PJ-Tertial Allgemeinchirurgie in Spital Herisau (9/2019 bis 12/2019)

Station(en)
ACH/UCH/Urologie/Handchirurgie
Einsatzbereiche
OP, Station, Notaufnahme, Diagnostik, Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde
Heimatuni
Nicht angegeben
Kommentar
Ich habe mein 2. Tertial in der Chirurgie in Herisau gemacht, vorneweg es kann sein, dass ich zu viel von der Schweiz erwartet habe, aber Herisau war auf jeden Fall keine gute Entscheidung und ich habe es sehr oft bereut.

Die Ankunft und das Wohnheim:
Die Anreise einen Tag vor Tertialbeginn war unproblematisch, der Schlüssel wurde an der Information hinterlegt und man konnte einfach das Wohnheim beziehen. Das Wohnheim ist okay. Man hat einen eigenen Kühlschrank im Zimmer und die Zimmer sind relativ groß und gut ausgestattet. Mein Zimmer war bei Anreise sauber und es funktionierte alles. Das einzige Manko ist der Teppichboden, der ist fleckig und ist ziemlich unhygienisch.
Allerdings lässt die Sauberkeit in dem Gemeinschaftsbad und der Küche zu wünschen übrig und man muss immer um neue Geschirrtücher bei den Putzfrauen bitten, da sie diese selten von alleine tauschen. Die Küche ist allerdings sehr gut ausgestattet und alles funktioniert.

Der 1. Tag:
Die Chefsekretärin zeigte uns alles und wir bekamen Telefone, Namenschilder und Schlüssel ausgehändigt. Uns wurde das Gerät zum aus- und einstempeln gezeigt und die Umkleide mit der Bereichskleidung. Es wird alles incl. Kittel zur Verfügung gestellt. Die Sekretärin war sehr nett und hat sich gut um einen gekümmert. Wie man im Verlauf feststellte läuft ohne sie auch gar nichts, sie versucht noch etwas Ordnung in dieser chaotischen Abteilung zu schaffen.
Die restliche Begrüßung ließ eher zu wünschen übrig, alle waren kurz angebunden und niemand hatte Zeit einen einzuarbeiten.
Ansonsten muss man noch recht viel Bürokratiezeug an der Gemeinde regeln, dass lässt sich gut am ersten Tag erledigen. Man kann auch einen Antrag ausfüllen, dass man nicht extra eine Schweizer Krankenversicherung abschließen muss. Schlauer ist aber wahrscheinlich wenn man das Tertial so plant dass man unter 3 Monaten da ist, dann kann man sich das alles sparen.
Vor dem Ende des Tertials muss man sich dann nämlich auch wieder an der Gemeinde Herisau abmelden und die Ausländerbewilligung abgeben.

Die Lehre:
Es gibt niemanden der für die Unterassistenten zuständig ist und es finden keine Seminare statt. Wenn man es zeitlich schafft, was fast nie der Fall ist, könnte man Montagmorgens am Journalclub (auch nicht zu empfehlen) teilnehmen, Dienstags an der Assistenzarztfortbildung die mit den Internisten zusammen stattfindet und Donnerstags an der Hausarztfortbildung (durchwachsen).
Ansonsten wird sich leider auch nicht viel Zeit für die Lehre genommen, es wird wenig erklärt und man hat fast keinen Kontakt zu den Oberärzten. Ich finde auch die Ausbildung der Assistenzärzte echt schlecht, man hat den Eindruck es interessiert nur wenige Oberärzte, ob man dort in der Ausbildung etwas lernt.
Auf die Notfallstation und Intensivstation kommt man planmäßig gar nicht und auch auf Nachfrage wollte der Chef es nicht ermöglichen. In den letzten zwei Wochen hat sich dann noch mal die stellvertretende Chefärztin eingemischt und meinte wir könnten nun in die Notaufnahme, aber dann war es so spontan auch eher eine organisatorisches Chaos und wir waren bis zu dem Zeitpunkt eh schon so demotiviert und uninteressiert, dass sich dadurch nicht mehr so viel geändert hat. Im Prinzip könnte es aber glaube ich ganz cool in der Notaufnahme sein, dort konnte man eigene Patienten betreuen und direkt mit den Oberärzten besprechen. Die meisten internistischen Oberärzte nehmen sich auch viel Zeit und sprechen die Patienten gut mit einem durch.

Die Abteilung und das Team:
Ein Ärzte - Team gibt es hier meiner Meinung nach nicht. Es sind viele Einzelkämpfer, die nicht miteinander arbeiten können oder wollen. Der Chef kannte bis zum Ende nicht mal unsere Namen und interessiert sich nicht dafür was man in seiner Abteilung tut.
Über die Station ist es schwierig etwas zu sagen, in der Zeit in der wir da waren wurde einiges umgestellt und es wird sich wohl auch in nächster Zeit noch viel ändern. Im Prinzip liegen die chirurgischen Patienten nun über alle Stockwerke verteilt, es herrscht ziemlich viel Chaos und Unmut und es gehen häufig Formulare oder wichtige Informationen verloren.

