PJ-Tertial Allgemeinchirurgie in Spital Dornach (9/2018 bis 11/2018)

Station(en)
Allgemeinchirurgie und Orthopädie, Notaufnahme
Einsatzbereiche
Notaufnahme, OP, Station, Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde
Heimatuni
Tuebingen
Kommentar
Mein Chirurgietertial am Spital Dornach hat mir leider gar nicht gefallen. Das Krankenhaus ist sehr klein, es gibt nur eine Chirurgische Station mit 20 Betten und eine Orthopädische Belegarztstation. Zusätzlich noch 2 internistische Stationen. Als PJler oder UHU, wie mann dort genannt wird, macht man am Tag ca. 8 Aufnahmen. D.h. man macht eine Anamneseerhebung bei den Patienten, keine Untersuchung. Diese gibt man dann ins System ein, macht Post-operative Verordnungen für den Patienten und muss den Patienten dann an einen der Assistenzärzte übergeben. Morgens und Nachmittags macht man die 10-minütige Handshake-Visite mit ALLEN Ärzten (Sprich: 2 Chefs, 1 Oberarzt, 2-3 Assistenzärzte, 2-4 PJler) und einer Pflegekraft. Man steht also irgendwo an der Tür und sieht weder den Patienten geschweige denn die Wunde. Die Patienten werden quasi gar nicht besprochen. Wenn man tagsüber keine Aufnahmen macht, steht man im OP. Fast ausschließlich bei den Orthopäden, die mit den UHUs ncihts zu tun haben und einen auch meist wenig machen lassen. Wenn man lieb fragt darf man vielleicht mal zunähen oder bekommt etwas erklärt. Generell war ich aber viel lieber im OP als auf Station. Die Assistenzärzte behandeln ihre PJler als Sekretäre, die nur die lästige Bürokratiearbeit machen. Teilweise haben ich und mein PJ-Kollege ALLE Austrittsberichte für die Patienten geschrieben. Wir mussten täglich mit irgendwelchen Hausärzten oder Kliniken telefonieren, um Befunde einzuholen. Mediamentenlisten abtippen oder irgendwelche Zettel Faxen gehörten auch zu unseren Aufgaben. Bei der Visite muss man immer die Anordnungen in den PC eintragen. Alles ist super chaotisch, keiner weiß wer was macht und so geht sehr viel Zeit verloren. Es finden pro Woche 2 Fortbildungen statt. Eine davon findet Mittwoch Abends außerhabl der Arbeitszeit statt, ist aber meist sehr gut.
Nach 2 Wochen haben wir bei den Chefärzten und dem Oberarzt angefragt, ob sie sich vorstellen könnten einen PJ-Unterricht angeboten und einige Verbesserungsvorschläge zur besseren Organisation der UHU-Aufgaben gemacht. Von den Chefärzten, insbesondere vom wirklich sehr netten Herr Glauser, wurde unsere Beschwerde mit offenen Ohren empfangen. Herr Glauser hat im folgenden Monat 2x eine 15-minütige UHU-Fortbildung gemacht, die wirklich gut war. Die Assistenzärzte haben seit dem Tag unserer Beschwerde kaum mehr mit uns gesprochen, uns noch länger dabehalte nund uns mehr lästige Aufgaben aufgedrückt. Wenn wir um 17 Uhr Feierabend machen konnten waren wir froh, meistens war es allerdings gegen 18 oder 19 Uhr. Außer Herrn Glauser, dem Studenten wirklich am Herzen liegen waren Chef/Oberarzt und Assistenten nicht willig die Situation für uns zu verbessern. Ich habe daher meine Stelle nach 2 Monaten gekündigt, und aus meinem Auslandstertial ein Splittertial gemacht. Ich bin für die letzten 2 Monate Chirurgie wieder an mein Lehrkrankenhaus zurückgekehrt.
Was mich besonders verärgert hat: Mir wurde vom Oberarzt vorgeworfen, ich hätte zu hohe Ansprüche an meine Arbeit als PJlerin. Er hat es als frech bezeichnet, dass ich mich um Unterricht bemüht habe und mich beschwert habe, dass ich in 2 Monaten nur 3 viszeralchirurgische OPs sehen konnte. Zur Visite meinte er: Die sei in jeder chirurgischen Abteilung so chaotisch und würde nur aus Handschlag und Verbandswechsel bestehen.
Aus meinem Tertial an meinem Lehrkrankenhaus in Böblingen/Sindelfingen kann ich folgendes berichten: Die Visite läuft strukturiert und in einem angemessenen Tempo statt. Die Patienten und auch PJler können in der Visite fragen stellen. Ich kann so oft im OP assistieren, wie ich möchte und mir wird wesentlich mehr beigebracht. Ihc bekomme 4-6 mal pro Woche PJ-Unterricht wo sich ein Chefarzt 1-2 h Zeit nimmt uns zu unterrichten. Und ich habe Kontakt zu den Patienten und kann praktische Sachen wie Verbandswechsel und Wundversorgung lernen. Es liegt also NICHT an der Chirurgie per se sondern an der Chirurgischen Abteilung in Dornach. Natürlich stehe ich im Moment am unteren Ende der Hirarchie. Trotzdem bin ich nicht bereit, dass so respektlos mit mir umgegangen wird. Ich bin gerne bereit die typischen unangenehmen PJ-Aufgaben zu übernehmen. Allerdings ist es dann mein gutes Recht Lehre einzufordern. Denn auch in der Schweiz verdient man als PJler weit unterhalb des Mindestlohns und hat deswegen meiner Meinung nach das Recht auf Lehre und Patientenkontakt. Herr Glauser meinte in seinem Abschlussgespräch, dass er es nur konsequent findet, dass ich kündige. Im Rückblick kann ich sagen: ich bin unglaublich froh gekündigt zu haben, weil mir die Arbeit in der Chirurgie in Böblingen/Sindelfingen wirklich Spaß macht. Ein kleines bisschen Stolz bin ich auch, dass ich mich gewehrt habe. Als "kleiner PJler" hält man einfach viel zu oft den Mund, wenn Höhergestellte respektlos und unverschämt zu einem sind.

