PJ-Tertial Allgemeinchirurgie in Charite Campus Benjamin Franklin (8/2019 bis 10/2019)

Station(en)
Normalstation 48A, Privatstation 40A, Gefäßchirurgie 48B, Unfallchirurgie 42A/B
Einsatzbereiche
Notaufnahme, Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde, OP, Station, Diagnostik
Heimatuni
Nicht angegeben
Kommentar
Das allgemeinchirurgische Tertial begann mit einer Einführung vom Lehrbeauftragten Assistenzarzt. Uns wurde kommuniziert, wie wichtig die Anwesenheiten seien, es wurden uns allerhand Formulare ausgehändigt - unter anderem auch ein exakter Plan für Studentenfortbildungen mit Daten und Themen - und es gab einen Rundgang über Stationen, OP, etc - Soweit ja ganz nett. Es erfolgte eine Teilung des Tertials in 2 Monate Allgemeinchirurgie (4 Wochen Station, 2 Wochen Notaufnahme, 2 Wochen Gefäßchirurgie) und 2 Monate Unfallchirurgie.

Allgemeinchirurgie:
Station 48A:
Am Zweiten Tag kamen wir um 6:45 Uhr zur Visite an: 2 Assistenten und !! 13 Studenten (u.a. 10 Famulanten) !! visitierten die Patienten. Aufgrund der Menge an Studierenden standen die letzten 3 immer auf dem Flur, bekamen so gut wie nichts mit. War aber auch allen egal, besprochen wurde mit uns nicht ein einziger Patient. Am Bett wird kurz gefragt: Schmerzen? Stuhlgang? Essen geht? Bauch ist weich? - ENDE.
7:40 Uhr ist dann die Frühbesprechung - als PJler sitzt man in den letzten Reihen und versteht in der Regel nichts von dem, was vorne erzählt wird. Fun Fact: Famulanten werden persönlich und namentlich vorgestellt - auf die PJler wird kurz mit "achso und wir haben wieder 3 neue PJler" hingewiesen...
Nach Visite und Frühbesprechung werden uns die Blutentnahmen auferlegt. Ca. 20-30 BEs müssen gestellt, die bereits Gestellten kontrolliert und abgenommen werden.
Wenn man damit nicht bis ca. 10 Uhr fertig ist, wird man eher unhöflich darauf hingewiesen, dass die BEs noch nicht fertig seien. Danach kann man ab und an ein paar Pflaster wechseln, die sonstigen Aufgaben bestehen in Ausdrucken alter OP-Berichte, Zusammentackern von Stoma-Merkblättern und ähnlich sinnfreien Aufgaben bis zur Röntgenbesprechung, in der man unbedingt anwesend sein soll. Ansonsten passiert nichts. In der Besprechung werden Patienten vorgestellt, man versteht ebenfalls nur die Hälfte von dem, was gesagt wird - aber man muss eben da sein. Früher gehen (reguläre Arbeitszeit bis 16/16:30 Uhr wenn die Röntgenbesprechung vorbei ist) ist Todsünde, im Zweifel soll man diese Zeiten an Wochenenden etc nachholen.

Station 40A (Privatstation):
Morgen 6:45 Uhr Chefvisite mit 6 Oberärzten, 1 Assistent, 4-5 Studenten. Das Problem dabei ist nur: Der Chef spricht so leise, dass man nicht viel versteht und die Oberärzte stehen alle geschlossen um den Patienten, sodass man nichtmal etwas sieht. Wird vor dem Zimmer etwas besprochen bildet sich ein Kreis aus Ärzten, in den man aber als PJler selbstverständlich nicht aufgenommen wird. Dann stehen die 1,90m großen Oberärzte lieber direkt vor einem.
Ansonsten werden dort ca. 8-10 Patienten betreut - viel zu tun gibt es über den Tag also auch nicht. Gleiches wie o.g. : Rumsitzen, Stomablätter ausdrucken etc.

Die anfangs genannte Lehre fand in 4 Monaten einmalig statt, dann jedoch zu einem ganz anderen Thema als eigentlich vorgesehen und nachdem wir bei "Patient hat einen schmerzlosen Ikterus" nach 10 Minuten geklärt hatten, dass er wohl ein Pankreas-Ca hat, war der "Unterricht" vorbei. Spricht man jemanden auf die "Lehre" an, bekommt man als Antwort, man solle doch in die Tumorkonferenzen gehen (1x/Woche, Beginn 17:00 Uhr). Na ja

OP:
Meistens ganz in Ordnung, man kann sich vieles anschauen. Ist aber auch nicht unüblich, dass man bis abends im Saal steht, weil es sonst niemanden zum Haken halten gäbe. Diese Überstunden werden selbstverständlich nicht angerechnet - im Zweifel geht der Arbeitstag einfach bis 19:00 Uhr - Pech gehabt.

Gefäßchirurgie:
Das Team ist überwiegend sehr nett, die OPs spannend. Auf Station ist zwar ähnlich wenig zu tun, wie überall sonst auch, aber es sind maximal 2 Studenten, sodass man wenigstens mal in die Kurvenvisite eingebunden wird.

Notaufnahme:
Große Lachnummer. Die Allgemeinchirurgien haben keinen eigene Stützpunkt in der Rettungsstelle, werden also entweder konsilarisch oder zum Polytrauma gerufen. Man kann mit dem zuständigen Arzt mitgehen, vorausgesetzt man erreicht ihn bzw bekommt mit, dass ein Polytraumaalarm ausgelöst wird. Ansonsten ist man eigentlich 95% der Zeit auf Normalstation - s.o.

Unfallchirurgie:
Das Team ist nett, leider völlig unterbesetzt.
Auch hier viel zu viele Studenten, sodass man sich tagsüber die Zeit entweder mit Briefe schreiben oder mit Langweilen vertreiben kann.
Lehre findet ebenfalls überhaupt nicht statt.
OP ist ok, kann einem aber passieren, dass man für alles was man macht dumm angeschnauzt wird.
Hier war die Notaufnahme super, man kann die Patienten aufnehmen, Wunden selber nähen etc. Das lohnt sich wirklich.


Insgesamt bin ich sehr enttäuscht und finde die allgemeinchirurgische Ausbildung in der "großen Uniklinik Charité" einfach nur unterirdisch traurig.
Unterricht
Kein Unterricht
Tätigkeiten
Blut abnehmen
Röntgenbesprechung
Botengänge (Nichtärztl.)
Braunülen legen
Dienstbeginn
Vor 7:00 Uhr
Dienstende
16:00 bis 17:00 Uhr
Studientage
1x / Woche frei
Tätigkeiten
Mittagessen regelmässig möglich
Kleidung gestellt

Noten

Stimmung Station
6
Kontakt zur Pflege
5
PJler-Ansehen
6
Stimmung Klinik
6
Unterricht
6
Betreuung
6
Freizeit
6
Lehre auf Station
6
Insgesamt
6

Durchschnitt 5.93