Bei den Assistenzärzten hat sich personell auch viel geändert als wir da waren, aber es gab 3 ganz coole Assistenzärzte/innen von denen man schon was gelernt hat, aber es ging leider oft im Alltagsstress unter. Mit ihnen hat man auch immer mal was privat unternehmen können.

Die Pflegekräfte sind sehr nett zu Unterassistenten und sind alle sehr fit und hilfsbereit. Die Blutentnahmen werden hier durch sie erledigt und man muss nie Blutabnehmen. Ich hatte 2 x die Möglichkeit eine aBGA abzunehmen.

Der OP:
Man bekommt am Anfang eine Einweisung und die OP-Pflege ist super nett und hilfsbereit. Leider lässt der Rest für chirurgieinteressierte, aber eher zu wünschen übrig. Meist ist eher nur Hakenhalten angesagt, Fragen und Bewegen unerwünscht. Zum Nähen kommt man sehr selten, da sehr viel geklammert wird und viele Oberärzte einen eher nicht nähen lassen.
Die Belegärzte der Handchirurgie und Urologie waren super, bei Ihnen hat man viel gelernt und erklärt bekommen, man durfte richtig assistieren und auch hin und wieder etwas selber nähen.

Sprechstunde:
Man wird nicht eingeladen in die Sprechstunden zu kommen, auf Nachfrage ist, dass aber möglich und auch ganz interessant. Ich war nicht bei allen, aber da ist auch der Urologe Dr. Meyer zu empfehlen, er nimmt sich viel Zeit mit einem die Patienten zu besprechen und erklärt viel. Das hat mir sehr gut gefallen. Vielen Dank! Weiterhin gibt es noch die Sprechstunde von Dr. Lässker in der man donnerstags auch ganz gut mitlaufen kann und dann auch etwas erklärt bekommt.

Pikettdienste:
Im Prinzip wechseln sich die Unterassistenten für den 2. Rufdienst ab, am Anfang waren wir zu dritt im letzten Monat dann zu zweit. Pikettdienste sind während der Woche von 17-8 Uhr und am Wochenende von Freitagnachmittag bis Montagmorgen. Man wird zwar selten gerufen, trotzdem nervt es schon manchmal dass man jeden 2. Oder 3. Abend Rufbereitschaft hat v.a. weil man außer Essen nichts dafür bekommt und man sogar Minusstunden macht, wenn man nicht aufpasst.

Essen:
Es gibt täglich ein kostenloses Freigetränk im Restaurant.
Es wurde in der Zeit, in der wir da waren auf Buffet umgestellt, seitdem haben sich Geschmack und Qualität eher verschlechtert. Man bekommt, dass Essen incl. Getränk 3xtgl umsonst, wenn man Pikettdienst hat.


Fazit:
Ich habe mir mein PJ in der Schweiz anderes Vorgestellt und war ziemlich enttäuscht, ich hätte im Nachhinein betrachtet, dass Tertial splitten sollen, weil ich es schon am Anfang nicht so gut fand, aber ich dachte es wird besser. Gelernt habe ich sehr wenig und eigentlich geht man deshalb ja in die Schweiz, weil hier angeblich die Lehre so gut ist. Bei den Schweizern hat mich echt immer wieder überrascht, dass sie sehr ausländer- und frauenfeindlich sind. Zumindest ist mir das hier in Herisau schon deutlich aufgefallen.
Die Umgebung ist allerdings sehr schön und man kann sehr viel Unternehmen: wandern, die Stiftsbibliothek und Kathedrale in St. Gallen besuchen, auch die Rheinfälle lohnen sich sehr, Städtetripps nach Zürich, Basel, Luzern usw. Zum Glück waren noch 3 coole Pjler im Wohnheim und so haben wir in unserer Freizeit, dann wenigstens eine sehr schöne Zeit verbracht.
Bewerbung
Ich habe mich 2 Jahre vorher beworben, da waren noch alle Stellen frei.
Unterricht
Kein Unterricht
Tätigkeiten
Briefe schreiben
Botengänge (Nichtärztl.)
Untersuchungen anmelden
Notaufnahme
Patienten untersuchen
Patienten aufnehmen
Röntgenbesprechung
Rehas anmelden
Dienstbeginn
Vor 7:00 Uhr
Dienstende
17:00 bis 18:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Mittagessen regelmässig möglich
Kleidung gestellt
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Unterkunft gestellt
Gehalt in EUR
ca 1230
Gebühren in EUR
ca 390

Noten

Stimmung Station
4
Kontakt zur Pflege
2
PJler-Ansehen
6
Stimmung Klinik
5
Unterricht
6
Betreuung
5
Freizeit
3
Lehre auf Station
5
Insgesamt
5

Durchschnitt 4.73