PJ-Tertial Chirurgie in St. Gertrauden Krankenhaus (3/2021 bis 6/2021)

Station(en)
Neurochirurgie, Unfallchirurgie, RST, Gefäßchirurgie
Einsatzbereiche
OP, Notaufnahme, Station
Heimatuni
Berlin
Kommentar
Mit etwas Ãœberraschung habe ich gesehen, dass der letzte hochgeladenene Bericht die Chirurgie im St. Gertrauden mit einer glatten 1 bewertet.
Da ich etwas anderer Meinung bin, hier mein Bericht. Im Vorraus muss ich sagen, dass ich später nicht in die Chirurgie gehen will, und das den Ärzt*innen dort auch auf Nachfrage klar so gesagt habe. Vielleicht bestand deshalb grundsätzlich weniger Interesse darin, mich zu teachen und sich mit mir zu beschäftigen. Aber von vorne:

Organisatorisches:
Am ersten Tag wird man von der HR-Angestellten begrüßt, die auch für die Bescheinigungen und weiteres Organisatorisches zuständig ist. Diese war sehr nett und immer erreichbar. Uns wurde von Anfang an gesagt dass die Abwesenheiten in der Chirurgie relativ flexibel gestaltet werden. Studientage kann man sammeln und diese werden auch nirgendwo schriftlich festgehalten o.ä., es geht also alles eher auf Vertrauensbasis. Das fand ich extrem positiv! Man bekommt einen Spind im Keller (Schloss mitbringen), die Kleidung kann man sich an einem Automat holen so oft man möchte. Das Essen ist kostenlos und eins der besten Krankenhausessen die ich bisher erlebt habe! Alles wird dort frisch gekocht und ist kein Vergleich zu dem Fertigzeug bei Vivantes und Co. Es gab einen Rotationsplan, der am ersten Tag direkt ausgeteilt wurde. Fortbildungen gab es GAR KEINE - riesiges Minus an dieser Stelle.
2x in der Woche werden ALLE Patienten (auch geimpfte) auf Station auf COVID getestet. Der Sinn dieser Maßnahme sei dahingestellt. Man muss dann wirklich hoffen, dass man nicht alleine als PJ-ler auf Station ist, sonst dauert das auch gut und gerne mal 2 Stunden. Die Ärzt*innen helfen da natürlich nicht mit.

Gefäßchirurgie:
Die Gefäßchirugie fand ich insgesamt am Besten. Man durfte in den OP und dann auch an den Tisch und ein bisschen assistieren, allerdings war es nie Pflicht und immer freiwillig. Auf der Station gab es relativ viele Blutentnahmen, aber wenn man mal was nicht geschafft hat (Venenverhältnisse der Patienten waren oft schwierig), war das nie ein Problem. Zudem ist die Station geteilt mit den Angiologen, sodass man auch da mal auf Visite mitgehen konnte o.ä. Weitere Aktivitäten die man machen kann: in die Angio gehen (spannend), in den Ultraschall gehen (nicht sooo spannend), mit in die Rettungsstelle gehen.
Insgesamt fand ich das Team hier sehr nett und vor allem auch internistisch noch halbwegs fit. Gerade die Oberärztin hatte auch Lust auf Teaching.

Neurochirurgie:
Hier durfte ich in den ersten Tagen direkt zwei Lumbalpunktionen machen, was total cool war. Ansonsten war der Tagesablauf eher ein bisschen chaotisch und man musste Glück haben, um die Visite überhaupt mitzubekommen. 1-2 mal wurde man als Assistenz in die OP eingeteilt, ich war mit dem Chef im OP, der allerdings gar nicht mit mir gesprochen hat (da frage ich mich dann, warum er nicht einfach eine*n Assistent*in mit reinnimmt, wenn er einem eh nichts beibringen will).. dazu muss ich aber sagen dass ich mich nicht unbedingt drum gerissen habe, in den OP zu gehen. Ich persönlich fand die Tage auf der Neurochirugie nicht so toll, auch wenn das Team prinzipiell nett war.

