PJ-Tertial Allgemeinchirurgie in Klinikum Emden (11/2014 bis 1/2015)

Station(en)
B42
Einsatzbereiche
Station, OP, Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde, Notaufnahme
Heimatuni
Giessen
Kommentar
Mein erstes Tertial des Praktischen Jahres absolvierte ich in der Unfall- und Viszeralchirurgie am Hans-Susemihl-Klinikum Emden. Da ich im Vorfeld eigentlich nahezu überhaupt kein Interesse für die chirurgischen Disziplinen hatte, ging ich mit einer gehörigen Portion Skepsis in diesen Teil des PJ’s. Aber nun am Ende meiner Ausbildungszeit in Emden muss ich doch eingestehen, dass ich mir ein Nicht-Chirurgisches Fach für die weitere Zukunft gar nicht mehr vorstellen kann.
Ich gebe zu, dass dies ganz schön klischeehaft und aufgesetzt klingen mag, aber ich empfand mein Tertial tatsächlich so super.
Von der Organisation, über die Rahmenbedingungen bis hin zu den praktischen Tätigkeiten bin ich überaus zufrieden.

Arbeitstag/ Tätigkeiten:
Wie vom LPA gewünscht, habe ich nahezu in gleichen Anteilen meine 8 Wochen sowohl in der Viszeral-/ Allgemeinchirurgie als auch in der Unfallchirurgie/ Orthopädie absolviert. Allerdings lassen sich hier problemlos interne Absprachen und relativ unkomplizierte Vereinbarungen treffen.
Beide Teams sind extrem nett und hilfsbereit. Das gesamte Krankenhaus scheint mit recht flachen Hierarchien zu glänzen und ist ein absoluter Kontrast vor allem im Vergleich zu den Unikliniken.
Der Arbeitstag gestaltete sich hierbei meist so, dass man je nach Fachrichtung zwischen 7:15 und 7:30Uhr mit einer Frühbesprechung begann und nachmittags zwischen 15:15 und 15:30 mit der Röntgenbesprechung und der anschließenden Abteilungsbesprechung endete – das war in der Regel zwischen 15:45Uhr und 16:15Uhr.
Natürlich kommt es mitunter vor, dass eine angefangene OP sich etwas länger in den Dienst ziehen kann. Hierbei sind alle Beteiligten aber selbstverständlich dankbar, wenn man nicht unmittelbar nach Dienstschluss das Weite sucht. Im Allgemeinen ist der Umgang auch vom übrigen Personal so freundlich und kollegial, dass ich persönlich keine allzu großen Probleme hatte, auch etwas länger zu arbeiten.
Vom Tätigkeitsbereich war so ziemlich alles dabei, was man sich vorstellen kann. Ob auf Station, in der Notaufnahme oder im OP – man findet überall interessante Beschäftigung. Allerdings hängt es auch hier ein wenig davon ab, wie man sich selbst einbringt und welche Aufgaben man übernehmen möchte.
Ich habe neben den Standardsachen wie: Blutentnahmen (sehr selten, da es einen eigenständigen Entnahmedienst gibt), Viggos legen, Arztbriefe schreiben (freiwillig), Kurvenvisiten, Verbandswechsel, Drainagen ziehen, Nahtmaterial entfernen, Patientenaufnahmen, Sono-Abdomen (leider recht selten) und körperlichen Untersuchungen verhältnismäßig oft im OP gearbeitet. Meistens war ich hier 2. Assistent und durfte Haken halten. Allerdings je erfahrener man sich anstellte und je häufiger man assistierte kamen schnell neue Tätigkeiten hinzu:
Eigenständiges Nähen (subkutan und kutan) und Knoten, 1. Assistenz bei Laparoskopien und hiermit neben der Kameraführung auch die Bedienung weiterer Instrumente, 1. Assistenz bei kleineren OP’s und damit verbunden wesentlich anspruchsvolleres Zuarbeiten für den Operateur. Zudem durfte ich unter Aufsicht und genauer Anleitung auch mit an einer Galle operieren oder Material entfernen.
Alles in allem übernimmt man zwar keine Tätigkeiten wie der Operateur selbst, aber in Anbetracht unseres Ausbildungsstandes assistiert man in meinen Augen schon auf sehr hohem Niveau.
Rufdienstteilnahme:
Neben der Möglichkeit an Nachtdiensten teilzunehmen (und somit den Folgetag frei zu haben), kann man auch nach Absprache und etwas chirurgischer Vorerfahrung an den Rufdiensten des Klinikums teilnehmen. Hierfür übernimmt man die Einsatzzeit für einen Assistenzarzt – der damit nur in äußersten Notfällen und bei komplizierten OP’s hinzugerufen wird. Grundsätzlich muss man für den gewünschten Rufdienstzeitraum jederzeit erreichbar sein und ins Klinikum kommen, um bei OP’s (sowohl unfall- als auch allgemeinchirurgisch) die erste Assistenz des Oberarztes zu übernehmen. Die Pauschale liegt bei ca. 25€. Wird man dann auch noch gerufen, bekommt man zusätzlich die Einsatzzeit vergütet. Und das lohnt sich mitunter richtig!!! Allerdings sollte man bedenken, dass die erste Assistenz schon so einiges abverlangen kann und man OP-fit bzw. –ausdauernd sein sollte. Ich habe z.B. in einem Dienst bis 2:30Uhr nachts am Tisch gestanden und neben Verschraubungen auch bei einer umfangreichen Laparotomie mit Hartmann-OP assistiert – wohl gemerkt nach dem regulären Tagesdienst. Persönlich fand ich es hierbei wahnsinnig spannend. Aber ich kann mir vorstellen, dass es dem ein oder anderem zu anstrengend sein könnte.
Seminare:
Montags bis donnerstags besteht die Möglichkeit freiwillig an den Seminaren am Nachmittag teilzunehmen. Diese gehen ungefähr eine Stunde und sind je nach Dozent unterschiedlich interessant. Allerdings war die Mehrheit tatsächlich sehr informativ. Angeboten wurden wöchentlich Neurologie und Innere sowie alle restlichen Fächer (Allgemein- und Unfallchirurgie, Psychiatrie, Gynäkologie, Radiologie, Anästhesie, Pädiatrie) abwechselnd im 2-Wochen-Rhythmus.
Einmal im Monat gab es zudem einen „Jour Fixe“, an dem alle Bedürfnisse der Studenten besprochen wurden.
Klinikum:
Prinzipiell ist am HSK alles vorhanden, was man für ein angenehmes PJ-Tertial braucht. Es gibt einen PJ-Raum mit einer kleinen Anzahl von ausgewählter Fachlektüre und PC’s zum Selbststudium. Gut fand ich auch, dass man ordentlich eingekleidet und mit eigenem Telefon, Schlüssel und Passwort für das Orbissystem versorgt wurde. Für Autofahrer ist darüber hinaus eine Parkkarte für das Parkhaus kostenfrei erhältlich.
Des Weiteren kann man bei Interesse recht unkompliziert auch mit dem Notarzt mitfahren.
Achtung: Offiziell gibt es auch hier keine Studientage mehr.
Unterkunft/ Verpflegung:
Es besteht die Möglichkeit, eine Unterkunft kostenfrei im Wohnheim mit Internet zu erhalten. Die Zimmer sind recht klein, bieten neben Tisch, Stuhl, Kleiderschrank, Bett und Waschbecken aber nicht sehr viel. Auf der Etage sind außerdem Duschen, Toiletten, Waschmaschine, Trockner, Gemeinschaftsküche und Gemeinschaftsraum mit Fernseher vorhanden. Der Zustand ist hierbei auch deutlich von der Sauberkeit der Mitbewohner abhängig. Nach anfänglichem Chaos im Abwaschbecken besserten sich die Verhältnisse im Verlauf jedoch. Großes Manko war jedoch mitunter die Lautstärke. Der Flur ist sehr hellhörig und die Hauswand Richtung Wirtschaftshof wurde von Montag bis Samstag vom morgendlichen Verlade-Lärm beschallt.
Großes Plus wiederum: Geschirr, Töpfe und Besteck werden gestellt. Unter der Woche kommt eine Reinigungskraft, die sich um die sanitären Einrichtungen kümmern. Und auch Bettwäsche und Handtücher gibt’s regelmäßig frisch gewaschen.
Das Essen am Klinikum ist im Allgemeinem recht fleischlastig. Zwar gibt es auch eine Salatbar. Aber als Vegetarier ernährt man sich mitunter nur von Beilagen. Nichtsdestotrotz gibt es reichhaltig. Sowohl Frühstück als auch Mittagessen mit Getränk und Dessert sind im Preis inbegriffen.
Kleiner Tipp: Sollte man während der Essenszeit im OP beschäftigt sein, kann man sich durch einen Anruf auch sein Essen für später zurückstellen lassen.
Freizeit:
Am Klinikum kann man Fahrräder ausleihen und die Umgebung erkunden. Emden selbst ist zwar kein Party-Zentrum. Aber wer sich mit kleineren Kulturprogrammen anfreunden kann, ist hier goldrichtig. Mit meinen „Mitbewohnern“ war ich hin und wieder im Theater (Schauspiel oder Musical – die Darbietungen waren richtig gut) und wir haben uns auch einen echt guten Poetry-Slam gegönnt. Zum Weggehen zog es uns ins Cafe Einstein oder zum Mexikaner ins Mojito. Sonst bietet die Stadt mit Friesentherme, Otto-Huus, Wochenmarkt, Kunsthalle, Pelzerhäuser und Kino genug Abwechslung auch für ostfriesisch verregnete Tage.
Die Tipps in der Umgebung sind für Interessierte ebenfalls gut zu erreichen:
Fischerdorf Greetsiel, Pilsumer Leuchtturm, Emsmündung, Stadt Leer, Stadt Norden mit Seehundaufzuchtstation und natürlich die Nordseeküste und deren vorgelagerte Inseln.

