PJ-Tertial Innere in Klinikum Konstanz (7/2018 bis 10/2018)

Station(en)
P15 (Gastroenterologie, allgemeine Innere Medizin), NFA, Intensivstation
Einsatzbereiche
Diagnostik, Notaufnahme, Station
Heimatuni
Bonn
Kommentar
Das Klinikum Konstanz ist ein kleines bis mittelgroßes Stadtkrankenhaus mit etwa 350 Betten. Internistisch liegt der Schwerpunkt auf der Pneumologie, welche durch CA Prof. Kabitz geleitet wird. Es gibt, wie es üblich ist, zwei Abteilungen: Med I als Gastroenterologie sowie die Med II als Kardio-/Pneumologie mit je bis zu 35-50 Patienten. Zusätzlich gibt es eine kleine Palliativstation und eine sehr moderne Intensivstation (Baujahr 2018). Die Neurologie und die Strahlentherapie sind der Inneren Medizin zugeteilt und werden stationär durch eine kleine Gruppe jeweiliger Fachärzte mitbetreut.

Das PJ-Tertial teilt sich etwa zu 3/4 auf Normalstation und zu 1/4 auf die Notaufnahme auf. Zwischendrin gibt es noch eine Woche Intensivstation. Den Abschnitt auf Normalstation verbringt man aufnur einer Station, damit man die Chance bekommt, ein vollwertiges Teammitglied zu werden. Der Vorteil ist, dass man auf dieser Station dann auch sehr selbständig arbeiten kann - quasi fast mit assistenzärztlichem Aufgabenspektrum, nur eben mit deutlich reduzierter Arbeitslast und intensiver Betreuung. Der Nachteil ist, dass man eben in einem Fachgebiet weniger sieht. In der Summe ist das jedoch halb so wild, da sich das Patientenkollektiv überlappt.

Das ärztliche Team ist fachlich und persönlich äußerst gut aufgestellt, an allen Orten findet man ärztliche Kollegen, denen es wichtig ist, dass man als Student das Meistmögliche aus dem Tertial mitnimmt. Man kann auf Station nach Wunsch 1-4 Patienten betreuen, macht sämtliche Punktionen, schreibt/diktiert Briefe, plant Diagnostik und Therapie, führt die Visite und hält Rücksprache mit Oberärzten und Konsilärzten. Hiervon nimmt man richtig viel mit, und die Zusammenarbeit mit der Pflege war immerhin auf meiner Station äußerst vertrauensvoll und angenehm. Es gibt Phlebotomistinnen, die den Großteil der Venenpunktionen übernehmen, es bleibt aber immer ein bisschen über, sodass man nicht aus der Übung kommt. Strukturell merkt man hier schon die Nähe zur Schweiz, neu eingeführt wurde das Lean-Hospital-System aus Zürich, welches den Stationsalltag als ein stetig veränderliches Konstrukt betrachtet. Da das System vom Chefarzt bis zur Pflege mehrheitlich gut angenommen wird, ist das ein wirklich spannender Prozess. Die Gräben zwischen Pflege, Ärzten und den anderen Funktionsabteilungen, die man aus anderen Häusern kennt, möchte man hier (mit Erfolg, wie ich meine) abbauen.
Nur in der Notaufnahme ist die Stimmung manchmal etwas angespannt, das liegt auch daran, dass die PJler hier schnell durchrotieren und die Pflege sich jede Woche an neue Gesichter gewöhnen muss. Hier teilt man sich unter den Studenten in einen Früh- und Spätdienst ein, was meist gut funktioniert. Hier lernt man auch die selbständige Einschätzung eines Patienten und nimmt viel mit.

Die Lehre ist in Konstanz weit überdurchschnittlich: es existiert ein Lehrplan, der fast tägliche Lehre vorsieht und auch fast immer eingehalten wird. Beteiligt sind neben der Inneren Medizin insbesondere die Radiologie, die Pädiatrie, die Chirurgien und die Anästhesie. Außerdem ist man eingeladen, an den assistenzärztlichen Lehrveranstaltungen teilzunehmen. Wenn man will, kann man also bis zu 6 Lehrveranstaltungen pro Woche besuchen. Inhaltlich geht es hier nicht nur um Wissensvermittlung, sondern auch um klinische Entscheidungsfindung. Insbesondere eine präzise Anamnese und eine gute klinische Untersuchung werden hier eingeübt - man lernt dabei, dass man nie auslernt.

Nebenverdienste gibt es in Konstanz zur Genüge, es gibt einen gut vergüteten chirurgischen Pikettdienst, Spritzendienste und gelegentlich andere Funktionsdienste, die man mit solider Bezahlung übernehmen kann.

Kritikpunkte? Die Woche auf Intensivstation bringt keinen großen Lernerfolg; vor allem, wenn nur ein junger Assistenzarzt da ist, hilft man ihm, seinen Tag zu bewältigen. Das ist schon okay, man nimmt hiervon aber nicht wirklich viel mit. Außerdem ist das Klinikum - so nett es auch ist, mit vielen Studenten da zu sein - im Sommer ziemlich von PJ-Studenten überlaufen. Insbesondere, wenn Famulanten dazukommen, kann es auf Station eng werden. Auch die Pflege ist hiervon manchmal etwas überfordert.

Fazit: Ein tolles Tertial für alle, die im internistisch-allgemeinmedizinischen Bereich selbständige Arbeitserfahrung sammeln wollen. Die internistische Klinik wird chefärztlich exzellent geführt, man lernt jeden Tag dazu, wird fortwährend durch die Ärzte trainiert und es ist allen wichtig, dass man nach dem Tertial einen deutlichen Erfahrungs- und Wissenszuwachs feststellen kann. Auch wenn man kräftig arbeitet und nachmittags oft ziemlich müde ist, fühlt man sich nicht ausgebeutet und hat auch fast nie Überstunden.
Wer besonders viel selbständig arbeiten und viel lernen will, kann sich überlegen, im Herbst/Winter/Frühjahr nach Konstanz zu gehen: da ist das Betreuungsverhältnis Arzt/PJ noch entspannter, und man kann . Einheimische berichten, dass das Wetter in Konstanz im Winter im Allgemeinen deutlich besser ist, als es die schlimmen Gerüchte befürchten lassen (Stichwort Bodenseenebel)...
Bewerbung
Vergabe über Uni Freiburg
Unterricht
5x / Woche
Inhalte
Patientenvorstellung
Sonst. Fortbildung
Tätigkeiten
Punktionen
Patienten untersuchen
Eigene Patienten betreuen
Blut abnehmen
EKGs
Braunülen legen
Patienten aufnehmen
Untersuchungen anmelden
Notaufnahme
Briefe schreiben
Botengänge (Nichtärztl.)
Dienstbeginn
7:00 bis 8:00 Uhr
Dienstende
15:00 bis 16:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Mittagessen regelmässig möglich
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Essen frei / billiger
Kleidung gestellt
Gehalt in EUR
350

Noten

Team/Station
1
Kontakt zur Pflege
2
Ansehen des PJlers
2
Klinik insgesamt
1
Unterricht
1
Betreuung
1
Freizeit
1
Station / Einrichtung
1
Gesamtnote
1

Durchschnitt 1.13