PJ-Tertial Urologie in Kantonsspital Winterthur (12/2011 bis 2/2012)

Station(en)
2
Einsatzbereiche
Station, OP, Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde, Notaufnahme, Diagnostik
Heimatuni
Frankfurt
Kommentar
Gerade vorweg schon mal: Ich hatte in Winterthur eine super Zeit, habe mich sehr wohl gefühlt und war wirklich traurig, als ich nach 8 Wochen das Team wieder verlassen musste!

Aber der Reihe nach:

Unterkunft & Freizeit:
Als Unterkunft kann im Personalhaus ein Zimmer (ca. 12 m², Kühlschrank + Waschbecken im Zimmer, Dusche, WC und Küche teilt man sich mit anderen auf dem Flur, sehr viel Stauraum u.a. auch für Ski oder Koffer o.ä. vorhanden) gemietet werden. Kostenpunkt etwa 400 CHF. Von der Uro gab es kein weitere Unterassistenten, dafür aber unzählige chirurgische, so dass immer jemand da war um zusammen zu Essen, Ausflüge zu machen, Weinchen trinken usw... Je nach Bedarf. Im Sommer steht auch ein Pool den Bewohnern zur Verfügung - war halt im Winter da. Dafür sind wir dann nach Österreich zum Skifahren (ist da günstiger ;) ).
Winterthur ist ein sehr schönes Städtchen (100.000 Einwohner) und bietet viel Kultur, Einkaufsmöglichkeiten und nat. die Nähe zu Zürich, dem Bodensee und den Bergen. Natürlich ist die Schweiz etwas teurer, als was man so von Deutschland gewohnt ist. Aber mit dem Geld, was man in der Klinik bekommt, kann man schon über die Runden kommen.

