PJ-Tertial Innere in Inselspital Bern (3/2019 bis 6/2019)

Station(en)
Allgemeine Innere Medizin, Stationen: Sahli-Haus und N-Süd
Einsatzbereiche
Station
Heimatuni
Luebeck
Kommentar
Algemeines:
Die Klinik ist riesig, sie versorgt ca. 10 Stationen und hat zwischen 70-100 AssistentInnen und bestimmt so 20 OberärztInnen. Das Patientenklientel ist sehr durchmixt, aus allen möglichen Bereichen aber insgesamt eher polymorbide und älter. Die meisten AssistentInnen wollen später Hausärzte in der Schweiz werden (heißt dann Allgemeiner Internist) und haben meist schon Berufserfahrung in Innere oder Chirurgie.

Aufgabenbereich:
Als PJler wird man von der Sekretärin Frau Hegi auf eine Station (in Ausnahmen auf zwei Stationen) aufgeteilt wo man dann seine Zeit verbringt. Dort wird man von anderen StudentInnen, AssistenzärztInnen oder Case Koordinatorin eingearbeitet. Man versorgt gemeinsam mit den AssistentInnen die PatientInnen der Station mit: Aufnahme, Körperliche Untersuchung, Visite (auch gern mal 3-4 Stunden-Morgenvisiten), Besprechen mit OberärztIn, Kardexvisiten mit der Pflege (Kurvenvisite), Hausarzt-Telefonate, Berichteanfordern etc. Es sind viele soziale Aufgaben zu erledigen und Telefonate. Auf Organisation muss man ein bisschen Lust haben damit man hier nicht durchdreht. Außerdem ist es gern gesehen wenn man die EKGs, Schellong-Tests, Gedächtnistests etc. auf Station erledigt. Ab und zu kann man auch mal sonografieren aber keine großen Sachen und unter Aufsicht. Ich hatte Glück und durfte einige Lumbalpunktionen durchführen, ab und zu sind auch Knochenmarkpunktionen oder Aszites- und Pleurapunktionen. Meist haben die Assistenten jedoch selbst kaum Erfahrung darin und wollen die Eingriffe leider selber ausführen. Wer Lust auf Handwerkliches hat ist hier also definitiv falsch.
Nach einigen Wochen arbeitet man selbstständig unter direkter Supervision durch OberärztIn und kann immer mehr selber machen. Zweimal am Tag kommen die OberärztInnen vorbei und man bespricht die PatientInnen sehr detailliert. Viel Wert wird auf durchdachte Diagnose- und Problemlisten (für den Arztbrief später) gelegt. Als PJler hat man dann 2-3 eigene Patienten (die Assistenten versorgen ca. 6-10 Patienten) und damit auch ziemlich gut zu tun. Nachdem ich immer mehr alleine arbeiten konnte und dadurch auch die Aufgaben mehr wurden (eigene Patienten in OA-Rücksprache versorgen) kam ich erst nach 18:00 Uhr nach Hause. Die meisten Assistenten noch viel später (ca. 21:00 Uhr).

Fortbildungen:
Klinikintern gibt es fast jeden Tag eine Fortbildung zu der eigentlich alle AssistentInnen und Studierende gehen sollen (manchmal schafft man es nicht). Die sind nicht wie PJ-Fortbildungen sondern eher für die ÄrztInnen gedacht mit neuesten Studienergebnissen etc. Es gibt aber auch Skills Training, Journal Club etc. , das rotiert immer. Die Fortbildungen haben mir nicht so wahnsinnig viel gebracht da sie häufig sehr speziell sind und nicht auf Studenten ausgerichtet.
Es gibt für die Blockstudenten (Berner Studenten im 4. Studienjahr, immer so 8 Studenten gleichzeitig für einen Monat in der Klinik) auch Fortbildungen (Bedside Teaching, EKG-Kurs), diese wiederholen sich jedoch monatlich. Man darf jedoch meist teilnehmen. Im Stationsalltag kommt es sehr auf OberärztInnen und AssistentInnen an ob man viel erklärt bekommt und sich für Fragen Zeit genommen wird.
Man kann mit Patienten von Station auch in Untersuchungen (Echo, Kolo, Gastro, EEG etc.) mitgehen und manchmal hatte ich Glück und dort sehr engagierte Gastroenterologen oder Kardiologen erwischt die dann etwas erklärt haben. Rotationen in Spezialstationen sind nicht vorgesehen und die Klinik ist auch nicht flexibel solche zu organisieren.

Sonstiges:
Es gibt gutes Gehalt (1.200 Franken pro Monat), damit kommt man inklusive Freizeitaktivitäten ziemlich gut über die Runden. Es gibt 2 Urlaubstage pro Monat, die nicht von den deutschen PJ-Urlaubstagen abgezogen werden. Arbeitsbeginn ist erst um 8:00 Uhr. Wohnen kann man in einem der Wohnheime, das kostet je nach Wohnheim 400 oder 600 Franken.
Bern und Umgebung locken natürlich mit einem grandiosen Freizeitangebot. Super ist da dass man keine Dienste an Abenden oder Wochenenden machen muss (alle Wochenendne frei!, anders als in vielen anderen Kliniken).

Fazit:
Insgesamt habe ich in diesem Tertial hauptsächlich gelernt mit Patienten umzugehen und Stationsarbeit und Soziales zu erledigen. Diagnoselisten und Arztbriefe schreiben zu können sind sicherlich nützliche Skills aber nach einigen Wochen wurde mir das Ganze dann auch ziemlich langweilig.
Innere Medizin wird hier sehr akademisch angegangen und Medikamentenlisten und Diagnosen nie unkontrolliert übernommen, sodass ich hier viel lernen konnte. Kritisches Denken wird gefördert. Für praktische Tätigkeiten ist dies jedoch die falsche Klinik und ich fand dass man als PJler sehr untergeht in dieser Riesenklinik und wenig Interesse an guter Lehre gezeigt wird. Ich denke dass es viele Kliniken gibt wo man als PJler in der Inneren Medizin besser aufgehoben wäre. Ein Tertial in der Klinik für Allgemeine Innere Medizin am Inselspital würde ich somit nicht unbedingt weiterempfehlen.
Bewerbung
Bewerbung über Denise Hegi (Sekretärin Allgemeine Innere Klinik) ca. 2 Jahre bis wenige Monate vorher (je nachdem ob noch Plätze frei)
Unterricht
5x / Woche
Inhalte
Sonst. Fortbildung
Tätigkeiten
EKGs
Briefe schreiben
Punktionen
Eigene Patienten betreuen
Röntgenbesprechung
Patienten aufnehmen
Patienten untersuchen
Untersuchungen anmelden
Dienstbeginn
7:00 bis 8:00 Uhr
Dienstende
nach 18:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Mittagessen regelmässig möglich
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Unterkunft gestellt
Gehalt in EUR
1.100

Noten

Stimmung Station
2
Kontakt zur Pflege
2
PJler-Ansehen
3
Stimmung Klinik
3
Unterricht
4
Betreuung
4
Freizeit
5
Lehre auf Station
2
Insgesamt
3

Durchschnitt 3.07