PJ-Tertial Allgemeinchirurgie in Hospital de Clinicas (11/2019 bis 1/2020)

Station(en)
Viszeral, Throax- und Gefäßchirurgie
Einsatzbereiche
Notaufnahme, Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde, Station, OP
Heimatuni
TU Muenchen
Kommentar
Das Hospital de Clinicas ist ein 12-stöckiges Klinikum zentral in Buenos Aires (Capital) gelegen und mit den Öffentlichen (Bahn und Bus) sehr gut zu erreichen. Es ist ein öffentliches Krankenhaus, somit wird jeder Patient, der aufkreuzt, behandelt. Dementsprechend herrscht viel Bewegung in der Klinik, so ab ca. 8 Uhr vormittags. Die allgemeinchirurgischen Abteilungen befinden sich im 7. und 8. Stock, dort habe ich mich im Sekreteriat am ersten Tag vorgestellt. Nachdem der Chefarzt nicht da war, wurde ich erstmal ins EG zur Abulanz geschickt und musste mich dort irgendwie zurechtfinden. Natürlich hat mich dort keiner erwartet, ich wurde dann aber einem Assistenzarzt zugeteilt. Glücklicherweise war zur gleichen Zeit auch ein argentinischer PJler (die sieht man nämlich eigentlich nie) in der Ambulanz und so konnte ich seinen Wochenplan fotografieren und habe mich die erste Woche an ihn gehalten. Für die einheimischen PJler beginnen die Tage so zwischen 8-9 Uhr. Meist wird Ihnen ein Ort wie Ambulanz, Station oder OP genannt, wo es dann eigentlich hauptsächlich darum geht eine Unterschrift zu finden. Es werden vielleicht 2-3 Patienten besprochen mit einem Oberarzt und zwischen 11-13 Uhr geht es dann wieder nach Hause. Das höchste der Gefühle war dann zB mal eine Blasensonde legen auf der Urologie, dies wurde mir zumindest von den PJlern der Chirurgie so berichtet. Manchmal trafen sie sich sogar auch nur zum quatschen und sind dann ohne überhaupt was gemacht zu haben wieder nach Hause gegangen.
In der 2. Woche habe ich mich dann beim Chefarzt Prof. Arribalzaga vorgestellt. Er ist wirklich super nett und meinte von Beginn an ich soll mir das PJ so einrichten, dass ich dass ich für mich das meiste mitnehmen kann und hat mir auch gleich die PJ-Bestätigung unterschrieben. Man bekommt aber am Ende noch eine Evaluation, die man in der Fakultät einreichen muss, damit man auch den Fakultätsstempel bekommt. Mir wurden danach 2-3 Ärzte vorgestellt und mit denen bin ich dann mitgelaufen. Da ich keinen Plan wie die Einheimischen Studenten hatte, habe ich mich meist auf Station aufgehalten und war zur Hälfte auf der Viszeralchirurgie und die andere Hälfte Thorax und Gefäßchirugie.
Der Tag starte offiziel um 07:00 Uhr mit der Morgenvisite, die meist um 07:30 began. Vorher herrschte eine allgemeine Anspannung unter den Assistenzärzten aus dem 1. Jahr (R1), denn sie müssen die Station schmeißen und alles zur Visite vorbereiten. Deswegen sind sie auch jeden Tag von 05 Uhr bis Mitternacht in der Klinik, was weder für Arzt noch für Patient gesund ist, würde ich mal behaupten. Auf jeden Fall gab es eigentlich keine Visite, bei der die Assistenzärtze nicht von ihren Vorgesetzten einen ordenltichen Einlauf bekommen haben, weil immer etwas gefunden wurde was nicht gepasst hatte. Dabei muss man sagen, dass die Vorgesetzten keine Oberärzte, sondern Assistenzärzte aus dem 2-4 Jahr waren. Dieses System der harschen Hirarchie herrscht dort schon seit mehreren Jahrzenten und wird offenbar für die Ausbildung der jungen Ärzte als gut befunden, was ich persönlich hinterfragen würde. Auf jeden Fall führte die angespannte Situation während der Visite dazu, dass die Vorstellung des Patienten in einem unglaublichen Tempo runtergerattert wurde und der argentinische Akzent hilft einem dort dann auch nicht gerade beim Verständnis. Ich habe erst ein Jahr zuvor ein Auslandssemester in Kolumbien gemacht, trotzdem war es oft unglaublich schwer für mich die Visite komplett zu verstehen. Aber ein gutes Sprachtraining ist es auf jeden Fall. Insgesamt hat sich danach keiner für mich verantwortlich gefühlt, die Assistenzärzte aus den höheren Jahren sind sofort wieder in OP oder sonstwohin verschwunden und ich habe versucht mich an den nettesten R1 zu hängen. Wenn man mit Ihnen ein wenig Zeit verbringt, entstehen auch oft sehr interessante Gespräche, allerdings eher über das System der Medizin in Argentinen als über die Erkrankungen der Patienten. Die jungen Assistenzärzte sind nämlich hauptsächlich damit beschäftigt in der Klinik herumzulaufen um Bildgebung zu beantragen, Medikamente abzuholen oder Informationen von anderen Stationen zu erlangen, denn ein digitales Computersystem gibt es noch nicht und so müssen fast alle Anträge/Aufträge persönlich abgegeben werden. Entscheidungen dürfen sie auch nicht treffen, diese werden meist am Telefon von der Vorgesetzten getroffen. Wenn es einen interessanten Fall gab, habe ich ab und an mal eine Anamnese erhoben, nur für mich persönlich und bin auch öfter in OP gegangen. Dort darf man jederzeit hin, aber Einwaschen ist für PJler nicht gedacht, weil es haufenweise Assistenzärte dafür gibt, die darauf warten an den Tisch zu kommen. Von den Ärzten und Pflegekräften wurde ich persönlich immer sehr nett und respektvoll behandelt, aber wie so oft muss man sehr viel Eigeninitiative zeigen, um etwas zu sehen, allerdings würde ich sagen hat auch hohe Eigeninitiative keine großen Früchte getragen.
Ich hoffe, das klingt jetzt nicht allzu schlimm, so war aber der reale Alltag. Mir war durch die Berichte vorher schon bewusst, dass man nicht viel machen darf und sehr viel Freizeit hat, deswegen habe ich das Tertial dort auch ausgesucht. Man ist wirklich sehr flexibel was die Arbeitszeit dort angeht und wenn man mal ein paar Tage nicht erscheint ist das auch kein Problem.
Um das ganze noch positiv abzuschließen ein kurzer Kommentar zur Freizeit: Buenos Aires ist eine unglaublich lebenswerte Stadt mit viel Charakter durch ihre individuellen Viertel und einem unglaublichen Angebot. Vor allem im Sommer nutzen die Leute ihre Freizeit und sitzen in Cafes, Restaurants oder Spazieren durch Parks. Wer auch gerne abends, vor allem in Diskotheken der elektronischen Musikrichtung, unterwegs ist, wird sich hier sehr wohl fühlen, denn vor allem im Sommer gibt es ein Riesenangebot an Veranstaltungen, die meistens open Air sind. Zum Leben kann ich das Viertel Palermo empfehlen, mit vielen Cafes und Restaurants.

