PJ-Tertial Chirurgie in Memorial Sloan-Kettering Cancer Center (10/2012 bis 12/2012)

Station(en)
Surgical Oncology (Gastric Mixed Tumor Surgery), Orthopedic Oncology
Einsatzbereiche
OP, Diagnostik
Heimatuni
Duesseldorf
Kommentar
Die Erfahrungen sind ausdrücklich extrem davon abhängig in welches Team man gerät, da es nach einer Zuteilung kaum eine zentrale Organisation gibt!

Das MSKCC ist ein Spezialkrankenhaus für Tumorerkrankungen und dem Cornell Medical College angegliedert. Darüber hinaus tummeln sich hier jede Menge Spezialisten für sehr spezifische Tumorerkrankungen. Man wird also auf einem sehr engen Feld einen großen Einblick bekommen, eine breite chirurgische Ausbildung ist aber nicht gegeben.
Als Student in der Chirurgie wird man einem Team zugeteilt, dass immer aus einem Attending (äquivalent am ehesten zu einem Belegarzt, da es mehrere Attendings in einer Abteilung gibt, die jeweils nur ihre eigenen Patienten autark behandeln) und 1-2 Fellows besteht (Fachärzte in einer speziellen Weiterbildung). Die Tätigkeiten hängen dann extrem davon ab wie der jeweilige Fellow gepolt ist. Mit etwas Glück gerät man an jemanden, der einem etwas beibringen möchte, Patienten vor-/nachbespricht und einem auch Freiräume schafft. Mit etwas weniger Glück wird erwartet, dass man die Patienten jeden morgen "prävisitiert", was bedeutet, dass man um 6 Uhr vor der Visite Laborparameter zusammengefasst aufschreibt und bis Abends spät im OP assistiert. Der eigene Lernerfolg kann dann auch gerne mal in den Hintergrund geraten. Die Visiten / Ambulanzbesuche gestalten sich häufig sehr langwierig, da man jeden Patienten zunächst mit seinem Fellow und dann mit Attending + Fellow visitiert.
Insgesamt ist die Arbeitsbelastung für alle Mitarbeiter absurd hoch, was im schlimmsten Fall sehr lange Anwesenheitszeiten für den Studenten bedeutet, die mir häufig künstlich in die Länge gezogen wirkten (Extrem lange Überleitungszeiten, extrem lange Ambulanzbesuche etc.). Häufig wird auch verlangt, dass man an Visiten & OPs an den Wochenenden teilnimmt, sodass die Freizeit sehr kurz kommen kann. Wenn man sehr windig ist, kann man sich dem zwar entziehen, häufig wird man aber in die Pflicht genommen.

Der größte Reiz an einem solchen Aufenthalt ist sicherlich, ein anderes System kennenzulernen und sich die Unterschiede anzuschauen. In der Chirurgie sind allerdings die Möglichkeiten eigenständig etwas zu machen extrem begrenzt. Die komplette Stationsarbeit wird von spezialisierten Pflegekräften erledigt, und - wenn vorhanden - reissen sich die Residents (Assistenten in Fachweiterbildung) um die 2. Assistenz im OP. Das absurdeste was ich diesbezüglich erlebt habe war ein Karpaltunnelsyndrom, bei dem ich als 4.(!) am Tisch stand. Die eigene Betreuung von Patienten ist nicht vorgesehen.

Zusammengenommen ist es natürlich reizvoll mal in New York gewesen zu sein und eigene Einblicke zu bekommen, zumal das MSKCC immerhin keine Studiengebühren erhebt, gelernt habe ich aber in Deutschland auch nicht weniger.
Bewerbung
Man kann sich frühestens 6 Monate vor Antritt bewerben. Das Bewerbungsverfahren ist (wie üblich an amerikanischen Krankenhäusern) recht aufwendig, aber mit Hilfe einer netten Betriebsärztin (Impfungen, Titer etc. pp.) und etwas Zähigkeit gut machbar. In chirurgischen Fächern ist meiner Einschätzung nach auch die Akzeptanzquote recht hoch. Laut Aussage der Studentenkoordinatorin (die eigenständig über die Annahme der Studenten entscheidet) ist ihr wichtig, dass die Bewerbung vernünftig gestaltet ist, die Unterlagen alle beisammen sind und die Vorraussetzungen der Noten erfüllt sind.
Obwohl die Bewerbung "nur" eine Gebühr von 100 $ kostet, gibt es doch noch einen kleinen Wermutstropfen: Es werden nur Haftpflichtversicherungen akzeptiert, die in englischer Sprache sind und ihre Deckungssumme in US-$ angeben. Das ist ein echtes Problem und führt dazu, dass man die (völlig überteuerte) amerikanische Versicherung nehmen muss, die für 8 Wochen ca. 500 $ kostet. Die gängigen Versicherungen (z.B. der Allianz-Versicherung über die Marburger Bund etc.) werden nicht akzeptiert.
Unterricht
Kein Unterricht
Inhalte
Fallbesprechung
Tätigkeiten
Mitoperieren
Dienstbeginn
Vor 7:00 Uhr
Dienstende
nach 18:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Mittagessen regelmässig möglich
Gebühren in EUR
einmalige Anmeldungsgebühr + zwingende Haftpflichtversicherung aus den USA

Noten

Stimmung Station
3
Kontakt zur Pflege
1
PJler-Ansehen
4
Stimmung Klinik
2
Unterricht
4
Betreuung
3
Freizeit
5
Lehre auf Station
2
Insgesamt
3

Durchschnitt 2.87