Noch ein paar positive Sachen zum Schluss:
Der vom Oberarzt Mayr organisierte Nahtkurs war sehr gut und hat viel Spaß gemacht
Die drei Viszeralchirurgischen Operationen, die ich in meinen 2 Monaten dort mitmachen durfte waren sehr interessant und wirklcih toll, weil der Chefarzt Herr Glauser sehr nett ist und viel erklärt. Ein Artherom durfte ich sogar selbst herausschneiden und vernähen.
Herr Glauser ist sehr nett und verständnisvoll und hat mir trotz meiner Kündigung einen Job angeboten.
Die 2 Wochen, die ich in der Notaufnahme gearbeitet habe waren echt cool. Dort waren die Assistenten wesentlich netter und man hat auch mal Patientenkontakt.

Meine Empfehlung: Geht auf keinen Fall für euer Chirurgietertial ans Spital Dornach (Meine Deutschen und Schweizer PJ-Kollegen haben das auch so empfunden). Bereist das Land lieber einfach nur so. Die Schweiz allgemein und die Region um Basel ist großartig - das habe ich mir auch von meinen schlechten Erfahrungen nicht vermiesen lassen. Ich bin vor allem von den Outdoormöglichkeiten und den Städten begeistert. WEnn man am Spital Dornach arbeitet hat man aber leider wenig Zeit die Schweiz zu genießen.
Bewerbung
Ich habe mich 2 Jahre vorher beworben.
Unterricht
Kein Unterricht
Inhalte
Nahtkurs
Tätigkeiten
Patienten aufnehmen
Botengänge (Nichtärztl.)
Notaufnahme
Briefe schreiben
Rehas anmelden
Mitoperieren
Dienstbeginn
7:00 bis 8:00 Uhr
Dienstende
nach 18:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Mittagessen regelmässig möglich
Kleidung gestellt
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Gehalt in EUR
1700 Franken, 320 Franken für die Unterkunft und Steuern werden noch abgezogen

Noten

Stimmung Station
5
Kontakt zur Pflege
3
PJler-Ansehen
6
Stimmung Klinik
5
Unterricht
5
Betreuung
6
Freizeit
6
Lehre auf Station
5
Insgesamt
5

Durchschnitt 5.07