Rettungsstelle:
Man ist in der RST den Unfallchirurgen zugeordnet. Das hätte richtig cool sein können, ABER: es waren in den Semesterferien viel zu viele Praktikanten in der Rettungsstelle!! Wir waren teilweise 2 PJler*innen und 4 Famulantinnen, die alle mit einem(!) Arzt mitlaufen sollten!! Wie sich das auf den Lerneffekt auswirkt, wenn sich dann alle um eine Kopfplatzwunde streiten, kann man sich vorstellen. Wir haben uns dann auf 2 Schichten eingeteilt, aber waren immer noch zu viele.
Sehr schade, denn ansonsten hätte man bestimmt viel lernen können. So hat man sich vor allem überflüssig gefühlt.

Unfallchirurgie:
Hier muss/darf man 4 Wochen bleiben, also länger als auf den anderen Stationen. Das Positive vorweg: Der Arbeitsalltag ist sehr entspannt, wir sind selten länger als bis 13.30 geblieben, oft auch schon früher gegangen. Für jemanden wie mich, der sich nicht sonderlich für schneidende Fächer interessiert, war es also perfekt.
Leider war die Organisation in dieser Abteilung wirklich katastrophal. Der/die Stationsärzt*in wechselt jeden Tag, sodass niemand einen Überblick über die Patienten hat. Oft war außer den PJs einfach niemand auf Station, weil sich alle Ärzte in ein anderes Arztzimmer auf einem anderen Flur verkrümeln und dort rumhängen. Die Blutentnahmen wurden häufig erst stückweise über den Tag gestellt, sodass man nie so richtig fertig wurde. Man steht häufig fest auf dem OP-Plan, um Beine zu halten oder an Armen oder Haken zu ziehen, ohne dabei wirklich den Situs sehen zu können. Richtig mitoperieren durfte ich nie. Ich habe die Theorie, dass ich ziemlich schnell den Stempel "will eh nicht Chirurgie machen" aufgedrückt bekommen habe, und mir deshalb nichts erklärt wurde. Natürlich hab ich versucht, Fragen zu stellen, aber das hat nicht unbedingt dazu geführt, dass mehr erklärt wurde.
Insgesamt war die Stimmung im Team wirklich genau so, wie es das Klischee über die Unfallchirurgie besagt, nämlich ziemlich testosterongeschwängert. Es wurde z.T. extrem zynisch über die Patienten gesprochen, auch gegenüber der Pflege und uns gab es respektlose Kommentare. Sicherlich ist hier auch einfach die Frage, ob die Chemie zwischen PJler und dem Team stimmt. Bei mir war das nicht der Fall und ich war jeden Tag froh, wenn ich nach Hause konnte.

Allgemeinchirurgie:
Hier habe ich - wie so viele - meine Urlaubstage genommen. Habe aber gehört, dass sie nicht ganz so schlecht ist wie ihr Ruf.

Insgesamt kann ich das Tertial empfehlen, wenn man nicht allzu viel arbeiten will und sich eine entspannte Zeit erhofft. Wer wirklich was lernen will, ist woanders besser aufgehoben.
Unterricht
Kein Unterricht
Tätigkeiten
Botengänge (Nichtärztl.)
Notaufnahme
Rehas anmelden
Patienten aufnehmen
Blut abnehmen
Röntgenbesprechung
Chirurgische Wundversorgung
Mitoperieren
Braunülen legen
Dienstbeginn
7:00 bis 8:00 Uhr
Dienstende
Vor 15:00 Uhr
Studientage
1x / Woche frei
Tätigkeiten
Mittagessen regelmässig möglich
Essen frei / billiger
Kleidung gestellt

Noten

Team/Station
3
Kontakt zur Pflege
1
Ansehen des PJlers
2
Klinik insgesamt
2
Unterricht
6
Betreuung
2
Freizeit
1
Station / Einrichtung
2
Gesamtnote
3

Durchschnitt 2.53