PJ-Tertial Innere in St. Vincenz-Krankenhaus Limburg (11/2022 bis 3/2023)

Station(en)
Gastologie, Kardiologie, internistische Intensivmedizin, Onkologie/Palliativversorgung
Einsatzbereiche
Diagnostik, Station, Notaufnahme
Heimatuni
Nicht angegeben
Kommentar
Zuerst: Die Qualität des Innere-Tertials in Limburg ist extrem davon abhängig an welche Assistenzärzte man gerät und auf welchen Stationen man ist.

Organisation und Konditionen: Im Allgemeinen ist es sehr gut organisiert, wobei ich auch schon einige PJler habe meckern hören. Wenn ich es aber mit den Erfahrungen meiner Kommilitonen aus anderen Häusern vergleiche, schneidet Limburg meiner Meinung nach gut ab. Folgende Punkte sind erwähnenswert:
1. Am ersten Tag gute Einführung durch den PJ-Sprecher. Führung durch gesamte Haus mit allen wichtigen Stellen.
2. Eigener Orbis-Zugang direkt ab dem ersten Tag.
3. KEINE Vergütung für das PJ, jedoch Möglichkeit, PJ-Dienste aka Blutentnahmedienste zu machen und sich etwas zu verdienen. Hierfür leistet man insgesamt 18h im Monat ab und erhält wahlweise 600€ oder circa 500€ brutto (ehemals 450€ wurde aber während meines Tertials an den Bafög-Satz angepasst). Die 18h setzen sich aus wahlweise einem Wochenenddienst (9 – 21 Uhr) UND einem Dienst unter der Woche (16 – 22 Uhr) zusammen ODER insgesamt drei Diensten unter der Woche.
4. Einen Studientag pro Woche frei wählbar. Jedoch nur Anspruch auf diesen, wenn in einer Woche mindestens zwei Tage gearbeitet worden ist.
5. Drei Mahlzeiten pro Tag kostenfrei – auch am Wochenende (offiziell nur, wenn man arbeitet). Die Damen aus der Cafeteria sind übrigens die liebsten Menschen auf der Welt und das Essen ist soweit auch gut. Es gibt drei Gerichte mittags zur Auswahl, wovon eines immer vegetarisch ist.
6. Kostenfreie Unterkunft ODER 75€ Fahrtkostenzuschuss. Kümmert euch aber zeitnah drum, wenn ihr Interesse an einer Wohnung habt, da die Zimmer begehrt sind. Es gibt drei Unterkunftsmöglichkeiten: WG-Zimmer in geschlechtergetrennten WGs, kleine eigene Wohnungen, Bereitschaftszimmer im Krankenhaus selbst.

Zum fachlichen Aspekt: Man rotiert durch die internistischen Stationen des Hauses zu gleichen Anteilen (erste Rotation 6 Wochen, die folgenden je 5 Wochen). Die Abteilungen sind die folgenden: Kardiologie (mit Pneumologie), Gastroenterologie, Hämatoonkologie (ggf. Nephrologie). Die Qualität der Lehre und Betreuung ist sehr (!) unterschiedlich. Daher werde ich meine Erfahrungen nacheinander auflisten und die Abteilungen unterschiedlich bewerten, damit ersichtlich ist, wie die Gesamtnote sich zusammensetzt.

PJ-Unterricht: Dieser findet zwei Mal pro Woche (Dienstag und Donnerstag) statt. Die verschiedenen Fachabteilungen wechseln jedes Mal (ACH, GC, Kardio, Onko etc.). Die Qualität ist wechselhaft, im Großen und Ganzen jedoch in Ordnung.

Gastroenterologie und ZNA:
Meinen ersten Abschnitt habe ich in der Gastro verbracht, was Segen und Fluch zugleich war. Wenn ihr hiermit startet, seid gewiss, es wird danach ausschließlich besser! Ihr könnt zwei Wochen (oder nach Absprache ggf. auch länger) in die ZNA rotieren.
Zuerst zur Stationsarbeit: Auf der 5-West lernt ihr exakt eines: BEs und Viggos legen. Ich habe noch nie eine Station erlebt, auf der nahezu täglich bei jedem Patienten so undifferenziert Blut abgenommen wird. Das heißt, rechnet mit 20 BEs Minimum täglich, erfahrungsgemäß sind es mehr. Die Assistenten sind sehr gestresst, haben wenig Zeit (und Interesse (?)) etwas zu erklären und sind meist genervt, wenn man die Blutentnahmen nicht hinbekommt. Es gibt aber auch einen sehr netten Assistenten, der einem zumindest echte Wertschätzung und Dankbarkeit entgegenbringt. Laut Aussagen anderer Personen sollen regelmäßig OA-Visiten stattfinden. Hiervon habe ich nichts mitbekommen, da ich regelmäßig bis zum Mittagessen mit BEs beschäftigt war und nach dem Mittagessen neue gewartet haben. Prinzipiell besteht auch die Möglichkeit in die Endoskopie zu gehen, was ich dringend empfehle. Ich war exakt einmal dort und es war wirklich cool, weil der OA viel erklärt hat. Traut euch und nehmt euch das Recht raus, etwas außer BEs zu lernen!
Abgesehen von den ganzen Blutentnahmen muss man elektive Patienten aufnehmen und ggf. Entlassbriefe schreiben.
Generell sind die Oberärzte sehr nett und freuen sich über Studenten, jedoch bekommt man auf Station wenig von ihnen mit.

