PJ-Tertial Chirurgie in Albert-Schweizer-Krankenhaus Northeim (3/2016 bis 5/2016)

Station(en)
C1, C2, C3, ZNA
Einsatzbereiche
Notaufnahme, Station, Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde, OP
Heimatuni
Goettingen
Kommentar
Das Chirurgie-Tertial in Northeim hat das Problem, dass eine Abteilung das gesamte Tertial negativ überschattet (Details siehe unten). Bis auf diese Ausnahme war es ein chirurgisches Tertial, das völlig akzeptabel war. Alle, die viel selbst operieren wollen, sind hier nicht richtig, alle anderen, die nicht viel operieren wollen (vor allem kein Interesse haben, selbst etwas zu machen) und lieber viele Abteilungen sehen möchten und viel in der Notaufnahme arbeiten möchten, die sind in Northeim richtig. Begeisterung für das Fach Chirurgie wird hier nicht entfacht.

Im Laufe des Tertials durchläuft man bis zu 5 chirurgische Stationen, die recht unterschiedlich waren. Eine Abteilung sorgt für ein schlechtes Gesamtergebnis. Allgemeinchirurgie, Unfallchirurgie und Notaufnahme sind für jeweils 4 Wochen festgelegt, 4 Wochen stehen zur freien Verfügung. Die kann man auf die 3 genannten Abschnitte einteilen, oder in Gefäßchirurgie und Urologie wechseln (für 1x Wochen oder 2x2 Wochen), was sehr zu empfehlen ist. So viel Auswahl bieten sonst nur wenige Kliniken.

Kleidung wird gestellt, für Unfall- und Allgemeinchirurgie gibt es jeweils 1 PJ-Telefon, was zu wenig ist. Essen kostet Geld, schmeckt auch nicht besonders gut. Lieber was zu essen von zu Hause mitnehmen. Dafür bekommt man die vollen 600 € ausgezahlt. Dienstbeginn 7:30 Uhr, Ende gegen 15 Uhr. Die Unterstützung durch die Assistenzärztinnen und -ärzte war bis auf ein paar Ausnahmen in der Orthopädie und Unfallchirurgie gut. Gleiches gilt für das Pflegepersonal, Letzteres war auf den allgemein- und unfallchirurgischen Stationen ziemlich gestresst.

Von Seiten der Chefärzte (Ausnahme Urologie und Gefäßchirurgie) bestand quasi kein Interesse an Ausbildung, dies trifft insbesondere für die Leitungsebene der Unfallchirurgen zu. Von den Chef- und Oberärzten der Orthopädie und Unfallchirurgie wurde man (mit Ausnahme des Notaufnahme-OA) nur als "der Student" bezeichnet, unabhängig vom Geschlecht und hauptsächlich als Assistent für Belegärzte eingesetzt, die an Weiterbildung aber auch kein Interesse hatten, da sie ihr OP-Programm schnellstmöglich beenden wollten. Ein persönliches Interesse an uns als Menschen und Personen, die sich in der Ausbildung befinden, gab es absolut nicht. Der Umgang in den anderen Disziplinen inkl. Allgemeinchirurgie war ok bis sehr gut.

Die Einzelkritik folgt hier:

Allgemeinchirurgie:
War ok, wenig Besonderes, leider wenig Interesse an Weiterbildung. Habe ein paar Stiche im OP genäht, höchste der Gefühle war Kamera halten bei Cholezystektomie als 1. Assistent. Das war aber echt interessant.