Fazit:
Alles in allem hat mir das Tertial in der Chirurgie unheimlich gut gefallen. Nach 4 Monaten kennt man sich im Krankenhaus und geht auch schon etwas schweren Herzens von hier wieder weg. An der Ausbildung gibt es kaum etwas auszusetzen. Klar wird man nicht für jede Kleinigkeit an die Hand genommen. Aber wenn man sich selbst etwas einbringt und viele Fragen stellt, bekommt man jede Unterstützung, die man sich wünscht. Die Arbeitszeiten sind absolut angenehm und die Rahmenbedingungen stimmen. Und wirklich fast jeder im Klinikum begegnet einem mit einem freundlichem „Moin“…
Bewerbung
innerhalb der deutschlandweiten Bewerbungsfrist,
ca. 1/2 Jahr vorher
Unterricht
Häufiger als 5x / Woche
Inhalte
Prüfungsvorbereitung
Repetitorien
Bildgebung
Fallbesprechung
EKG
Sonst. Fortbildung
Nahtkurs
Tätigkeiten
Briefe schreiben
Braunülen legen
Röntgenbesprechung
Blut abnehmen
Patienten untersuchen
Notaufnahme
Mitoperieren
Punktionen
Rehas anmelden
Poliklinik
Botengänge (Nichtärztl.)
Untersuchungen anmelden
Eigene Patienten betreuen
Patienten aufnehmen
Chirurgische Wundversorgung
Dienstbeginn
7:00 bis 8:00 Uhr
Dienstende
15:00 bis 16:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Essen frei / billiger
Kleidung gestellt
Mittagessen regelmässig möglich
Unterkunft gestellt
Gehalt in EUR
357,00

Noten

Team/Station
1
Kontakt zur Pflege
1
Ansehen des PJlers
1
Klinik insgesamt
1
Unterricht
2
Betreuung
2
Freizeit
1
Station / Einrichtung
1
Gesamtnote
1

Durchschnitt 1.13