PJ-Tertial Gastroenterologie in Mayo General Hospital (12/2017 bis 4/2018)

Station(en)
unterschiedlich
Einsatzbereiche
Station
Heimatuni
Nicht angegeben
Kommentar
Mir war klar, dass ein PJ Tertial in Irland anders als zuhause werden würde. Die Berichte hier versprachen aber eigentlich, dass es ganz gut werden würde. Dementsprechend enttäuscht war ich bereits nach den ersten Wochen. Man musste 600 Euro Gebühr für ein ganzes Tertial bezahlen und noch so einiges an Nachweisen erbringen. Letzten Endes waren eigentlich nur die 600 Euro wichtig, den Rest hätte man auch einfach nicht hin schicken müssen. Ein großes Lob geht an Clodagh, da sie alle E-Mails und Formulare schnell beantwortet/bereitgestellt hat.

Nun zum Krankenhaus. Ich hätte so einen schlechten Standard nicht von einem westlichen Land in der EU erwartet. Die Patienten warten zum Teil ein Jahr um einen Termin im Krankhaus zu bekommen. Es gibt nur Sechser-Zimmer, in denen die Patienten von jung bis alt, männlich und weiblich, mit Windeln und Demenz zusammen liegen. In diesen Zimmern kann man selten ein Fenster öffnen und ein Radio ist meistens laut aufgedreht. Zu meiner Zeit war gerade große Grippewelle, weshalb auf jedem Gang hinter einem aufstellten Paravent ein Patient in einem Bett lag. Wenige Isolierzimmer gibt es aber zum Glück auch.
Die Ärzte Tragen alle ihre normale, etwas schickerer Kleidung und ziehen damit von Bett zu Bett und in jedes zweite setzt sich der Oberarzt. Jedem wird die Handgeschüttelt, ab und zu (!) werden die Hände auch mal desinfiziert. Es gibt für jeden Patienten eine dicke grüne Mappe in die alles handschriftlich notiert wird, zum Teil werden auch die Laborwerte seitenweise per Hand rein geschrieben. Kein Wunder, dass diese Akten manchmal 3 Kilo schwer sind. Während der Visite ist es sehr schwer überhaupt mit zu bekommen, was der Patient hat. Ein Assistenzarzt hat die Akte in der Hand und dokumentiert dort. Ein anderer hat die Mappe mit den Medikamentenverordnungen. Der Consultant flüstert mit dem Patienten, während in den 5 anderen Betten geschnarcht, telefoniert oder mit einem anderen Visite-Team geredet wird. Dann läuft noch der Radio und die Snack- Frau kommt mit ihrem Wägelchen vorbei und verkauft Cola, Limo und Kekse an die Patienten.... Zusätzliches Problem bei mir war, dass außer den beiden Consultants (Dr. O'Donnel und Dr. Egan) nur Inder und Pakistani in meinem Team waren, welche ich nach einem Monat noch sehr schlecht verstanden habe. Meine Aufgabe bestand also hauptsächlich im Lippenablesen und dabei stehen.
In Irland dauert das Medizinstudium 5 Jahre und ist sehr theoretisch. Mit unserem PJ können also die meisten nichts anfangen und ich wurde ganz oft einfach mit den third-year oder fifth-year Studenten zum Lernen weggeschickt. Manchmal sollten wir von einem Patienten eine full history and examination machen und diese dem Team präsentieren. Meinen Consultant haben alle irischen Studenten gefürchtet, weil er des Öfteren (nennen wir es) „nicht adäquat“ reagiert hat. Da flossen bei den ein oder anderen auch mal die Tränen. Jeden Mittwoch sind clinics/ sprechstunden der ambulanten Patienten. Dort durften wir die Patienten, die sich zum ersten Mal vorstellten, befragen und untersuchen. Das war der beste Tag, weil man sich endlich mal nützlich vorkam und nicht nur im Weg rum stand. Am Freitag sind den ganzen Tag Endoskopien, bei denen ich aber nur selten zuschauen durfte, weil die irischen Studenten Vorrang hatten, da sie immer nur eine Woche im Team waren und dann gewechselt haben. Somit war ich jeden Tag von 9 Uhr bis maximal halb 3 in der Klinik, was auch seine Vorteile hat.

Die Freizeitgestaltung in Castlebar ist etwas schwierig. Es gibt außer einem alten heruntergekommenen Schwimmbad, einer Bowlingbahn und einem Kino nicht viel. Leider hat es bei mir auch noch jeden Tag geregnet. Ich würde unbedingt empfehlen mit dem Auto anzureisen. Wir sind oft nachmittags einfach noch eine halbe Stunde ans Meer gefahren. Das Bussystem ist hier nicht gerade gut ausgebaut.

Abschließend würde ich jedem empfehlen es sich wirklich gut zu überlegen, ob er ein ganzes Tertial hier verbringen möchte. Man lernt nicht sonderlich viel und es frustriert weil man ständig kämpfen muss etwas erklärt zu bekommen oder als Teil des Teams angesehen.
Ich konnte am Schluss noch das Team wechseln und war bei Dr. Lavin in der allgemeinen Inneren. Dort war die Stimmung wesentlich angenehmer und wäre ich von Anfang an dort gewesen, wäre meine Bewertung wahrscheinlich um einiges positiver ausgefallen.
Bewerbung
2 Jahre vorher
Unterricht
Kein Unterricht
Tätigkeiten
Patienten untersuchen
Dienstbeginn
Nach 8:00 Uhr
Dienstende
Vor 15:00 Uhr
Studientage
Frei verfügbar
Gebühren in EUR
600 + 85€ Miete/Woche

Noten

Stimmung Station
4
Kontakt zur Pflege
5
PJler-Ansehen
5
Stimmung Klinik
4
Unterricht
4
Betreuung
4
Freizeit
1
Lehre auf Station
5
Insgesamt
4

Durchschnitt 4.00