Orthopädie und Unfallchirurgie:
Katastrophal. Keinerlei Wertschätzung für Führungsebene, hauptsächlich eingesetzt als Assistent für Belegärzte, die kein Interesse an Weiterbildung haben oder als 2. Assistent bei Hüft und Knie-OPs, wo man nichts sieht. Dazu noch die Blutentnahmen der Abteilung. Teilweise dumme Kommentare, wenn man Fragen stellt oder nicht telefonisch erreichbar ist (z.B., weil man in einem anderen OP-Saal assistieren muss). Man darf außer Haken oder Extremitäten halten nichts machen, nicht nähen und soll „unsichtbar die Haken so halten, dass der Operateur alles sehen kann“ (Zitat Sektionsleiter Unfallchirurgie). Man wird eingesetzt um Personal einzusparen, da sonst Assistenzärzte oder teilweise OTAs die Assistenz bei den Belegärzten machen müssen. Dienstagnachmittag muss man zur KAK-Konferenz in die UMG, da wurde man aber immer für OPs eingeteilt. Ein Hinweis auf die Pflichtveranstaltung wurde häufig nur schulterzuckend zur Kenntnis genommen. Irgendwer müsse ja in den OP. Dass diese Veranstaltung seit Jahren existiert und die PJs schon immer dahin müssen, haben die leitenden Unfallchirurgen leider immer noch nicht gelernt. Dieser Einsatz der PJs widerspricht den Vorgaben für die PJ-Ausbildung. Für uns war das auszuhalten, da quasi alle PJs 2 der 4 Wochen in der Orthopädie und Unfallchirurgie Urlaub genommen haben (spricht für sich). Von der Führungsebene wurde das mit wütenden Nachfragen beantwortet, warum denn kein PJ für sie da wäre (warum wohl???). Teilweise wurden PJs aus anderen Abteilungen zum Einsatz im OP genötigt. Habe einen großen Bogen um den OP gemacht und lieber Briefe geschrieben, davon lagen da auch noch genug rum, die keiner geschrieben hat.

Zentrale Notaufnahme:
Größter Lernzuwachs, größter Anteil an praktische Arbeit, beste Betreuung, bester Abschnitt, ist für 4 Wochen eingeplant. Allein für diesen langen Abschnitt lohnt sich das Tertial in Northeim. Machen darf man quasi alles, je nachdem, wer gerade Dienst hat.

Gefäßchirurgie:
Nettes Team, spannende OPs, guter Einblick für 2 Wochen. Ist sehr zu empfehlen.

Urologie:
Nettes Team, kleine Abteilung, guter Einblick für 2 Wochen. Ist sehr zu empfehlen. Möglichkeit zu untersuchen, Sono zu machen und Katheter zu legen, Assistenz bei Eingriffen. Alles nach Belieben.

Fortbildungen:
Es gab keinen Fortbildungsplan (außer der Anästhesie). Aus den Innere-Fortbildungen wurden wir Chirurgie-PJs teilweise wieder ausgeladen. Die Veranstaltungen waren auch nirgendwo angekündigt, lief alles über Mund-zu-Mund-Propaganda. Erschwert wird das durch die diversen Abteilungen und den Mangel an Telefonen und ein teilweise nicht vorhandenes Handynetz. Bei den chirurgischen Fortbildungen war meistens unklar, wer überhaupt dran ist. An chirurgischen Fortbildungen haben die elementaren Fortbildungen leider vollständig gefehlt. Es gab keinen Nahtkurs, keinen Untersuchungskurs für Abdomen und keine Kurse für Gelenke (mit Ausnahme eines Seminars von 30 Minuten in einem kleinen Raum für 25 Personen), und keinen Kurs der chirurgischen Bildgebung. Wenn man nett fragt, macht der Chef der Radiologie einen sporadisch stattfindenden Kurs zum Röntgen-Thorax. Der ist echt empfehlenswert. Habe in keiner anderen Fortbildung im PJ mehr gelernt. Liefert viel praxisrelevantes Wissen, der ist aber ein besonderer Typ Mensch, an den man sich gewöhnen muss. Lohnt sich in jedem Fall.
Bewerbung
Ãœber Frau Niemeyer
Unterricht
Kein Unterricht
Inhalte
Sonst. Fortbildung
Bildgebung
Tätigkeiten
Chirurgische Wundversorgung
Blut abnehmen
Briefe schreiben
Mitoperieren
Braunülen legen
Patienten untersuchen
Untersuchungen anmelden
Patienten aufnehmen
Botengänge (Nichtärztl.)
Notaufnahme
Dienstbeginn
7:00 bis 8:00 Uhr
Dienstende
15:00 bis 16:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Kleidung gestellt
Gehalt in EUR
595

Noten

Team/Station
2
Kontakt zur Pflege
3
Ansehen des PJlers
3
Klinik insgesamt
2
Unterricht
4
Betreuung
3
Freizeit
2
Station / Einrichtung
2
Gesamtnote
3

Durchschnitt 2.67