PJ-Tertial Unfallchirurgie in Bezirkskrankenhaus Lienz (10/2016 bis 12/2016)

Station(en)
Unfallchirurgie
Einsatzbereiche
Notaufnahme, Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde, Station, OP
Heimatuni
Nicht angegeben
Kommentar
Die Unfallchirurgie in Lienz ist ein ausgesprochen nettes Team: man ist von Anfang an mit fast jedem_r im ärztlichen und Pflegeteam per du und der Kontakt zur Pflege ist besonders in der Ambulanz extrem angenehm. Man wird bei neuen Tätigkeiten von dem teils sehr erfahrenen Pflegeteam auch immer wieder hilfreich unterstützt und auf Wichtiges hingewiesen. Die für (K)PJler_innen verantwortliche Ärztin des Teams ist Ärztin mit Leib und Seele und auch bei der Ausbildung sehr engagiert. Man bekommt die Gelegenheit viel zu lernen, es wird allerdings auch erwartet, dass man sich selbst engagiert, man bekommt Fragen gestellt und es wird klar ausgesprochen, was man besser machen könnte.

Ich habe zu Beginn bekannt gegeben, dass ich mich am meisten für die Arbeit in der Ambulanz und insbesondere die Ersteinschätzung von Verletzungen interessiere und das war dann auch täglich meine Hauptbeschäftigung. Dabei ist man aber auch im OP immer gerne gesehen, wenn einen ein Eingriff interessiert. Ab und zu wird man auch einfach gebraucht, um zu assistieren. Das Ausmaß an Stationsarbeit, das ich verrichten musste, hielt sich im Grunde sehr in Grenzen: in der ersten Woche habe ich einen Teil des Vormittags auf Station verbracht, um die Abläufe kennenzulernen und im Verlaufe der darauffolgenden Wochen hilft man ab und zu Turnus/Assistenzärzt_innen aus oder übernimmt größere Teile der Arbeit, wenn diese mal einen Tag fehlen. Generell gilt, dass der erste Venflon nach Aufnahme ärztliche Tätigkeit ist und die Blutabnahmen auch von der Pflege durchführt werden. An manchen Tagen habe aber auch ich ein paar Blutabnahmen übernehmen müssen (im Vergleich zu anderen Tertialberichten aber eine Seltenheit).

In der unfallchirurgischen Ambulanz habe ich die ersten Wochen mal gebraucht, um mich zurechtzufinden und einigermaßen einen Überblick über die doch zahlreichen verschiedenen Krankheitsbilder zu bekommen. Dementsprechend hab ich am Anfang recht viel beobachtet, mir Dinge erklären lassen (wozu die meisten Ärzt_innen auch gerne bereit sind) und mich vorsichtig an eigenständigeres Arbeiten heran getastet. Nach und nach lernt man dann die Standardabläufe zu den häufigeren Beschwerdebildern und übernimmt dann immer öfter Patient_innen selbst (immer mit einem Arzt/einer Ärztin in der Nähe oder zumindest telefonisch aktivierbar, um sicher zu gehen, Fragen zu stellen, etc.). Generell war der Ablauf bei mir meistens so, dass ich zuerst eigenständig Anamnese und Untersuchung gemacht, Röntgen angefordert und bei Bedarf Ultraschall ausgeführt oder Harnstreifen abgenommen habe und dann einem_r der Ärzt_innen davon berichtet habe. Je nach Beschwerdebild und dem Ausmaß meiner bisherigen Erfahrung damit, haben diese dann einfach nur abgesegnet, was ich geplant hatte, Anmerkungen dazu gemacht oder den_die Patient_in mit mir gemeinsam nochmal angeschaut. Im Anschluss habe ich dann den Ambulanzbericht diktiert und diesen dann am Ende noch von dem_r mitbehandelnden Arzt_Ärztin kontrollieren lassen.
Zu meinen weiteren Tätigkeiten in der Ambulanz gehörte die primäre Wundversorgung inkl. Lokalanästhesie, Wundexploration/-reinigung und Naht. Auch im OP konnte ich regelmäßig die verschiedenen Nahttechniken üben. Ein paar mal konnte ich auch kleinere Eingriffe wie Nageltrepanation oder Nagelteilentfernung durchführen.

Auf jeden Fall ist zu sagen, dass es auch stark auf die Eigeninitiative ankommt, wieviel man mitnimmt und ich glaube, ein aktiverer, extrovertierterer Mensch hätte noch sehr viel mehr mitnehmen und selbstständig machen können. Generell ist es, glaube ich, auch zu empfehlen, eher 16 statt 8 Wochen auf der Unfallchirurgie zu verbringen, weil die Lernkurve anfangs steiler ist und man sonst gehen muss, wenn's gerade anfängt, richtig Spaß zu machen.

Ein interessanter Punkt sind nicht zuletzt die Patient_innen selbst. In Osttirol ist man nämlich etwas härter im Nehmen als in den urbanen Regionen Österreichs. Und so sieht man z.B. Almwirte, die einige Tage mit großflächigen Verbrennungen herumlaufen bis sie mal den Weg in die Klinik finden, oder Altbäuerinnen, die tagelang mit Frakturen durchs Leben gehen, bevor sie ärztlichen Rat suchen. Und sollte die Lokalanästhesie mal nicht zu 100 % sitzen, verzieht hier auch kaum wer eine Miene. Der Umgang mit den Patient_innen ist aber vor allem deshalb angenehm, weil man auch mit diesen häufig per du ist und generell meist gegenseitiges Wohlwollen und kein so unpersönlich distanzierter Umgang wie andernorts herrscht.

Für Berg- und Naturfreunde ist Lienz ein ziemliches Paradies und Wandern/Klettern/Tourengehen ist Volkssport! Aber auch wer einfach gerne in einer schönen Umgebung (Blick auf die Berge aus dem Fenster, Morgentau und frische Luft am Weg zum Krankenhaus) ist, kommt auf seine Kosten.

Fazit: Selbst als chirurgisch wenig begeisterter Mensch hat mir das Tertial echt Spaß gemacht - sowohl inhaltlich als auch was das Miteinander im Team angeht. Ich habe sehr viel an neuem Wissen mitnehmen können, einige Dinge zum ersten Mal gemacht und/oder richtig trainiert. Und wenn das nächste Mal ein Familienmitglied mit einem Wehwehchen kommt und meinen jungärztlichen Rat will, stehe ich jetzt wenigstens nicht mehr völlig ahnungslos da ;)
Bewerbung
6 Monate
Unterricht
1x / Woche
Inhalte
Sonst. Fortbildung
Bildgebung
Fallbesprechung
Patientenvorstellung
Tätigkeiten
Poliklinik
Röntgenbesprechung
Eigene Patienten betreuen
Mitoperieren
Patienten untersuchen
Chirurgische Wundversorgung
Patienten aufnehmen
Briefe schreiben
Braunülen legen
Blut abnehmen
Notaufnahme
Untersuchungen anmelden
Dienstbeginn
7:00 bis 8:00 Uhr
Dienstende
15:00 bis 16:00 Uhr
Studientage
1x / Woche frei
Tätigkeiten
Essen frei / billiger
Unterkunft gestellt
Mittagessen regelmässig möglich
Kleidung gestellt
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Gehalt in EUR
350

Noten

Stimmung Station
1
Kontakt zur Pflege
1
PJler-Ansehen
1
Stimmung Klinik
1
Unterricht
1
Betreuung
1
Freizeit
1
Lehre auf Station
1
Insgesamt
1

Durchschnitt 1.00