PJ-Tertial Allgemeinchirurgie in Chirurgische Klinik München-Bogenhausen (7/2019 bis 10/2019)

Station(en)
Visceralchirurgie, Neurochirurgie, Unfallchirurgie
Einsatzbereiche
Station, OP, Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde
Heimatuni
TU Muenchen
Kommentar
In der Chirurgie am Klinikum Bogenhausen wird man von Beginn für 4 unterschiedliche Abteilungen eingeteilt, davon sind Viszeralchirurgie und Unfallchirurgie Pflicht. Ich wurde zusätzlich auf der Neurochirurgie eingeteilt:

Viszeralchirurgie (Station 13 = Privatstation; Note: 4,8):

Zusammen mit 5 weiteren PJlern (bei nur 11 Patienten auf Station!) wurde ich an meinem 1. Tag auf Station 13 abgestellt. Mit den Tätigkeiten auf Station (Blutabnahmen, Verbandswechsel, Briefe schreiben, etc.) waren wir gewöhnlich nach ca. 1h fertig! Danach begann die Langeweile. Da der OP wegen Pflegkräftemangels auf Sparflamme lief, konnten jeden Tag nur 1 bis 2 PJler in den OP (insgesamt waren wir auf der Viszeralchirurgie zu Beginn 12 Studenten!) Auch die Assistenzärzte auf der Station scherten sich wenig um uns, ein Teaching oder ähnliches gab es auf Station weder von ihnen, noch von den Oberärzten. Zudem wurden wir von den Ärzten auf Station überhaupt nicht eingelernt/angeleitet. Dies sollten die PJler, die noch aus dem vorherigen Tertial da waren übernehmen. Einige Assistenzärztinnen waren auch zu sehr mit der Pflege ihres Instagram-Profils beschäftigt, um uns neue PJler einzulernen. Kurzum: der Lerneffekt war gleich 0.
Meine Karte, mit der ich mir ein Mittagessen hätte holen können funktionierte vom 1. Tag an nicht und die zuständige Sekretärin war bei der Lösung dieses Problems alles andere als hilfsbereit. Um mein Essen also nicht auf eigene Rechnung bezahlen zu müssen, musste ich die Hilfe der PJ-Koordinatorin der Inneren Medizin um Hilfe bitten, welche mich für die erste Woche mit Essensmarken (welche wohl nur in der Inneren Medizin existieren) versorgte. Nach 1 1/2 Wochen wurde dann nach einem Gespräch mit der Personalabteilung endlich meine Karte freigeschaltet.

Unfallchirurgie (Station 22/23; Note: 5):

Während die Viszeralchirurgie schon schwer zu ertragen war, setzte die Unfallchirurgie allem die Krone auf. Hier wurde einem vom 1. Tag an klar zu verstehen gegeben, dass man hier vor allem eines sei, nämlich eine billige Arbeitskraft ohne Ansprüche auf irgendetwas (z.B. Lehre). Man bekam einen Piepser in die Hand gedrückt, mit dem man überall für "notfallmäßige" Blutabnahmen oder Rehaanträge erreichbar war. Visite sollte man nicht mitgehen, sondern stattdessen auf Station Blut abnehmen und anschließend Verbände wechseln. In meiner Zeit hier hat sich ein einziges Mal ein Assistenzarzt Zeit genommen uns ein 20 minütiges Teaching zu geben. Ansonsten setzte sich die "keine-Lehre-Attitüde" aus der Viszeralchirurgie nahtlos fort. Waren die Arbeiten auf Station erledigt war wieder Langeweile angesagt. Obwohl alle Arbeiten erledigt waren durfte man allerdings nicht vor 16.00 gehen, sondern musste die restliche Zeit brav absitzen.
In den Sprechstunden, die man natürlich nur in Begleitung des Piepsers besuchen durfte (siehe "notfallmäßige" Blutabnahmen oder Rehaanträge), konnte man am meisten lernen und auch mal selbst Patienten unter Anleitung untersuchen. Wenn man die peinlichen Momente, in denen der Chef seine Assistenten vor den Patienten angeschrie und niedergemachte mal außen vor lässt, war dies der Beste Teil der Unfallchirurgie.
Im OP waren die PJler fest als Haken- bzw. Extremitätenhalter eingeplant. Wer daran Gefallen findet wird den OP sicherlich anders bewerten als ich, ich persönlich fand es zumeist einfach langweilig. Es empfiehlt sich allerdings in den OP der Orthopäden auszuweichen, denn hier sind alle Oberärzte tatsächlich daran interessiert, dass man etwas bei der OP sieht und vor Allem lernt!
Alles in Allem war der Lerneffekt auf Station gleich 0. Da wir von den Assistenzärzten zum Teil auch noch sehr unfreundlich und von oben herab behandelt wurden kann ich hier für nahezu 0 Teaching und eine sehr unangenehme Stimmung keine bessere Note als 5 geben.

Neurochirurgie (Station 32; Note 4):

In der Neurochirurgie war ich als PJler alleine und habe im Prinzip die gleichen Tätigkeiten wie auf den anderen beiden Abteilungen durchgeführt, durfte allerdings anders als in der Unfallchirurgie gehen wenn die Arbeiten erledigt waren. Allerdings wird man hier als PJler nicht wirklich ins Team integriert und auch hier wurde mir nur selten etwas erklärt oder gezeigt. Allerdings waren die Ärzte hier bedeutend freundlicher als in der Unfallchirurgie. Auch hier war der Lerneffekt alles in Allem mehr als überschaubar.

Etwas positives möchte ich zum Abschluss noch herausheben: Die Fortbildung des Chefs der Gefäßchirurgie, welche jeden Mittwoch stattfand, war großartig. Herr Prof. Maier-Hasselmann war wirklich daran interessiert, dass die Studenten in seinem Kurs etwas lernen und auch für das Examen gerüstet sind!

In der Zusammenschau kann ich von einem PJ in der Chirurgie am Klinikum Bogenhausen nur abraten. Auch kann ich mir nicht erklären wie die positiven Bewertungen auf diesem Portal zustande gekommen sind. Nicht nur ich, sondern nahezu alle meine Mit-PJler waren mit den Bedingungen in diesem Krankenhaus alles andere als zufrieden. Es empfiehlt sich außerdem auf die Tertialdaten der einzelnen Bewertungen auf diesem Portal zu achten, diese stimmen nämlich zum Teil nicht mit echten Tertialdaten überein. Folglich stellt sich die Frage, ob das tatsächlich "echte" Bewertungen sind....
Bewerbung
PJ-Portal
Unterricht
1x / Woche
Inhalte
Sonst. Fortbildung
Tätigkeiten
Botengänge (Nichtärztl.)
Patienten aufnehmen
Braunülen legen
Rehas anmelden
Untersuchungen anmelden
Briefe schreiben
Blut abnehmen
Röntgenbesprechung
Dienstbeginn
Vor 7:00 Uhr
Dienstende
15:00 bis 16:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Kleidung gestellt
Essen frei / billiger
Mittagessen regelmässig möglich

Noten

Stimmung Station
5
Kontakt zur Pflege
5
PJler-Ansehen
5
Stimmung Klinik
5
Unterricht
3
Betreuung
5
Freizeit
4
Lehre auf Station
5
Insgesamt
5

Durchschnitt 4.80