Fazit: Wenn man mal später nicht chirurgisch arbeiten möchte und eine Erfahrung über den normalen PJ-Tellerrand hinausmachen möchte, den kann ich Buenos Aires wirklich ans Herz legen. Denn es ist eine Erfahrung, die man wohl sein Leben lang nicht vergessen wird. Ich würde empfehlen ein gesplittestes Tertial (2 Monate) zu machen , das ist komplett ausreichend, sonst wird es vermutlich zu eintönig.

Bei Fragen dürft ihr euch gerne an mich wenden
Bewerbung
Ca. 9 Monate vorher an relint@fmed.uba.ar, das Büro der relaciones interancionales. Melina und Mariana antworten sehr schnell auf die Mails, natürlich muss man einiges an Dokumenten bereitstellen. Der langwierige Prozess beginnt wenn man die Originale per Post (!) hinschickt, was bei mir über einen Monat gedauert hat und danach muss man auf die Bestätigung der Klink warten, was weiter 2-3 Monate gedauert hatte. Denke aber auch, dass man dort nie abgelehnt wird.
Unterricht
Kein Unterricht
Tätigkeiten
Patienten untersuchen
Poliklinik
Botengänge (Nichtärztl.)
Chirurgische Wundversorgung
Notaufnahme
Blut abnehmen
Dienstbeginn
Vor 7:00 Uhr
Dienstende
Vor 15:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Gebühren in EUR
60

Noten

Stimmung Station
3
Kontakt zur Pflege
2
PJler-Ansehen
3
Stimmung Klinik
3
Unterricht
5
Betreuung
4
Freizeit
1
Lehre auf Station
4
Insgesamt
2

Durchschnitt 2.73