PJ-Tertial Augenheilkunde in Universitaetsklinik Innsbruck (3/2021 bis 5/2021)

Station(en)
Ambulanz, OP, Station
Einsatzbereiche
OP, Station, Notaufnahme, Diagnostik, Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde
Heimatuni
TU Muenchen
Kommentar
Der Arbeitstag in der Augenheilkunde in Innsbruck geht von 7:50 bis 16:00 Uhr und beginnt mit der Morgenbesprechung, die sehr kurz ist. Danach sind die Ärzte erst einmal in den Aufenthaltsraum gegangen, um einen Kaffee zu trinken, während die Ambulanz sich füllt. Wir Studenten sind manchmal dorthin, manchmal aber auch schon einmal in die A7 (Notfallambulanz) und haben vorgearbeitet, um später mehr mitzubekommen. Unsere Hauptaufgabe in der Notambulanz lag leider darin bei fast allen Patienten in einem kleinen Kämmerchen den Visus und Augendruck zu messen. Diese Aufgabe teilt sich nämlich die Pflege- und Ärzteschaft und die Ärzte geben ihren Anteil natürlich gerne an ihre Praktikanten ab. 4 Tage lang herrschte sogar so ein Schwesternmangel, dass wir deren Voruntersuchungen auch noch übernehmen mussten. Zum Glück waren wir zu dem Zeitpunkt 3 KPJ-ler und eine Famulantin, wodurch zumindest immer je einer etwas sehen konnte. Natürlich zwingt einen keiner zu diesen Untersuchungen. Man wird nur immer wieder gebeten und ist dann meistens so nett das zu übernehmen. Wenn die Studenten aber nicht da sind, oder im OP, auf Station o.a. sind dann funktioniert es ja auch irgendwie. Daher hatte ich jetzt kein allzu schlechtes Gewissen viel Zeit nicht in der A7, sondern auch in allen anderen Bereichen zu verbringen.

An ärztlichen Räumen gibt es:
A1/A2/A3: Spezialsprechstunde
- Mo: Uveitits/Glaukom
- Di: Makula
- Mi: Diabetes/Onkologie
- Do: Hornhaut/Elektrophysiologie/Neuroophthalmologie/Labor
- Fr: Netzhaut OP
A4: Katarakt
A5: Allgemeine Ambulanz
A7: Notfall Ambulanz
S1/S2: Sehschule (Kinder, Strabismus, Tränenwege, Lider) (Mo, Mi, Fr: Sprechstunde, Di, Do: OP)
Station Süd/Nord
1 Sehschul-OP, 2 allgemeine OP-Säle und der IVOM-OP in der Ambulanz

Man kann sich überall immer dazusetzen. Auch bei den Orthoptistinnen, die Schielwinkel vermessen usw. und bei den Schwestern, die OCTs, FLAs und Perimetrien aufnehmen ist man gerne gesehen. Zu Fluoreszenzangiographien wird man öfters mal dazu gerufen, um den Patienten den Farbstoff zu spritzen. Zugänge, Augenspülungen, Schirmer-Tests und dergleichen werden von der Pflege übernommen, man kann bei Interesse aber natürlich auch dort mitmachen.
In den ärztlichen Sprechstunden kann man teilweise über einen Monitor die Spaltlampenuntersuchung mitverfolgen. Wenn genug Zeit ist (in A2/A4/Sehschule mehr als in A7) darf man auch selbst an der Spaltlampe üben und teilweise mit der Dokumentation beginnen. Leider kann unser eigener PJ-Computer-Zugang nur lesen und Visus/Tonometrie eintragen, für alle weiteren Dokumentationen muss ein Arzt eingeloggt sein. In der A7 durfte ich mit einer Kanüle oder Nadel Fremdkörper aus Augen entfernen und therapeutische Kontaktlinsen einsetzen. Montag morgens finden die Frühgeborenen-Untersuchungen statt. Um dort dabei zu sehen fragt man am besten Dr. Helga Wagner, die einen dann mit auf die verschiedenen Kinder-Stationen nimmt. Montag nachmittags werden im IVOM-OP kleine Eingriffe durchgeführt, meistens Chalazion-Exzisionen. Einmal durfte ich dort sogar eine komplette Chalazion-Exzision selbst durchführen. Der Arzt, der dabei war, hat aber jetzt leider nach Kufstein gewechselt. In den OPs kann man auch jederzeit über den Spion zusehen. Das OP-Spektrum der Innsbrucker Klinik bietet eigentlich alles, da sie ganz Tirol versorgen. Dass ich einen Haken halten durfte kam jedoch nur ein einziges Mal vor. Auf Station gibt es für Studenten nicht viel zu tun, 2 Tage dort reichen wohl aus. Dort besteht die Möglichkeit sich selbst Patienten zu suchen, die Einer Spaltlampenuntersuchung zustimmen, um etwas zu üben.
Die Ärzte haben nach Möglichkeit immer ab 13:00 alle gemeinsam im Aufenthaltsraum in der Ambulanz gegessen. Mittagessen to go bekommen Erasmus Studenten in der Mensa gratis. Vom Team her fand ich es in der Augenklinik echt super, alle sind mega nett und kollegial. Wenn jemand keine eigenen Termine mehr hat, dann werden die Patienten der anderen übernommen, sodass alle ca. gleich lang bleiben. Irgendwie sind sie aber nicht gewohnt Studenten früher heimzuschicken. Auf meine direkte Nachfrage, ob ich nach Hause gehen darf, wenn nicht mehr viel zu tun war, kam leider meistens nur ein „ich kann das nicht entscheiden“ oder „ich weiß nicht wie das versicherungstechnisch läuft“… Irgendwann habe ich dann die Taktik geändert und bin einfach gegangen ohne Bescheid zu geben. Beschwert hat sich niemand. Auch Ausfragen, wie in Deutschland manchmal üblich finden nicht statt, da die Innsbrucker nach dem KPJ keine Prüfung mehr haben. Dadurch, dass die österreichischen Studenten immer nur einen Monat bleiben, wird man eher wie ein Famulant behandelt, als wie ein PJler. Es ist daher ratsam direkt allen mitzuteilen, dass man länger bleibt damit sie einem die Möglichkeit geben auch mal selbst in einem eigenen Zimmer Patienten zunächst alleine zu untersuchen. Bei mir kam das sehr selten vor.