Dann zum Alltag an sich:
Die Urologie hatte bislang erstaunlicherweise nicht viele Unterassistenten. Meist nur Rotationen aus der Chirurgie für 1-2 Wochen. Die UA haben sich dann eher das angeschaut, was sie so interessant fanden um in die Uro mal rein zu schnuppern. In dem kurzen Zeitraum ist es ja auch kaum möglich sich richtig einzuarbeiten.
Deswegen wurde ich sehr freudig von einem super netten Team empfangen, als die realisiert haben, dass ich 1. schon ein paar urologische Vorkenntnisse hatte und 2. für 8 Wochen bleibe und dadurch wirklich mitarbeiten kann.
In der Schweiz ist es üblich, dass die UHUs die Aufnahmen übernehmen. In dem Fall also den urologischen Status, Sono, Herz/Lunge als präoperative Abklärung und weitere Untersuchungen b.B. anmelden. Zudem war ich häufig im OP zur Assistenz eingeteilt. Alternativ war es häufig möglich in die verschiedenen Sprechstunden mit zu kommen oder die Notfälle erst mal zu untersuchen um sie dann den Assistenten zu übergeben und mit zu versorgen. Bei Urodynamik, ESWL, Cystos oder anderen Untersuchungen dabei zu sein. SPK-Wechsel, Instillationen, Katheteranlagen, Tamponadenausräumung usw... Kann sein, dass ich jetzt was vergessen habe. Unterm Strich konnte ich mir alles anschauen, was mich interessiert hat und wenn es die Umstände zuließen auch immer aktiv mithelfen. Also auch learning by doing und nicht nur zuschauen.
Dafür war ich dann auch gerne bereit länger zu bleiben oder mich mal mit um Studienauswertungen zu kümmern. Das wird nicht erwartet - aber da ab und an auch mal Leerlauf war und ich dadurch den Assistenten helfen konnte, hab´ ich´s gerne gemacht.
Ansonsten kann man auch nach der Mittagsbesprechung, wenn alles gemacht ist gehen und dann eben zwischen 15:00 und 16:00 draußen sein.
DIE Besonderheit der Urologen in Winterthur ist bestimmt der daVinci. Prof. John ist quasi DER daVinci-Pionier in der Schweiz. Bislang teilt sich die Klinik das Gerät mit einem anderen Haus, so dass idR nur alle 2 Wochen damit operiert wird. Da kann man dann auch immer gerne zuschauen und der Chef erklärt auch gerne die einzelnen OP-Schritte oder lässt einen mal an die Konsole sitzen, dass man sich vorstellen kann, wie die Sicht durch das Gerät ist.
Vom Spektrum sieht man sowohl die konservative Therapie, also eben auch viel operatives. Natürlich die ganzen endoskopischen Verfahren - diagnostisch und operativ, dazu die Schnitt-OPs wie Circumcisionen, Vasektomien, Hydrozelen, Prostatektomien (idR daVinvi), auch mal ´ne Millin, Cystektomien mit Pouchanlage oder Conduit, Nierenteilresektionen oder Tumornephrektomie...
Ich persönlich interessiere mich mehr für die operative Seite der Urologie, als die diagnostische und war deswegen auch viel und gerne im OPS. So weit ich das beurteilen kann, hatte ich den Eindruck, dass die leitenden Ärzte auch wirklich gute Chirurgen sind - zumindest hat es Spaß gemacht zu assistieren und zuzuschauen.
Natürlich hatte ich mehr mit den Assistenten zu tun, aber der Kontakt zu den OÄ und dem Chef war trotzdem vorhanden und sehr angenehm.
Ein Unterricht wird immer dienstags angeboten. Meist kamen dann auch einige der chirurgischen UHUs. Zudem gibt es von der Chirurgie auch Studentenunterricht (ich glaub´ donnerstags), zu dem man nat. mit eingeladen ist. Zudem werden nat. - wie immer - Fragen während der OP immer gerne gesehen. ;-)
Also UHU bekommt man sein eigenes Telefon. Zu Diensten am WE oder nachts wird man (im Gegensatz zu den chir. UA) nicht Eingeteilt. Pro Monat stehen jedem UHU 1,5 Tage Urlaub zu, die man problemlos so wie man will nehmen kann.
Ach - noch eine ganz wichtige Sache:
Das Essen in der Kantine ist wirklich richtig gut!!! Kostet zwar gute 8 SFr/ Menü, aber dafür kann es sich im Vergleich zu einigen dt. Kliniken wirklich sehen lassen. Ich bin meist zusammen mit den Assistenten Essen gegangen - alternativ mit den anderen UHUs. Die Zeit dafür ist da bzw. kann man sich nehmen. Und noch was ganz wichtiges: es gibt ´n Espressovollautomat auf Station, an dem man sich jederzeit bedienen kann!
Die Atmosphäre auf Station zwischen Pflege und ärztlichen Mitarbeitern war wirklich angenehm. Im Gegensatz zu Deutschland ist die Besetzung einfach noch besser, was zu Folge hat, dass die Patienten umfassender versorgt werden können. Rückblickend wirklich positiv - vor Ort war mir das weniger aufgefallen, weil man es einfach als gegeben hin nimmt.
Bewerbung
Ich habe mich ein knappes Jahr im voraus beworben. Das lief sehr unkompliziert hab. Fr. Bosshard (Chefsekretärin) ist dafür die beste Ansprechpartnerin. Ich habe nach einem kurzen Telefonat meine Bewerbungsunterlagen dort hin geschickt und dann alles weitere von ihr erfahren.
Seit Januar 2012 ist die Klinik A-Spital, was bedeutet, dass sie die komplette Ausbildungsberechtigung für den Facharzt für Urologie hat. Kann nat. sein, dass sich dadurch auch mehr Unterassistenten bewerben und die Stellen umkämpfter sind.
Unterricht
1x / Woche
Inhalte
Repetitorien
Fallbesprechung
Patientenvorstellung
Tätigkeiten
Briefe schreiben
Röntgenbesprechung
Patienten untersuchen
Notaufnahme
Mitoperieren
EKGs
Poliklinik
Untersuchungen anmelden
Eigene Patienten betreuen
Patienten aufnehmen
Chirurgische Wundversorgung
Dienstbeginn
7:00 bis 8:00 Uhr
Dienstende
15:00 bis 16:00 Uhr
Studientage
Gesammelt am Ende
Tätigkeiten
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Kleidung gestellt
Mittagessen regelmässig möglich
Unterkunft gestellt
Gehalt in EUR
800

Noten

Team/Station
1
Kontakt zur Pflege
1
Ansehen des PJlers
2
Klinik insgesamt
1
Unterricht
2
Betreuung
2
Freizeit
1
Station / Einrichtung
1
Gesamtnote
1

Durchschnitt 1.2