelne Assistenzärzte haben uns das auch erlaubt, viele haben es aber auch sehr ungern gesehen, oder uns gesagt, dass wir uns doch nur vor der Arbeit drücken wollen- dabei waren wir 9-10 Stunden täglich da und echt motiviert, leider fand auf Station auch einfach kein Teaching statt, irgendwann muss man ja auch die Inhalte lernen.
- Eigentlich haben wir auf Station fast nur Hilfsarbeiten erledigt, das wurde sehr stark eingefordert: BEs (klar), PVKs legen, Verbände wechseln, Drainagen ziehen, ZVKs ziehen. Vieles davon war eigentlich pflegerische Aufgabe, wurde aber uns PJlern übergeben, so dass wir sehr oft von 6.45 bis etwa 12.30 Uhr nur damit beschäftigt waren. Oft konnte man dadurch nicht bei der Morgenvisite mitgehen. Ich helfe gern mit und packe gern an, aber eigentlich waren die 8 Wochen in der AVT wie ein langes Pflegepraktikum mit blöderen Arbeitszeiten und ohne kostenloses Mittagessen.
- Die Stimmung auf Station zwischen den Ärzten und Oberärzten war sehr schlecht. Einzelne Personen haben wochenlang nicht miteinander geredet. Dann hat uns PJlern Person A eine bestimmte Anweisung gegeben und Person B die gegenteilige, und egal wie wir es gemacht haben, haben wir von einer Seite am Ende Ärger bekommen. Andere Sachen wurden mMn unnötig schwer gemacht: "Du hast zwar gestern erst alle Verbände gewechselt und die müssen iegentlich nur alle 2 Tage gewechselt werden, aber gestern hatte ein anderer Arzt Dienst und der kann das nicht beurteilen. Also wechsele jetzt alle 25 Verbände nochmal. Aber nimm dabei nicht den Verbandswagen mit, der muss immer an einer bestimmten Stelle im Flur stehen bleiben!" -- das ist zwar Kleinkram, aber leppert sich einfach.
- Stimmung im OP: Viele Ärzte waren wirklich sehr nett im OP und haben sich große Mühe gegeben, dass man sich wohl fühlt. Leider gibt es einzelne, sehr angesehene Ärzte, die - vorsichtig ausgedrückt- sehr cholerische Tendenzen haben. Mit Glück wird man während dieser OPs nur ignoriert, mit Pech als inkompetent und nutzlos (beides wörtliche Zitate) beschimpft. Natürlich sagt niemand der vielen anderen Anwesenden dazu etwas. Auch wenn ich sicher kein besonderes Talent im OP-Saal habe, habe ich mir alle Mühe gegeben und finde es nicht in Ordnung, auf solch persönliche Weise angegangen zu werden, das ist einfach demütigend. Zumal einem ja auch niemand am Anfang einmal in Ruhe gezeigt hat, was genau man eigentlich machen soll.

Der PJ-Unterricht, bei mir coronabedingt größtenteils online, war ok bis gut. Das lag aber auch zum Teil am Format. Der Unterricht in Präsenz war meistens gut.

Insgesamt habe ich in der AVT leider sehr viel Zeit verbracht, dem Team sehr viel "lästige Arbeit" abgenommen und dafür sehr wenig gelernt. Bei den meisten anderen Stationne hatte ich das Gefühl, dass Motivation belohnt wird und man im Ausgleich vielleicht mal zu spannenden Aufgaben mitgenommen wird. Hier wurde auf Nachfragen eher negativ reagiert. Theoretisches Wissen habe ich fast nicht mitgenommen, da ungern gesehen war, wenn wir unsere "PJler-Arbeit" vermeintlich vernachlässigt haben, um z.B. zur Visite mitzugehen. Praktische Fertigkeiten habe ich leider auch kaum mitgenommen: Obwohl wir wirklich viel im OP waren, durften meine Mit-PJler und ich mit einer Ausnahme nicht einmal Hautnähte machen.
Meine Mit-PJler auf anderen Stationen haben auch von rassistischen und sexistischen Sprüchen von Seiten der Operateure und Corona-Verschwörungstheorien von Seiten eines Oberarztes erzählt. Ich persönlich habe das zum Glück aber nicht erlebt. Nach dem Tertial erfolgte deshalb ein Gespräch unserer PJ-Sprecher mit Vertretern der AVT, die sehr gut reagierten, sich bestürzt zeigten und betonten, dass sie ein solches Verhalten nicht tolerieren. Mal schauen, wie es für zukünftige PJler wird.
Unterricht
1x / Woche
Inhalte
Sonst. Fortbildung
Tätigkeiten
Botengänge (Nichtärztl.)
Poliklinik
Braunülen legen
Briefe schreiben
Patienten untersuchen
Blut abnehmen
Dienstbeginn
Vor 7:00 Uhr
Dienstende
16:00 bis 17:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Mittagessen regelmässig möglich
Kleidung gestellt
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Gehalt in EUR
ca. 450

Noten

Team/Station
4
Kontakt zur Pflege
3
Ansehen des PJlers
5
Klinik insgesamt
3
Unterricht
3
Betreuung
5
Freizeit
5
Station / Einrichtung
5
Gesamtnote
5

Durchschnitt 4.27