PJ-Tertial Notfallmedizin in Inselspital Bern (5/2020 bis 9/2020)

Station(en)
Notfallzentrum
Einsatzbereiche
Notaufnahme
Heimatuni
Nicht angegeben
Kommentar
Ich bin über PJ-Ranking Bewertungen zum Inselnotfall gekommen, deshalb möchte ich versuchen hier auch eine detaillierte Bewertung an nachfolgende PJler weiterzugeben.
Vorab: Ich kann ein Tertial hier voll und ganz empfehlen.
Der Notfall ist interdisziplinär, das heißt man sieht und behandelt Patienten aller Fachrichtungen. Ausnahmen sind eindeutig neurologische Patienten (zB Strokes), dafür sind die Neurologen auch permanent auf dem Notfall, oder Auge/HNO Patienten. Für alles andere sind die jeweiligen Fachrichtungen (Uro, Viszi, Kardio, Neurochirurgie, Handchirurgie, etc) lediglich konsiliarisch auf dem Notfall. Offiziell sind die Patienten dann entweder Medizin oder Chirurgie getagged, das ist aber meistens pro Forma damit sie einem der zwei (24h/7 Tage) anwesenden Notfall-OÄ zugeteilt sind.
Zusätzlich arbeiten je nach Dienstzeit zwischen 3 und 7 Assistenten, die meisten sind in fortgeschrittener Weiterbildung Innere Medizin und rotieren für 6 Monate bis 1 Jahr hierher. Das Pflegeteam ist personell gut ausgestattet (zumindest im Vergleich zu meinen Vorerfahrungen), super ausgebildet und hat viele Kompetenzen (Analgesie, Zugänge), ich fand die Zusammenarbeit und die Stimmung im Vergleich zu Deutschland erfrischend angenehm und kollegial. Es gibt auch eine geniale Personaltafel auf einem Bildschirm, mit Name, Foto, Funktion und Suchernummer von jedem der aktuell Dienst hat, damit ist auch das elendige Vorstellen bei jedem und andauernd etwas in den Hintergrund gerückt.

Der Inselnotfall hat ein riesiges Einzugsgebiet, insbesondere als Traumazentrum, weshalb man Patienten zB aus dem tiefsten Wallis mit Air Zermatt (für HEMS-affine sicherlich ein bekannter Name) oder der Rega zugeflogen bekommt, und sehr spannende Fälle zu sehen bekommt (Bergunfälle aller Art, Verkehrsunfälle, Hausbrände, Ertrinkungen, SHTs, etc) und eben auch die maximal mögliche Behandlung dazu (Schockraumthorakotomien, REBOA, ECMO, etc.).
Aber auch in der "normalen" Akutmedizin bietet sich ein breites Spektrum, wobei tagsüber die meisten Banalitäten (ich sage mal umgeknickter Fuß) vom Fast Track abgefedert werden, wo man auch gerne mitarbeiten kann. Der Notfall ist hierbei nicht nur Eintritt auf eine Station, es wird auch schon sehr viel Diagnostik gemacht (bis hin zu MRTs), so dass die aufgenommenen Patienten meistens schon eine Diagnose und ein Prozedere haben, und die Arbeit selten "Fließband" ist, sondern man sich viel über spannende Krankheitsbilder informieren muss. Auch die üblichen Intoxikationen und sozialen Probleme einer (klein-)Stadt kann man hier gut erleben, es gibt natürlich auch die üblichen Stammgäste, was einem viel zu Empathie und zum Umgang mit solchen Patienten zu denken geben kann.

Nun zu den konkreten Bedingungen und Aufgaben der Unterassistenten:
- Gegen 50CHF Pfand bekommt man einen Spind
- Arbeitskleidung ist gestellt (Wäschewagen auf dem Notfall), zum Glück nicht die schrecklichen Metzgerschürzen die alle anderen Unterassistenten der Insel tragen, sondern normaler Kasack und Hose. Nachteil: es gibt nur eine winzige Tasche an der Hose, der Kasack hat keine. Lösung: zur Wäscherei gehen und nett fragen ob man eine andere Hose bekommen kann, die muss man sich dann immer am Automaten im Keller ziehen, die hat dafür aber 6 (!) Taschen und lässt die anderen Studierenden vor Neid erblassen. Ich konnte es einfach nicht leiden mit dem Stethoskop am Hals und dem Sucher am Kragen rumzulaufen, ganz zu Schweigen von Notizzetteln (und Handy).
- Es gibt einen Einführungstag (mit Gratis essen), wo einem alles wichtige zusammen mit den neuen ÄrztInnen/PflegerInnen gezeigt und erklärt wird.
- Man arbeitet im Schichtdienst, Früh von 7-15h, Spät von 15-23h, Nacht von 23-08:00, auch am Wochenende und Feiertagen. In meiner Zeit waren wir sehr viele Studierende, weshalb die Dienste eher selten waren (ca 14/Monat) und man auch mal ne gute Woche oder mehr am Stück frei hatte. Hängt natürlich von der Personalsituation ab, Covid-bedingt ist jetzt etwas aufgestockt worden.
- Man hat einen eigenen Sucher und einen eigenen Arbeitsplatz, sowie Zugänge und Berechtigungen für fast alles.
- Zwischenzeitlich mussten wir im Covid-Track mitarbeiten, mittlerweile ist das zum Großteil jedoch an Minijobs ausgelagert worden.
- Fortbildungen gibt es quasi jeden Morgen beim Rapport, und Mittwoch/Donnerstag Nachmittags noch spezifischer Studentenunterricht bzw Bedside Teaching. Aufgrund des Schichtdienst ist man dann natürlich nicht immer da.

