PJ-Tertial Kinderchirurgie in Kantonsspital Luzern (5/2021 bis 9/2021)

Station(en)
1 West, 3 West, Gipszimmer, Tagesklinik, OP
Einsatzbereiche
OP, Notaufnahme, Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde, Diagnostik
Heimatuni
Nicht angegeben
Kommentar
Eigentlich hatte ich mich sehr auf dieses halbe Tertial gefreut, weil die Schweiz insgesamt den Ruf hat, dass Unterassistenten fast alles an ärztlichen Tätigkeiten übernehmen dürfen und die "UHUs" (steht letztenendes für "Unterhunde") am Ende ihres PJs besser ausgebildet sind, als die meisten PJler in Deutschland. Leider waren die 2 Monate sehr ernüchternd und wahrscheinlich das schlechteste Praktikum meines Lebens (selbst mein Pflegepraktikum hat mehr Spass gemacht).

Pro:
- Kleines Team, jeder kennt deinen Namen (ausser in der Pflege, das sind einfach zu viele)
- 1x die Woche Fallvorstellungen von dir als UHU und Nachbesprechung
- Mittagessen regelmässig möglich
- kein richtiger Pikett-Dienst (auch wenn`s so im Vertrag steht, tlw. wird man dann aber doch gebraucht)
- 1x Monat Wochenenddienst
- spannende Fälle und Kolibri-Syndrome, die man sonst wahrscheinlich nie wieder sieht
- Dienstplan ist sehr flexibel, hier kann man sich sehr gut mit den anderen UHUs (zu meiner Zeit 4 gut absprechen
- in freien Minuten haben wir gipsen gelernt
- gutes Essen in der Mensa und Kaffee für 60 Rappen in Aufenthaltsraum der Notaufnahme

Contra (..oh Lord, wo soll ich anfangen?):
- wer keine perfekte (!) Intrakutannaht zu Beginn seines PJs versprechen kann, darf nicht nähen
- man wird bei seinen Patientenvorstellungen im Nachmittagsrapport regelmässig vom Chef unterbrochen und angeschissen
- man hat keine Berührungspunkte mit Diagnostik, Verordnungen und auch generell keine Verantwortung; lernt also de facto nicht mehr als in Deutschland, sondern eher weniger
- Visiten haben die UHUs in der Inneren komplett selbst gemacht, in der KiChi geht das nicht mal unter Beobachtung
- keine Teachings (in der Inneren und in der Viszi regelmässig!!!!
- ausser Aufnahmen machen, die im Nachmittagsrapport vorstellen und ein bisschen im OP Haken zu halten, gibt es eigentlich nichts zu tun und allen ist egal, dass man existiert
- im Sommer sind anscheinend besonders wenig Kinder da, sodass selbst die Assistenten weniger zu tun haben und dann in den Sprechstunden abhängen, wo man dann als UHU unerwünscht ist, weil sonst zu viele Leute drin sind. Dann wird man aber wieder angeschissen, dass man ja noch nie in der Sprechstunde war und wird für desinteressiert gehalten...
- der Chef hat einen sehr eigenen Humor, hält sich für unantastbar und erzählt viel Bullshit (z.B. dass neoadjuvante Chemo bedeutet, dass das Kind vor UND nach der OP eine Chemo kriegt. Just.. wow.); macht teilweise sogar seine Oberärzt:innen im OP und Rapport nieder! Dass Chefs v.a. in der Chirurgie cholerisch sein können, ist ja nichts neues, aber er ist tlw. wirklich respektlos im Umgang mit seinen Kolleg:innen.
- das wo am meisten dein medizinisches Denken gefordert wird, ist beim Arztbriefe-schreiben
- wenig motivierte Assistenten, die Lust auf Lehre haben; OÄ wenig zugänglich
- viele Stunden, die einfach nur abgesessen werden
- Journal-Club findet sehr unregelmässig statt
- absolut gar keine Einarbeitung
- die Kommunikation mit der Pflege ist unterirdisch schlecht, schlechte Stimmung ist vorprogrammiert
- man wird super selten zu spannenden Dingen mitgenommen, obwohl man ein Telefon hat und muss einfach Glück haben, dass man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist oder einen guten Assi erwischt hat.
- theoretisch gibt es einen Raum mit OP-Material und Laparoskopietrainern, der (auch nach mehrfacher Ansprache) nie geöffnet wurde; stattdessen sollte man sich mit kaputten Schwämmen und verbogenen Nadelhaltern im Arztzimmer begnügen

Fazit:
Ich kann jedem nur davon abraten, hier sein Tertial zu verbringen. Wer zufrieden damit ist, immer nur zuzuschauen und ansonsten nicht wirklich Teil des Teams zu sein, wie es ja so oft auch in Deutschland ist, kann vielleicht auch hier glücklich werden. Aber jemand der selbstständig arbeiten lernen will, ist hier sicherlich fehl am Platz. Luzern ist ansonsten super schön und sehr zentral gelegen. Also wer Lust hat, in die Schweiz zu gehen, dem kann ich die Stadt nur empfehlen, aber eben in einer anderen Klinik. Die schönste Erfahrung war eigentlich, die vielen andere UHUs im Personalwohnheim kennenzulernen und bei schönem Wetter mit Bergblick und kühlem Bier auf dem Dach oder am See zu sitzen oder gemeinsam wandern zu gehen. Fachlich habe ich leider wahrscheinlich noch nie so wenig mitgenommen, auch wenn ich grundsätzlich die Meinung vertrete, dass PJs auch Eigeninitiative zeigen sollten, dann klappt`s ja i.d.R. doch irgendwie mit der Lehre. Aber hier leider einfach gar nicht. Sehr schade in meinen Augen.
Bewerbung
2 Jahre im Voraus bei Frau Bürgisser
Unterricht
Kein Unterricht
Inhalte
Bildgebung
Patientenvorstellung
Fallbesprechung
Sonst. Fortbildung
Tätigkeiten
Chirurgische Wundversorgung
Patienten aufnehmen
Briefe schreiben
Mitoperieren
Botengänge (Nichtärztl.)
Patienten untersuchen
Dienstbeginn
7:00 bis 8:00 Uhr
Dienstende
17:00 bis 18:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Kleidung gestellt
Mittagessen regelmässig möglich
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Unterkunft gestellt
Gehalt in EUR
1250 CHF
Gebühren in EUR
360 CHF im Monat Miete, 8-14 CHF für Mittagessen

Noten

Team/Station
3
Kontakt zur Pflege
3
Ansehen des PJlers
5
Klinik insgesamt
5
Unterricht
4
Betreuung
5
Freizeit
4
Station / Einrichtung
4
Gesamtnote
5

Durchschnitt 4.53