Nun zur ZNA: Die ärztliche Leitung der Notaufnahme wechselt Ende März 2023, daher weiß ich nicht, was sich alles in Zukunft ändern wird. Meine Zeit in der ZNA war insofern lehrreich, als dass ich gelernt habe, strukturiert Anamnesen zu erheben und körperliche Untersuchungen durchzuführen. Die Ärzte sind dort sehr nett, haben aber nicht viel Zeit, Patienten mit einem durchzusprechen. Meine Highlights waren ein paar Adenosintests sowie Kardioversionen.

Kardiologie und internistische Intensivstation: Während der Kardio-Rotation kann man zwei (oder auch mehr, je nach Absprache) Wochen auf Intensiv verbringen, was ich jedem absolut empfehle. Die Zeit dort war mein absolutes Highlight.
Intensiv: Auch hier hängt die Qualität natürlich von den Ärzten ab, wobei ich das Glück hatte, an zwei sehr motivierte geraten zu sein. Ich konnte unter Anleitung ZVKs, Sheldons und Arterien legen und Bronchoskopien durchführen. Es findet täglich OA-Visite statt. Die Ärzte sind sehr motiviert, einem was zu erklären, auch unabhängig davon, ob man sie mit Fragen löchert. Darüber hinaus sind sie überaus menschlich. Zu Angehörigengesprächen darf man ebenfalls mit, was ich als sehr lehrreich bezüglich der Übermittelung von infausten oder schwerwiegenden Prognosen empfunden habe. Ein großes Dankeschön an das Team der 2-Ost!
Kardiologie: Zur eigentlichen Station kann ich herzlich wenig sagen, da ich hier nur die Monitor-Visite mitgemacht habe und sonst die übrige Zeit im Herzkatheter verbracht habe, da die Assistenten äußert gestresst sind und keine Zeit für Erklärungen haben. Darüber hinaus wurde der Eindruck vermittelt, als wolle man Studenten nicht in den Stationsalltag aktiv einbinden. Die Kollegen dort sind jedoch alle dennoch sehr freundlich. Der OA erklärt auch gerne und bereitwillig. Bezüglich des HKL kann ich nur sagen, dass das Team dort sehr herzlich ist und einem gerne und viel erklärt. Bis auf Leisten abdrücken und mal eine Viggo legen, durfte ich jedoch nichts machen, weshalb man primär die Rolle eines Beobachters einnimmt. Der OA, der hier primär tätig ist, ist jedoch überaus freundlich und freut sich immer über Studenten, denen er die Elektrophysiologie näher bringen kann. Außerdem soll der eine Assistent von der Intensivstation, der unglaublih gut erklärt, nun vermehrt im HKL anzutreffen sein.
Abgesehen hiervon durfte ich kostenfrei an einem ACLS-Kurs teilnehmen, da noch ein Platz frei war, wofür ich dem organisierenden OA von der Intensiv sehr dankbar bin! Darüber hinaus ist der Chef der Kardiologie ein unglaublich lieber Mensch und sehr an Lehre interessiert. Er nimmt sich gerne Zeit für Studenten, um Fälle und EKGs durchzusprechen, fragt auch mal ab, aber auf eine überaus angenehme Art. Versucht so viel von der Lehre mitzunehmen, wie möglich.

Zur Hämatoonkologie/Palliativversorgung: Hier fand während meiner Zeit eine personelle Umstrukturierung statt, außerdem waren zu meiner Zeit nur zwei Assistenten vorhanden, weshalb diese immer viel zu tun hatten. Sie waren dennoch sehr freundlich und nahbar und haben einen auch aktiv in den Stationsalltag eingespannt. Aufgrund des personellen Mangels kam es auch vor, dass man auch mal als PJler alleine Visite macht und in Rücksprache mit dem OA, Medikamente oder Untersuchungen anordnet. In Summe lernt man hier viel, was man für den späteren Beruf benötigt. Als praktische Tätigkeiten führt man auch hier BEs, Viggos legen, aus ZVKs/Ports Blut abnehmen sowie Ports anstechen durch. Letzteres hat sich in meinen späteren Tertialen als sehr hilfreich erwiesen.

Als kleine Randbemerkung: Nach RS kann man auch mal zu den Nephrologen rotieren, was ich selbst nicht getan habe, jedoch Komillitonen. Die waren mit den Nephros sehr zufrieden.

Zusammenfassend war das PJ-Tertial in Ordnung. Die Dienste sowie die Tätigkeit auf der 5-West (Gastro) bereiten einen auf BE/Viggos gut vor, in der ZNA lernt man körperliche Untersuchung und Anamneseerhebung, auf der Intensiv kann man viel fachlich und händisch lernen und auf der Hämatoonko lernt man Stationsarbeit kennen. Es gibt sicher bessere Tertiale, aber auch viele schlechtere. Die Orga ist wirklich gut und der Studientag sowie die anderen Konditionen (vergütete PJ-Dienste, kostenfreies Essen (3x/d), kostenfreie Wohnung) goldwert.
Bewerbung
Über Heimatuni. Wird in Zukunft übers PJ-Portal laufen.
Unterricht
2x / Woche
Inhalte
Fallbesprechung
Patientenvorstellung
Tätigkeiten
Braunülen legen
Patienten aufnehmen
Patienten untersuchen
Blut abnehmen
Botengänge (Nichtärztl.)
Dienstbeginn
7:00 bis 8:00 Uhr
Dienstende
15:00 bis 16:00 Uhr
Studientage
1x / Woche frei
Tätigkeiten
Mittagessen regelmässig möglich
Essen frei / billiger
Unterkunft gestellt
Kleidung gestellt

Noten

Team/Station
3
Kontakt zur Pflege
3
Ansehen des PJlers
2
Klinik insgesamt
3
Unterricht
2
Betreuung
4
Freizeit
2
Station / Einrichtung
3
Gesamtnote
3

Durchschnitt 2.87