PJ-Tertial Allgemeinchirurgie in Spital Grabs (1/2019 bis 3/2019)

Station(en)
OP, Notfallaufnahme, Stationen
Einsatzbereiche
OP, Notaufnahme, Station, Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde
Heimatuni
Hamburg
Kommentar
In der Schweiz arbeitet man eigenverantwortlich. Man bekommt Bereiche und Aufgaben zugeteilt und ist für deren Erfüllung verantwortlich.
Im Spital Grabs zählen hierzu: Assistieren im OP und die Aufnahme von Patienten die zu elektiven Operationen entweder am selben Tag oder einige Tage vor der Operation kommen.
Man erhält einen Dienstplan. Je nach Anzahl der aktuellen Unterassistenten ist es möglich dem Dienstplan (Einteilung auf versch. Stationen, eigentlich regelmäßig Notfallaufnahme) zu folgen. Zu meiner Zeit waren deutlich zu wenige Unterassistenten beschäftigt. Dies führte dazu, dass man 80% seiner gesamten Arbeitszeit im OP verbrachte und zwischendrin irgendwie versuchen musste noch die Aufnahme-Untersuchungen zu schaffen.
Dies führt zu erheblichem Stress, den man aus dem deutschen PJ nicht kennt. Häufig führt dies auch zu Konflikten zwischen den Unterassistenten und den Assistenzärzten.
Alles in allem ist das Verhältnis zu den Assistenzärzten jedoch gut.
Die Stimmung im Team der Chirurgie (hier Orthopädie und Allgemeinchirurgie/Viszeralchirurgie) ist jedoch grauenvoll. In fast jeder Besprechung kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Vorgesetzten untereinander und auch den Assistenzärzten. Als Unterassistent bleibt man hiervon jedoch meistens verschont.
Ein Teamgeist existiert jedoch nicht.

OP: Hier ist die Devise: Haken halten. Mehr ist nicht zu erwarten. Die meisten Operateure ignorieren den Unterassisten hierbei. Manchmal kriegt man Ärger wenn man nicht so an den Haken zieht wie gewünscht. Das Verhältnis zum pflegerischen OP-Personal ist jedoch grauenvoll. Offenkundig wird man als Unterassistent (vielleicht auch der deutschen Herkunft wegen) verachtet und entsprechend behandelt. Freundliche Worte gab es keine, der Ton ist feindseelig. Solch ein unprovoziertes Verhalten war mir bisher fremd. Ursachen dafür waren auch in klärenden Gesprächen unter Supervision nicht zu finden.
Eigene Tätigkeiten sind im OP nicht gewünscht. Erklärungen gibt es ebenfalls nicht. Gerade in den Diensten sind die Operateure meist sehr unfreundlich und schlecht gelaunt - vermutlich weil sie sich ärgern, dass sie mit einem Unterassistenten operieren müssen.

Station: Ich nahm in meiner Zeit dort an keiner einzigen Visite teil. Dies ist aus zeitlichen Gründen nicht zu schaffen. Dementsprechend betreut man keine eigenen Patienten und erhält keinerlei Teaching. Am Stationsalltag habe ich nicht teilgenommen.

Aufnahmen: Wie man es aus dem deutschen PJ kennt führt man Aufnahmengespräche mit Anamnese und körperlicher Untersuchung und händigt dem Patienten die OP-Aufklärung aus. Daraufhin informiert man den zuständigen Assistenzarzt und erzählt ihm kurz und bündig die Ergebnisse. Dies ist jedoch irrelevant. Demonstration von Befunden oder Untersuchungsmethoden ist hier nicht gewünscht. Der Assistenzarzt führt daraufhin mit dem Patienten nochmal ein Gespräch und klärt ihn auf. Meistens untersucht er den Patienten auch erneut. Die studentische Aufnahme dient nur dem Zweck alles zu dokumentieren. Einen Lerneffekt gab es dementsprechend nicht.
Die Pflege unterstützt einen bei den Aufnahmeuntersuchungen sehr und gibt sich sichtlich Mühe. Der Kontakt war immer sehr nett.

Notfallaufnahme: Zwei Mal war ich sogar dort und habe 2-3 Patienten gesehen. Eigenverantwortliches Arbeiten findet hier, anders als in deutschen Notaufnahmen, die quasi von PJlern über Wasser gehalten werden, nicht statt. Jeder Handgriff den man tut wird mindestens zweimal überprüft.

Dienstsystem: Unter der Woche muss man nachts im Schnitt zwei Dienste machen und im Schnitt pro Monat 1-2 komplette Wochenenden. In der Woche ist man zweiter Hintergrunddienst (je nach Laune der OP-Schwestern wird man aber auch einfach als erster Dienst angerufen, damit der eigentliche erste Dienst weiter schlafen kann) und am Wochenende ist man erster Dienst und muss dementsprechend häufig in den OP. Hat man nachts gearbeitet ist es offiziell so, dass man am nächsten Tag ebenfalls ganz normal zum Dienst erscheinen muss. Manchmal haben wir Unterassistenten es dann jedoch geschafft uns gegenseitig etwas zu unterstützen, sodass derjenige aus der Nacht ein paar Stunden schlafen konnte.

Gehalt: Das Gehalt klingt natürlich verlockend im Gegensatz zum deutschen PJ. Alles in allem habe ich jeden Monat ungefähr 300€ draufgezahlt. Man hat manchmal auch zwei Tage am Stück frei (zum Beispiel als Ausgleich für ein Wochenende). Geht man dann einmal Skifahren ist das Gehalt auch schon aufgebraucht. Die Unterkunft ist teuer, die Endreinigung ist teuer und die Lebensmittel in den umliegenden Supermärkten sind ebenfalls teuer.
Das weiss man eigentlich vorher, aber ich möchte damit nur sagen, dass man es eigentlich noch nicht mal schafft plus minus Null hier rauszugehen.

Team: Die Assistenzärzte sind meistens nett zu einem. 1-2 Mal hat man es sogar geschafft abends einer gemeinsamen Aktivität nachzugehen. Mittagessen findet jedoch niemals gemeinsam statt. Und selbst wenn: Die Kantine kostet für deutsche Verhältnisse derart unangebracht viel, dass es viel leichter ist sich in der Unterkunft einen Teller Nudeln zu kochen.

Kurz nach meiner Abreise hat die orthopädische Abteilung dafür gesorgt, dass sie eigene PJler kriegen dürfen. Dort war die Stimmung im OP meist etwas besser und es wurde mal auch etwas erklärt.

Zusammenfassend lässt sich mit meinen Erfahrungen nur von einem PJ-Tertial im Spital Grabs abraten. Es gab zwar auch einige positive Punkte, jedoch auch leider sehr viele negative Seiten. Ein PJ-Tertial in der Schweiz ist jedoch in jedem Fall eine gute Sache. Ich habe es einfach nur etwas schlecht getroffen.
Bewerbung
3 Monate vorher. Viele freie Stellen. Kein Problem gewesen.
Unterricht
Kein Unterricht
Tätigkeiten
Patienten untersuchen
Mitoperieren
Notaufnahme
Patienten aufnehmen
Dienstbeginn
Vor 7:00 Uhr
Dienstende
16:00 bis 17:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Kleidung gestellt
Unterkunft gestellt
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Gehalt in EUR
1000
Gebühren in EUR
700

Noten

Team/Station
4
Kontakt zur Pflege
1
Ansehen des PJlers
5
Klinik insgesamt
4
Unterricht
6
Betreuung
4
Freizeit
5
Station / Einrichtung
3
Gesamtnote
4

Durchschnitt 4