PJ-Tertial Orthopädie in Schulthess Klinik (3/2021 bis 5/2021)

Station(en)
Orthopädie
Einsatzbereiche
OP
Heimatuni
Nicht angegeben
Kommentar
Die Stelle ist für die Vorbereitung auf den Arztberuf völlig ungeeignet. Als Unterassistent wird man hier nur als billige OP-Kraft ausgenutzt.
Vorweg: Ihr arbeitet regulär von 7-17 Uhr und erhaltet dafür umgerechnet circa 5 Franken die Stunde, was für die Schweiz extrem wenig ist.

Eure einzige Aufgabe ist es den OP-Betrieb aufrechtzuerhalten und zwar unabhängig von euren Interessen und der Besetzung der Unterassistenten.

Ihr seid mit wenigen Ausnahmen die 2. Assistenz bei Hüft- und Knie-TEPs, ab und an auch mal bei der Schulter und den Kindern. Zum Vergleich: Es laufen fast täglich allein 4 oder 5 Sääle von 7-17 Uhr parallel in denen nur Knie- oder Hüft-TEPs operiert werden.
Im Anschluss darf man seltenst nähen oder klammern, i.d.R. seid ihr nur die billigen Hakenhalter denen man meist auch nichts erklärt.

Generell werdet ihr nur für Operationen eingeteilt, bei denen zwangsläufig ein weiterer Hakenhalter benötigt wird.
Für die Fuß- und Handchirurgie wird so z.B. nie ein Unterassistent eingeteilt und bei der Wirbelsäule nur, wenn kein Assistenzarzt zur Verfügung steht. Das schränkt euer Einsatzgebiet dann noch weiter ein.

Klingt erstmal wie in vielen anderen Häusern auch. Neben der OP-Assistenz seid ihr jedoch auch dafür verantwortlich das Bein zum Waschen zu halten, prä- und postoperativ zu lagern, zu Röntgen und den Patienten nach der Ausleitung noch bis ins Bett zu begleiten.

Interessanterweise ist man beim Röntgen als Unterassistent in aller Regel die einzige Person im Raum, die die Beine manuell in Position hält. Bei den Knie-TEPs müsst ihr sogar die Kassette für die Seitaufnahme mit den Händen halten und erhaltet dafür weder ein Fingerringdosimeter noch einen Strahlenschutz für die Hände.
Bei 2 Aufnahmen a beispielsweise 5 Knie-TEPs pro Tag könnt ihr euch selbst ausmalen, wie es in einer vollen OP-Woche mit der Strahlenbelastung aussieht.

Wenn ihr den Patienten dann bis ins Bett begleitet habt kommt in der Regel schon der nächste und das Spiel geht von neuem los.
Glücklich schätzen könnt ihr euch, wenn ihr es in der Zwischenzeit schafft in 2 Minuten zum Spind zu hasten und etwas zu trinken oder sogar mal zu essen.
10 Minuten Pause an einem körperlich fordernden Tag von 7-17 Uhr und länger? Fehlanzeige.

Zu meiner Zeit waren wir - durch die schlechten Bewertungen - z.T. so unterbesetzt, sodass wir jeden Tag im OP standen. Nicht unterschätzen sollte man hier auch den Durchlauf: Es kommt durchaus vor dass ihr mit einem Operateur für 8 Hüft-TEPs in Folge eingeteilt seid. Die Tage gehen häufig länger als 17 Uhr, der Pickett war zu unserer Zeit nach einem normalen Tag sogar mehrmals bis 21 Uhr oder noch länger dort. Dass man nach so einer Woche ohne Pausen körperlich am Ende ist, könnt ihr euch sicher vorstellen.

Gesondert erwähnen möchte ich auch den Umgangston im OP. Man hat zum Teil das Gefühl, der persönliche Sklave der Pflege zu sein. Mit einem blöden Kommentar dürft ihr nach der OP noch das Bettgestell herumtragen oder den Wagen der Anästhesiepflege umher schieben. Als ich dabei einmal sagte, dass ich vor der nächsten OP noch auf Toilette muss, machte diese sich über mich lustig. Das sind leider keine Ausnahmen, sondern einfach nur Beispiele für den Umgang in diesem Haus mit euch als Unterassistenten.

In den Sprechstunden hatte ich auch sehr lehrreiche und interessante Tage. Hier merkt man wirklich, was Spitzenmedizin bedeutet. Da man aber ausschließlich für den OP angestellt ist und diesen auch unabhängig von den Umständen abzudecken hat bringt euch das natürlich wenig, wenn ihr jeden Tag von morgens bis abends bei TEPs im OP steht.

Zu unserer Zeit haben mehrere Leute ihr Tertial frühzeitig abgebrochen.

Macht nicht den Fehler zu denken es wäre bestimmt gar nicht so schlimm. Das dachten wir fast alle und kamen trotz der schlechten Bewertungen, was wir im Endeffekt bereut haben.
Unterricht
Kein Unterricht
Tätigkeiten
Mitoperieren
Dienstbeginn
Vor 7:00 Uhr
Dienstende
17:00 bis 18:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Kleidung gestellt
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Unterkunft gestellt
Essen frei / billiger
Gehalt in EUR
ca. 1000

Noten

Team/Station
6
Kontakt zur Pflege
6
Ansehen des PJlers
6
Klinik insgesamt
5
Unterricht
4
Betreuung
4
Freizeit
5
Station / Einrichtung
3
Gesamtnote
5

Durchschnitt 4.93