PJ-Tertial Anästhesiologie in Zentralklinikum Bozen (1/2019 bis 4/2019)

Station(en)
OP (SAR1) (+ Intensivstation (SAR2) und NEF)
Einsatzbereiche
Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde, OP
Heimatuni
Regensburg
Kommentar
Fazit: Ich kann ein PJ-Tertial in der Anästhesie in Bozen sowohl von fachlicher Seite als auch vom Freizeitfaktor aus voller Überzeugung empfehlen! Zum Erlernen der wichtigsten anästhesiologischen Grundkenntnisse und -fertigkeiten ist man am Zentralkrankenhaus Bozen gut aufgehoben und der morgendliche Kaffee-Geruch, der einem schon beim Reinkommen ins Krankenhaus entgegenschlägt, ist unbezahlbar! Dazu die traumhafte Umgebung Südtirols, gepaar mit italienischem Dolce Vita und viel Sonnenschein - was will man mehr?

Zum Krankenhaus & der Abteilung:
Man bekommt in der Anästhesie in Bozen eine breiten Einblick in die verschiedenen anästhesiologischen Verfahren und das Narkosemanagement fast aller operativer Eingriffe (außer Kardiochirurgie). Da generell meist nur wenige bzw. keine weiteren PJler da sind, kann man sich frei aussuchen, mit wem man mitgeht, und in welchem der 13 Sälen man zuschauen / mitmachen möchte. Außerdem ist man dadurch auch - im Gegensatz zur den PJlern der anderen, v.a. der chirurgischen Abteilungen - keine "Nummer" und wird gut ins Team integriert. Die italienischen Medizinstudenten machen in ihrer Ausbildung wenig Praktisches, deshalb erfordert es anfangs etwas Eigeninitiative und Engagement, damit man selbst Hand anlegen darf. Die meisten Anästhesisten erklären aber recht gerne und viel, und gerade die, die im deutschsprachigen Raum ihre Facharztausbildung gemacht haben, lassen einen viel selber machen. Man wird (bei einigen mehr, bei anderen weniger) aktiv eingebunden in alle Schritte des OP-Managements, von Patienten-Monitorisieren, Maskenbeatmen, Atemwegssicherung (Intubation / LAMA), BGAs Interpretieren, Narkosegerät-Einstellen bis hin zur Medikamenten-Vorbereitung und -Verabreichung. Auch die Pfleger sind größtenteils sehr nett und freuen sich immer über Mithilfe bei ihren Tätigkeiten, von denen wir ja nur profitieren: Zugänge legen, Monitoring anschließen, Medikamente aufziehen / verdünnen, Perfusoren bedienen, Magensonde legen, etc.
Die Abteilung für Anästhesie (SAR1) ist hier getrennt von der Abteilung für Intensivmedizin (SAR2), deshalb ist eine Rotation auf die Intensivstation nicht primär vorgesehen. Angeblich nimmt die Intensivstation eher ungern Studenten und meine Anfragen via Mail im Voraus waren nie beantwortet worden; ich bin aber einfach mal während meines Aufenthalt auf die ITS rüberspaziert und habe noch eine Rotation dorthin für meine letzten beiden Wochen organisieren können. Dort wird einem generell eher wenig erklärt, aber es ist trotzdem spannend, einmal einen Einblick zu erhalten in das intensivmedizinische Management und die vielen spannenden Fälle auf dieser doch sehr großen Intensivstation.
Außerdem habe ich einige 12h-Notarzt-Dienste auf dem NEF mitgemacht, was sicherlich eines der Highlights in diesem Aufenthalt war. Auch dafür gibt es wieder eine eigene Abteilung (118) mit eigenem Primar, aber die Organisation dieser "Hospitationen" war kein großer Aufwand. Wenn man mit den richtigen Anästhesisten mitfährt, darf man sehr viel selber machen und bekommt einen guten Einblick in das Notfallmanagement!

