PJ-Tertial Allgemeinchirurgie in Hospital General de Queretaro (1/2018 bis 3/2018)

Station(en)
Allgemeinchirurgie
Einsatzbereiche
Station, OP, Notaufnahme, Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde, Diagnostik
Heimatuni
Hannover
Kommentar
Ein unvergessliches Erlebnis, schade, dass wir erst so spät Mexiko als Praktikumsort entdeckt haben. Wir können es aber jedem empfehlen. Wir waren zu zweit dort, was es sicherlich auch etwas vereinfacht hat. Queretaro ist eine recht sichere Stadt, auch wenn man natürlich Gewaltopfer häufiger sieht als in Deutschland. Wir selber haben uns nie unsicher gefühlt.
Die mexikanischen Studenten sind uns in praktischen Dingen Meilen voraus, werden in PJ regulär im "guardia" Schichtsystem eingesetzt.
Das bedeutet 1. Tag preguardia =7-16.00 2. guardia= 24 h von 7 bis 7 des Folgetages, 3. postguardia =du bleibst nach der Schicht da, also 7.00-16.00. Dann wiederholt sich der Ablauf. Als Ausländer hatten wir am Wochenende frei, konnten uns somit auch das Land ansehen und für einen Ausflug nach Yucatan hatten wir dann auch Urlaub bekommen (ist also als Ausländer möglich, man muss sich halt überlegen, wie weit man es vor den mexinischen Studenten treibt). Das mag intial vielleicht etwas abschreckend klingen und es ist definitiv auch keine Klinik unter Palmen Atmosphäre, aber es ist total interessant und verändert die Perspektive wenn bei uns über Überarbeitung geklagt wird. Das besondere ist, dass in diesem Krankenehaus einfach nur relativ selten Ausländer aufschlagen, so dass man eine recht privilegierte Position dort hat. Die Mexikaner sind ein sehr patriotisches Volk und haben ein starkes Bedürfnis auch einem die Besonderheiten und Vorzüge des eigenen Landes zu präsentieren. Und es sind einfach unfassbar herzliche Menschen, die wir sicherlich nicht vergessen werden. Durch die langen Zeiten, die die Mexikaner im Krankenhaus bleiben müssen entsteht dort ein sehr enges Zusammengehörigkeitsgefühl, dass es externen dramatisch vereinfacht Anschluss zu finden. Und die Freizeit wird von allen intensiv genutzt. Ein weitere Vorteil ist, dass die Mexikaner ein recht klares Spanisch sprechen.
Jetzt zur konkreten Tätigkeit: Das Krankenhaus ist ein öffentliches Krankenhaus für Patienten, die keine regelmäßige Beschäftigung haben und dort günstig versorgt werden. Die kommen oft von weiter her in die Klinik und gehen zudem auch nicht mit jedem "wehwehchen" zum Arzt. Somit sieht man sehr viele fortgeschrittenere Krankheitsbilder als ich es in Deutschland erlebt habe und eine Dankbarkeit den Ärzten gegenüber, wie sie mir ebenfalls neu war.
Den Größteil der Arbeit verrichten dort die Assistenten (residentes) und die Studenten (internos). Die Aufsicht haben "Oberärzte", was aber eher unseren Belegärzten entspricht. Dies hat den Nachteil, dass organisatorische Abläufe weniger gut durchdacht sind, weil sich so richtig keiner dafür verantwortlich fühlt. Jedoch ist diese Vielzahl an "Oberärzten" ein Vorteil, weil die Allgemeinchirurgie dann wirklich seeehr allgemein sein kann, weil viele verschiedene Spezialisten dort aufschlagen. So werden dort neben dem, was wir als ACH kennen urologische OPs (HodenCa, Torsionen), Mamachirurgie, plastische Chirurgie, Nierentransplantationen, Herzklappenoperationen, Augenops (Katarakt usw.), MKG (Mandibularfraktur), dermatologische Eingriffe, Gefäßnähte und Thoraxchirurgische Lungeneingriffe durchgeführt. Bei all diesen OPs sind PJler anwesend. Ein wichtiger Unterschied zu Deutschland ist, dass nach 16.00 (und Operateurabhängig manchmal früher) die PJler instrumentieren. Das hatten wir vorher noch nie gemacht, es ist natürlich etwas ungewohnt das Instrumentarium auf Spanisch bei der obligatorischen lauten Musik im OP anzureichen. Aber es ist wirklich schade, dass wir das in Deutschland nicht machen, weil man sehr viel dabei lernt wenn man im Kopf durchgehen muss, welche OP Schritte jetzt folgen und was man entsprchend für Instrumente brauchen wird. Und grundsätzlich herrscht im OP einfach viiiel wengier Hektik als hier, so dass etwas überlegen auch keine Katastrophe ist. Ansonsten kann man assistieren und auch viel selber machen im OP, wobei es für die Mexikaner etwas schockierend ist, wie wenig wir uns eigenständig zutrauen (wie du willst das wer zusieht wenn du nen Zeh amputierst......). Es wird relativ viel gefragt und auch PJ unterricht dort bedeutet, dass das Thema bekanntgegeben wird und dann jeder sich darauf vorbereitet und dann ausgefragt wird. Aber so hat man einen deutlichen Wissensgewinn. Am Ende des Tertials gab es eine Prüfung, an der wir auch teilnehmen konnten.
Interessant ist auch die Notaufnahme, die ein lebhaftes drunter und drüber ist.
Gegen Ende des Tertiales hatten wir nocheinmal die Gelegenheit in die Gynäkologie, genauer die Geburtshilfe zu gehen.
Grundsätzlich sind die Studenten dort regelhaft für die Geburten zuständig und machen diese dann auch selbst, inklusive der Naht. Nur bei Problemen werden die Assistenten gerufen, die ihnen helfen. Wir haben nur zwei Tage zugesehen und haben auch ein Kind unter Anleitung auf die Welt gebracht :-)!!!!!, wer aber einen längeren Aufenthalt dort macht, kann da sicherlich auch viel mehr lernen.

Insagesamt kann man sagen, dass es ein unglaublich intensives, spannendes halbes Chirgietertial war, in dem wir unsere Spanischkenntnisse dramatisch verbessert haben, viele tolle Leute kennengelernt haben, die Kultur des Landes erlebt haben und viele praktische OP-Erfahrungen gesammelt haben. Falls wir früher gewusst hätten, wie toll ein PJ in Mexiko ist, hätten wir sicherlich das gesamte Tertial dort verbracht.
Unterricht
1x / Woche
Inhalte
Repetitorien
Sonst. Fortbildung
Fallbesprechung
Tätigkeiten
Mitoperieren
Braunülen legen
EKGs
Chirurgische Wundversorgung
Blut abnehmen
Patienten aufnehmen
Patienten untersuchen
Botengänge (Nichtärztl.)
Poliklinik
Punktionen
Notaufnahme
Untersuchungen anmelden
Briefe schreiben
Eigene Patienten betreuen
Dienstbeginn
Vor 7:00 Uhr
Dienstende
Schichtdienst
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Essen frei / billiger
Mittagessen regelmässig möglich

Noten

Team/Station
1
Kontakt zur Pflege
1
Ansehen des PJlers
1
Klinik insgesamt
1
Unterricht
1
Betreuung
1
Freizeit
1
Station / Einrichtung
1
Gesamtnote
1

Durchschnitt 1