PJ-Tertial Endokrinologie/ Diabetologie in Charite Campus Mitte (7/2019 bis 9/2019)

Station(en)
118B
Einsatzbereiche
Station
Heimatuni
Berlin
Kommentar
Die Station Endokrinologie 118B ist Teil der Inneren Medizin. Am ersten tag des Tertials trifft man sich mit dem PJ-Beauftragten und verteilt jeweils 2 Stationen pro PJler à 8 Wochen. Hier soll es nur um die Station Endokrinologie gehen.

Tagesablauf:
Arbeitsbeginn ist 8:00 Uhr mit dem Erledigen der Blutentnahmen des Tages. Auch die endokrinologischen Tests (Metanephrin-Test, OGTT, Gabe von TRH/CRH/LHRH) werden durch die PJler durchgeführt und nehmen unterschiedlich viel Zeit in Anspruch. Zwar ist es cool zu sehen, was alles zu diesen Tests dazu gehört, allerdings ist es nach dem ersten Mal recht repetitiv - in unterschiedlichen Abständen zwischen 15-1 Std zum Patienten gehen und Blut abnehmen eben.
Leider haben sich die Ärzte angewöhnt, die Visite ohne die PJler während unserer Blutentnahmen zu machen, weswegen man morgens eigentlich nichts lernt. Auch das Durchsprechen dieser Tests findet maximal 5 Minuten statt, und eine Erklärung oder gar gemeinsame Auswertung der Tests wird eigentlich nicht gern gesehen - das dauert zu lange und ich kam mir immer vor, als würde ich mit meinen Nachfragen und Interesse eher nerven.
Nachdem die Blutentnahmen gelaufen sind, gab es recht viel Freilauf bis ca. 12:00 - da konnten wir immer geschlossen zu Mittag gehen, teilweise mit den Ärzten. Allersding war die Stimmung manchmal nicht so gut und deswegen waren wir froh, wenn wir auch alleine etwas Zeit "verbummeln" konnten.
Nachmittags kamen meisten 1-2 Neuaufnahmen, die ebenfalls durch die PJler gemacht werden. Dabei soll man eine sehr ausführliche Anamnese erheben, ein EKG schreiben, Blutabnehmen und evtl. eine Flexüle legen. Dann soll man es dem betreuenden Arzt vorstellen, dieser geht dann meist noch mal zum Patienten, stellt exakt die gleichen Fragen wie man selber und untersucht den Patienten noch einmal komplett nach. Zwar soll man möglichst den Brief schon schreiben, jedoch wird es nicht gerne gesehen, wenn man eigenständig Anordnungen wie Aufnahmemedikamente oder erste Untersuchungen machen möchte - da man dazu noch nicht befähigt sei (laut Stationsärzten). Hier hatte ich stets das Gefühl, als billige Arbeitskraft missbraucht zu werden - denn ein Durchgehen der Patienten, eine strukturierte Besprechung oder gar ein eigenständiges Betreuen ist durch die Stationsärzte, insbesondere die Diensälteste, nicht erwünscht. Schade.
Nachmittags kommt dann noch gegen 15:00 bis teilweise 17:00 Uhr auch noch der Oberarzt, um die Neuaufnahmen des Tages anzusehen. Hier darf man den Patienten zwar als "seinen" Patienten vorstellen, da man jedoch keine weiteren Anordnungen machen durfte, hat man meistens ab der zweiten Frage keine Antworten mehr. Krankheitsbilder werden eigentlich nicht erklärt, sondern ab und zu wird "abgefragt", das hat mir persönlich aber immer kaum Lerneffekt gebracht.
Einzig lehrreich war die Chefarzt/große OA-Visite Dienstags, bei der die gesamte Station visitiert wurde. Dabei wurden alle Patienten ausführlich besprochen und die kritischen Rückfragen des OA an die Assistenzärzte haben auch mir viel zum Verständnis der Betreuung/Krankheitsbilder beigetragen. Leider ist die Visite ungemein chaotisch - es wird von Zimmer zu Zimmer gesprungen, stundenlang im Patientenzimmer irgendwelche radiologischen Befunde begutachtet und berätselt - insgesamt zieht es sich dann doch für 15 Patienten auf 3-4 Stunden, weswegen an dem Tag (zum Glück) wenig zeit für Langeweile bleibt. Insebsondere die Chefarztvisite durch den stellv. Chef Prof. Straßburger ist sehr nett.