Egal wie gut oder schlecht die Klinik in welchem Fach auch immer ist kann ich jedem dazu raten mindestens ein Tertial in Innsbruck zu verbringen!! Die Stadt ist einfach wunderschön, die Leute super aktiv und motiviert und die Natur/die Berge in Tirol sind einfach ein Traum.
Gerade wer im Winter in Innsbruck lebt, sollte sich unbedingt das Freizeitticket holen. Dieses gilt für die meisten Skigebiete rund um Innsbruck, Eislaufen, fast alle Schwimmbäder und Museen usw. Während meines PJ-Tertials waren dank der wegen Covid19 geschlossenen Grenzen die Skigebiete so leer wie nie. Man hat eigentlich immer überall dieselben Leute getroffen und ich habe dadurch viele Freundschaften am Berg geschlossen. Ansonsten gibt es viele schöne Wanderwege und Klettersteige und an faulen Tagen kann man z.B. auch einfach mal mit der im Freizeitticket inkludierten Bahn auf die Nordkette rauffahren und sich oben in die Sonne legen. Ich hatte im Herbst in meinem vorherigen Tertial bei ein paar Volleyball-Trainings und Kurse im Unisport mitgemacht, die aber leider recht bald Covid-bedingt ausfallen mussten. Die Uni bietet ziemlich fancy Kurse an wie z.B. Snowkiten, Vertikaltuch und Capoeira. Im Sommer chillen alle am Sonnendeck (kleiner grüner Streifen zwischen Hauptuni und Inn), am Baggersee, oder an den Sandbänken am Inn in Kranebitten, oder halt irgendwo am Berg. Wer gerne viel von Tirol sehen möchte kann sich das Semesterticket Tirol für 187,20€ (WS20/21) kaufen und damit ein halbes Jahr durch ganz Tirol fahren. Für alle die etwas weniger Bahn fahren würde ich die ÖBB Vorteilscard emfpehlen, die für Leute unter 27 nur 19€ im Jahr kostet und einem 50% Rabatt gewährt.
Bewerbung
Normalerweise muss man sich zu festgelegten Fristen (ich glaube immer im Oktober) für einen Erasmus-Platz in Innsbruck bei Monika Schlager bewerben (monika.schlager@i-med.ac.at). Sie wirkt sehr strikt und eher unhöflich, hat aber eine gute Seele :). Da ich das Tertial davor bereits im Krankenhaus Schwaz verbracht hatte durfte ich sehr spontan um 2 Monate in der Augenheilkunde in Innsbruck verlängern, die eigentlich grundsätzlich keine externen Studenten aufnimmt. Nachdem ich aber von Frau Rieder im Chefsekretariat der Augenheilkunde erfahren hatte, dass in meinem 1. Monat kein einziger KPJ-ler (Klinisch Praktisches Jahr) dort sein würde und im zweiten auch nur einer anstatt maximal 2, konnte ich sie mit diesem Argument überzeugen mich doch noch dort aufzunehmen. Nach der Zusage musste ich so schnell wie möglichen alle möglichen Formulare ausfüllen, meinen Impfstatus von einem Hausarzt bescheinigen lassen, ein Foto für die Mitarbeiterkarte einsenden usw. Am Tag danach ging es auch schon los. In Innsbruck muss man immer ganze Monate vom 1. Bis 30./31. Absolvieren. Zum Glück hat das bei meinem Tertial genau gepasst. Man wird an der Medizinischen Universität Innsbruck immatrikuliert und zahlt dafür 20,20€ an die ÖH (Österreichische Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft). Die Innsbrucker Studenten bekommen ca. 600€ brutto pro KPJ Monat. Als Externer bekommt man leider nur das Mittagessen mit der Begründung, dass wir uns fürs Erasmus Plus Stipendium bewerben können.
Unterricht
Kein Unterricht
Tätigkeiten
Poliklinik
Patienten untersuchen
Notaufnahme
Mitoperieren
Dienstbeginn
7:00 bis 8:00 Uhr
Dienstende
15:00 bis 16:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Mittagessen regelmässig möglich
Essen frei / billiger
Gebühren in EUR
20,20

Noten

Team/Station
1
Kontakt zur Pflege
1
Ansehen des PJlers
2
Klinik insgesamt
2
Unterricht
4
Betreuung
2
Freizeit
1
Station / Einrichtung
1
Gesamtnote
2

Durchschnitt 1.87