PJ-Tertial Innere in Klinik Susenberg (1/2015 bis 4/2015)

Station(en)
Akutgeriatrie, Palliative Care, Onko./Intern. Reha
Einsatzbereiche
Station
Heimatuni
Frankfurt
Kommentar
Allgemein:
Die Klinik Susenberg ist ein kleines (34 Betten, 5 Ärzte) Spital mit dem Schwerpunkt auf internistische/onkologische Rehabilitation, Akutgeriatrie und Palliative Care. Man hat hier vor allem mit älteren Patienten zu tun, welche bereits viel (emotional und körperlich) hinter sich haben und teils seitenlange Diagnosenlisten haben. Diagnostik beschränkt sich auf EKG, Röntgen, Labor und Ultraschall. Wer also Koronarangiographien, Koloskopien etc. live sehen muss, sollte vielleicht eher an ein Unispital.
Das heisst jedoch bei weitem nicht, dass es aus medizinischer Sicht langweilig sei. Im Gegenteil: Der alte, multimorbide Patient erfordert ein breites Spektrum ärztlichen Wissens (v.a. Pharmakologie) und mit Hinblick auf den letzten Lebensabschnitt auch viel soziale Fähigkeiten. Ein Tertial an der Klinik Susenberg bereitet einen somit nicht nur gut auf die mündliche Prüfung vor, sondern auch auf die weitere ärztliche Tätigkeit, in welchem Fachgebiet auch immer.

Anfang:
Man wird vom ersten Tag an freundlich aufgenommen und aktiv in das Team eingebunden. Die Atmosphäre war zu jeder Zeit herzlich, von Seiten der Pflege, Physio-/Ergotherapie, Ärzte und aller anderen Mitarbeiter. Die Unterassistenten (UA) sind den Assistenzärzten nahezu gleichgestellt. Die Hierarchien sind sehr flach, Chefarzt und leitende Ärztin sind stets verfügbar, nehmen sich Zeit und sind in der Lage ihr Wissen gut zu vermitteln.

Am ersten Tag erhält man Kittel, Essenscoupons, Sucher und vor allem einen eigenen Arbeitsplatz/Rechner mit eigenem Login. Nach diesen wenigen Formalitäten wird man meist dem dienstältesten Assistenzarzt zugeteilt.

Tagesablauf:
Morgenrapport findet um 8:15 statt. Vertreten sind Ärzte, Pflegeleitung, Physio-/Ergotherapie, psychologischer Dienst und Sozialdienst. Die Geschehnisse der Nacht werden berichtet, Tagesablauf und Organisatorisches besproche; zudem stellt man als UA den am Vortag aufgenommenen Patienten dem Team vor.

Hiernach geht erstmal die gesamte Mannschaft zum Kaffeetrinken, wer Frühstücken mag hat hier auch noch etwas Zeit für ein Marmeladenbrot oder ein Bircher-Müsli. Zudem bestellt man bereits das Mittagessen.

Um 9:15 beginnt die Visite bei der man mit dem zuständigen Assistenzarzt mitläuft und Notizen für die Verlaufseinträge macht. Einmal die Woche gibt es Visite mit dem Chefarzt Dr. Zerkiebel (CA) und einmal mit der leitenden Ärztin Dr. Nigg (LA). Im Fall dass ein Assistenzarzt ausfällt (Urlaub, Krankheit) übernimmt der CA oder LA die Visite dort und man geht dann dort mit. Somit lernt man immer wieder alle Patienten in der Klinik kennen.

Gegen 11:00 ist man mit Visite fertig, hiernach hat man noch Zeit die Verlaufseinträge im PC abzutippen. In etwa um die Uhrzeit kommen auch die aufzunehmenden Patienten. Aufgabe des UA ist es diese kurz zu begrüssen, Berichte, Medikamentenlisten einzusammeln und durchzusehen. Müssen Mittagsmedikamente verordnet werden? Müssen bestimmte Medikamente bestellt werden (Zytostatika, spezielle Antibiotika, etc.?).

Meist sehr pünktlich um 12:00 geht das Team zum Mittagessen. Dieses ist kostenlos für den UA. Das Essen ist sehr gut, reichlich, man kriegt zudem stets Salat oder Dessert dazu. Das Küchenteam leistet wirklich gute Arbeit. Die Mittagspause wird dann auch tatsächlich genutzt, man wird also nicht gehetzt.