- Man ist bei jedem angemeldeten Schockraum Teil des SR-Calls (dieser dramatische Alarm auf dem Sucher), und findet sich dann mit dem Rest des Teams dort ein. Ich habe bei jedem SR (auch medizinische) alles mitgeschrieben (Übergabe, Zeiten der Interventionen, Befunde), primär als Lernhilfe, manchmal sind die Assistenten beim dokumentieren auch dankbar wenn sie einen noch nach Details fragen können. Meistens ist man dann auch für die Anmeldung der Bildgebung verantwortlich (CT/LODOX), das ist ein Zettel zum ausfüllen und dann eine kurze Übergabe an den Radiologen. Mithelfen geht natürlich auch immer, das ist je nach SR natürlich unterschiedlich (beim Polytrauma sind so oder so 2000 Menschen im Raum). Wenn viel los war und noch ein "kleiner" stabiler SR reinkam durfte ich auch mal eigenständig das Primary Survey inkl. E-FAST unter Oberarzt Supervision durchführen.
Im Anschluss an traumatische, primäre Schockräume (also auch keine Verlegungen) muss dann das Schockraumprotokoll ausgefüllt werden. Viele Unterassistenten haben das Live gemacht, ich habe es immer anhand meiner Notizen und der Dokumentation hinterher ausgefüllt. Es dient zu Studienzwecken, und ist im Moment leider ein eher unübersichtliches Dokument, vielleicht ändert sich das ja bald. Dafür gibt es pro ausgefülltem Protokoll einen 5CHF Gutschein am Ende des Praktikums.
- Auf dem regulären Notfall kann man mit den Assistenten zusammenarbeiten und mit denen /für die Anamnese und Untersuchung machen, Berichte mitschreiben, Dokumente von extern anfordern, manchmal halt auch einfach einen nervigen Orthostase Test machen. Dafür wird man aber auch immer angesprochen wenn es ein Sono zu machen gibt (absolute Empfehlung, Sonografieren kann man hier richtig gut lernen), eine Punktion (Pleura, Liquor, Gelenk, Arterie) oder eine Naht. Wenn man etwas noch nicht kann wird es einem eigentlich immer gut erklärt und man darf es dann unter Anleitung lernen. Trotzdem ist hier natürlich Eigeninitiative gefragt, wenn man den ganzen Tag vor dem PC sitzen möchte würde das ohne weiteres auch gehen, man lernt dann halt nicht wirklich etwas.
- Passende Patienten (Stufe 3 triagiert, nicht vom Rettungsdienst gebracht) kann man auch komplett selber betreuen (heißt euer Name steht am Ende auch auf dem Bericht). Das ist stark von den OÄ und dem aktuellen Aufkommen abhängig, da man als Student logischerweise doch ein bisschen mehr Supervision braucht als Assistenten. Manchmal kommen die OÄ aber auch auf einen zu und fragen ob man einen Patienten übernehmen kann, oft sind das Wundversorgungen oder muskuloskelettale Beschwerden. Die werden meistens danach ambulant entlassen, je nach Entwicklung hat man dann aber auch auf einmal ein akutes Abdomen übernommen das direkt in den OP muss.
- Rückfragen sind stets möglich, fast alle Assistenten und auch OÄ besprechen immer gerne Fälle, oder zeigen einem interessante Befunde oder Fälle, oder auf dem Weg zu einem Patienten wird man auch einmal abgefragt (Red-Flags bei Oberbauchschmerz? Big Five des Thoraxschmerz?).

Alles in allem ein sehr lehrreiches Tertial, ideal wenn man sich für klinische Notfallmedizin interessiert, oder einfach das Innere/Chirurgie Tertial gerne etwas interdisziplinärer gestalten möchte.


Bewerbung
Bewerbung lange im Voraus! Bei mir waren es 2 Jahre, aber die Formalitäten gehen dann recht schnell. Bewerbung an denise.hostettler@insel.ch

Da Notfallmedizin (leider noch) keine eigene Fachrichtung ist, auch in der Schweiz, kann man sich das Praktikum entweder als Chirurgie oder Innere Medizin anrechnen lassen, im Alltag spielt das keine Rolle. Nach Überweisung von 50CHF bekommt man dann einen Stempel von der MedFak auf die Äquivalenzbescheinigung.

Man kann ein Zimmer im Personalwohnheim mieten, das günstigste kostet 400CHF, ist gegenüber vom Notfall, bietet aber eben auch nicht sehr viel: ca 12qm, Dusche, WC und Küche sind auf dem Flur und erinnern ein wenig an alte Campingplätze.
Unterricht
1x / Woche
Inhalte
Fallbesprechung
Sonst. Fortbildung
Bildgebung
EKG
Repetitorien
Tätigkeiten
Patienten aufnehmen
EKGs
Punktionen
Patienten untersuchen
Chirurgische Wundversorgung
Röntgenbesprechung
Eigene Patienten betreuen
Notaufnahme
Untersuchungen anmelden
Briefe schreiben
Dienstbeginn
Schichtdienst
Dienstende
Schichtdienst
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Kleidung gestellt
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Unterkunft gestellt
Gehalt in EUR
1200
Gebühren in EUR
50

Noten

Team/Station
1
Kontakt zur Pflege
1
Ansehen des PJlers
1
Klinik insgesamt
2
Unterricht
1
Betreuung
2
Freizeit
1
Station / Einrichtung
1
Gesamtnote
1

Durchschnitt 1.27