Zur Umgebung:
Bozen bietet einen unschlagbar hohen Freizeitwert! Die Kombination aus italienischem Flair und alpiner Umgebung sowie die 300 (!) Sonnentage pro Jahr machen die Stadt sehr lebenswert und es bieten sich am Wochenende viele Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, wie Wandern, Skifahren, Rodeln, etc. Auch Ausflugsziele wie der Gardasee und die Städte Meran, Trient, Verona oder Venedig sind gut zu erreichen und immer eine Reise wert. Kulinarisch wird man hier auch nicht enttäuscht: von Aperitivo über typische Südtiroler Küche bis hin zur Pizza - für jeden ist was dabei ;)! Als Anästhesie-PJler hat man etwas längere Arbeitszeiten als die chirurgischen / internistischen Kommilitonen, die sich meist schon mittags verabschiedet haben und einen Studientag pro Woche hatten. Aber man wird regelmäßig vor 15-16 Uhr heimgeschickt ("um die Sonne zu genießen") und kann jederzeit fragen, ob man früher gehen kann / sich einen Tag frei nehmen kann.

Tipps:
Wohnung: Mit der Wohnungssuche kann man in Bozen eigentlich nicht zu früh anfangen, da der Wohnungsmarkt äußerst angespannt ist. Empfehlenswert ist ein Blick auf die Facebook-Seite „Bolzano Unibacheca Universitari Affitti / Affitto Camera“ für WGs und Appartments. Außerdem gäbe es auch die Möglichkeit, ein sehr günstiges (Doppel-)Zimmer im Claudiana-Wohnheim zu erhalten, ansonsten hat auch die Uni-BZ ein Schwarzes Brett online, wo Wohnungsangebote gepostet werden.
Parken: Generell ist die Parksituation in Bozen sehr schwierig. Über das Krankenhaus kann man sich jedoch einen Mitarbeiterparkplatz für ca. 16€ monatlich organisieren, was eine gute Möglichkeit ist.
Sprache: Obwohl in Südtirol auch Deutsch als Landessprache gesprochen wird, sind circa 2/3 der Bozener Bevölkerung italienische Muttersprachler und auch im Krankenhaus wird oftmals eher Italienisch als Deutsch gesprochen. Viele der italienischsprachigen Ärzte sind auch erst seit kurzer Zeit in der Stadt und können oft kein / kaum Deutsch. Deshalb ist es sinnvoll, sich vor Praktikumsbeginn zumindest Grundkenntnisse der italienischen Sprache anzueignen!
Zur Vertiefung der Italienisch-Kenntnisse vor Ort kann ich die private Sprachschule Alpha Beta Piccadilly empfehlen; die wöchentlich stattfindenden Stunden in kleiner Kursgröße waren eine gute Unterstützung und auch eine schöne Gelegenheit, noch Leute außerhalb des Krankenhauses kennenzulernen.
Bewerbung
Bewerbung circa ein Jahr im Voraus per E-Mail an die zuständige PJ-Sekräterin Fr. Kalser. Inzwischen hat sich rumgesprochen, dass es sich in Bozen gut leben und arbeiten lässt, sodass die Bewerberzahlen für ein PJ-Tertial hier steigen und es empfehlenswert ist, weit genug im Voraus anzufragen; es ist aber auch immer wieder spontan was frei.
Unterricht
Kein Unterricht
Tätigkeiten
Braunülen legen
Blut abnehmen
Patienten untersuchen
Botengänge (Nichtärztl.)
EKGs
Punktionen
Dienstbeginn
7:00 bis 8:00 Uhr
Dienstende
15:00 bis 16:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Essen frei / billiger
Kleidung gestellt
Mittagessen regelmässig möglich

Noten

Stimmung Station
2
Kontakt zur Pflege
1
PJler-Ansehen
1
Stimmung Klinik
2
Unterricht
4
Betreuung
1
Freizeit
1
Lehre auf Station
1
Insgesamt
1

Durchschnitt 1.47