Nach dem Mittag geht es dann zu dem aufzunehmenden Patienten. Man hat eigentlich jeden Tag einen, es kam ganz selten vor dass es mal keinen gab. Anamnese, klinische Untersuchung, das volle Programm. Danach erstellt man die Eintrittsverordnungen und dokumentiert die Befunde. Im Anschluss setzt man sich dann mit CA/LA und Assistenzarzt zusammen und stellt den Patienten vor. Man kann jederzeit Fragen stellen, Vorschläge zur Medikation besprechen oder sich Teile der klinischen Untersuchung nochmal erläutern lassen. Dies ist sicherlich das wovon man am meisten profitiert: Man lernt ausführliche Anamnesen und Untersuchungen durchzuführen, was auch eine gute Prüfungsvorbereitung ist. So gut wie hier habe ich die Herzauskultation zu keinem Zeitpunkt im Studium gelernt.
Im Anschluss hat man dann noch kleinere Tätigkeiten, z.B. mit Angehörigen, Hausarzt oder zuweisenden Ärzten reden (Fremdanamnese), fehlende Vorbefunde anfordern, EKG, Laborkontrollen anmelden, Mini-Mental-Status erheben, etc.

Arbeit ist vorbei sobald sie vorbei ist. Sprich: an manchen Tagen war ich noch bis 18:00 an der Klinik, an anderen schon um 16:00 fertig. Durchschnittlich ist man um 17:00 fertig.

Fortbildung:
Mittwoch morgens findet wahlweise eine Fallvorstellung oder ein Journal Club (Vorstellung eines Papers) statt, welcher von den Assistenzärzten und dem UA in Rotation organisiert wird. Etwa einmal im Monat muss man also einen kleinen Vortrag vorbereiten.
Donnerstag morgens gibt es einen Röntgenrapport. Insgesamt werden eher wenige Röntgenbilder gemacht, aber man bespricht auch durchaus CT/MRT Befunde von den zuweisenden Kliniken.
Donnerstag nachmittags gibt es noch eine Fortbildung welche von CA oder LA geleitet wird, hierunter fallen dann auch z.B. EKG Besprechungen.

Urlaubstage:
Studientage gibt es nicht, wäre auch unsinnig. Ich hatte 8 Urlaubstage in den 16 Wochen zur Verfügung.

Zürich:
Schön aber teuer. Das Gehalt wird zum Grossteil für das Wohnheim ausgegeben, man hat aber sonst auch eher wenig Ausgaben. Wenn man mag kann man am Wochenende in die umgebenden Skigebiete fahren, etwa 1-2h Fahrt.

Fazit:
Ich werde mich noch in vielen Jahren an die persönlich und fachlich wunderbare Zeit an der Klinik Susenberg erinnern. Ich kann ein Tertial vorbehaltlos empfehlen.
Bewerbung
Ich habe mich fast 2 Jahre im Voraus beworben, was sicherlich etwas verfrüht war. Ich denke 1 Jahr Vorlauf ist ausreichend. Alternativ eher kurzfristig wenige Monate vorher für den Fall dass jemand eine Unterassistenzstelle absagt.

Alle Informationen bezüglich Bewerbung finden sich auf der Klinik-Webseite, eine Antwort erhält man innerhalb kürzester Zeit.

Im Voraus muss man die Aufenthaltsbewilligung organisieren. Da die Klinik Susenberg kein eigenes Wohnheim hat, muss man sich ausserdem eigenständig um einen Wohnort kümmern. Zu empfehlen ist hierbei das Wohnheim vom Kinderspital Zürich in der Bergstrasse 55/57 aufgrund der Nähe zum Arbeitsplatz. Eine Zusage hier wurde erhielt ich etwa 8 Wochen vor Aufenthalt.
Unterricht
2x / Woche
Inhalte
Repetitorien
Bildgebung
Fallbesprechung
EKG
Sonst. Fortbildung
Tätigkeiten
Röntgenbesprechung
Patienten untersuchen
EKGs
Eigene Patienten betreuen
Patienten aufnehmen
Dienstbeginn
Nach 8:00 Uhr
Dienstende
16:00 bis 17:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Essen frei / billiger
Kleidung gestellt
Mittagessen regelmässig möglich
Gehalt in EUR
900
Gebühren in EUR
keine

Noten

Stimmung Station
1
Kontakt zur Pflege
1
PJler-Ansehen
1
Stimmung Klinik
1
Unterricht
1
Betreuung
1
Freizeit
2
Lehre auf Station
1
Insgesamt
1

Durchschnitt 1.07