Schluß ist (offiziell) um 16:30 Uhr. Leider werden wir auch bei einem offensichtlichen Mangel an Aufgaben nicht früher nach Hause geschickt, sondern müssen mehrere Male nachfragen, bis wir gehen dürfen. Wenn der OA manchmal erst um 16:20 Uhr kam, mussten wir noch lange und chaotische Nachmittags/Neuaufnahmen-Visite ertragen, weil einen keiner nach Hause gehen lässt. Gelernt habe ich dabei meist auch nicht mehr viel.

Betreuung:
Die PJler sitzen getrennt von den Ärzten im Oberarzt-Zimmer und wenn man den Ärzten bei der Arbeit über die Schulter gucken will, hatte ich schnell das Gefühl, zu nerven bzw. die Arbeit unnötig aufzuhalten. Nach einiger Zeit habe ich es daher gar nicht mehr versucht und habe mir für die Vormittage zwischen Blutenahmen und Mittag/Neuaufnahmen eigenes Lesematerial, Doktorarbeit usw. mitgebracht, um nicht vor Langeweile umzukommen.
Lehre durch die Ärzte fand anfangs vor Allem durch zwei engagierte Assistenten statt, die aber während meiner Zeit wegrotiert sind. Danach beschränkte sich die Lehre auf eine genervte 5-Minuten Erklärung und Erklärungen, wie man irgendwelche Botengänge im Haus zu erledigen hat. Eigentlich würde ich solche Aufgaben nicht ausführen - aber es war mir teilweise so langweilig....
Die Stimmung schwankt zwischen witzig-chaotisch (selten) über pure Genervtheit bis nur schlechte Laune. Ich habe mich hier wirklich schnell unwohl gefühlt.

Studientage:
Bereits ab der 2. Woche haben wir als PJler beschlossen, dass wir uns zu sehr auf den Füßen stehen. Nachdem die Ärzte mehrere Male zu uns meinten, dass ihnen unsere Anwesenheit egal sei, solange das Blutabgenommen wird, haben wir uns mit Famulanten so aufgeteilt, dass immer 2 auf Station anwesend sind. der Rest konnte daheim bleiben. Faktisch hatte man 1-2 Studientage pro Woche und einen Tag "Hintergrund", an dem man morgens nur zu den Blutentnahme kam. Die Ärzte hat es nicht interessiert bzw. kann ich mir nicht vorstellen, dass es ihnen aufgefallen ist.

Fazit:
Wer chillen will und keine Lust mehr hat, ist hier richtig. Wer - wie ich - voll Interesse an die Endokrinologie und die coolen Krankheitsbilder gegangen ist, wird hier bitter enttäuscht. Lehre findet keine statt, man muss sich alles erkämpfen und Anerkennung für die Anwesenheit und Übermotiviertheit gab es auch lange nicht. Hatte ich vorher noch überlegt Endo zu machen, habe ich nun keine Lust mehr drauf.
Wenn das hier aber dein letztes tertial sein sollte und willst Zeit zum lernen/Freizeit/whatever, bist du hier genau richtig.

Bewerbung
PJ-Portal
Vergabe der Station am ersten Tag des PJ-Tertials Innere Meidzin
Unterricht
Kein Unterricht
Inhalte
Patientenvorstellung
Tätigkeiten
Patienten untersuchen
Blut abnehmen
Braunülen legen
EKGs
Briefe schreiben
Patienten aufnehmen
Botengänge (Nichtärztl.)
Chirurgische Wundversorgung
Dienstbeginn
Nach 8:00 Uhr
Dienstende
16:00 bis 17:00 Uhr
Studientage
1x / Woche frei
Tätigkeiten
Kleidung gestellt
Mittagessen regelmässig möglich
Essen frei / billiger

Noten

Stimmung Station
4
Kontakt zur Pflege
3
PJler-Ansehen
3
Stimmung Klinik
2
Unterricht
5
Betreuung
5
Freizeit
2
Lehre auf Station
3
Insgesamt
4

Durchschnitt 3.40