PJ-Tertial Allgemeinchirurgie in Spital Grabs (9/2018 bis 12/2018)

Station(en)
Allgemein- und Viszeralchirurgie, Orthopädie
Einsatzbereiche
Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde, Station, Notaufnahme, OP
Heimatuni
Nicht angegeben
Kommentar
Wer sich schon mal warm arbeiten möchte für das Berufsleben ist hier richtig! Das hier ist alles andere als ein Ort für bezahlten Urlaub in den Bergen...
Vorne weg: mein Bericht bezieht sich ausschließlich auf meine Erfahrungen am Spital Grabs und hier speziell auf die Chirurgie. Daher können hieraus weder Schlussfolgerungen auf andere Fachbereiche und Disziplinen in Grabs gezogen, noch Aussagen für die gesamte Schweiz übertragen werden.

Ein paar allgemeine Infos für alle, insbesondere deutsche Studenten, die ein Tertial in der Schweiz in Erwägung ziehen:
- Eine rechtzeitige Bewerbung garantiert eine größere Auswahl an Spitälern, aber auch sehr kurzfristig findet man immer noch etwas!
- Für die Suche nach geeigneten Spitälern schaut auf die Länderliste eures Prüfungsamtes! Lest die Berichte hier im PJ-Ranking und schreibt einfach Initiativbewerbungen. Die wenigsten Spitäler schreiben "Unterassistenten-Stellen" aus.
- Ein Auslandstertial in der Schweiz ist relativ unkompliziert zu organisieren. Neben der Abwicklung des Arbeitsvertrags sollte man sich um die Auslandsversicherung kümmern. Ein Schweizer Bankkonto war an diesem Spital nicht zwingend notwendig. Ansonsten war's das auch schon was Papierkram anbelangt.
- In der Schweiz ist man nicht "PJ-Student" sondern "Unterassistent" (auch kurz "UHU").
- Das Unterassistentengehalt sollte also kein Grund sein, in die Schweiz zu gehen… Die Lebenserhaltungskosten in der Schweiz sind deutlich höher! Mit dem Gehalt eines UHUs kann man froh sein, wenn man für das Tertial hier nichts draufzahlen muss.

Zu meinem Chirurgie-Tertial am Spital Grabs:
Umgebung
- Wunderschöne Landschaft! Ein Panaroma von Bergen!
- Ländliche Gegend. In der Sommersaison ideal für Wanderbegeisterte, Fahrradfahrer und Skater. Ansonsten kaum Freizeitangebot.
- Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe
- Gut ausgebaute öffentliche Verkehrsmittel mit direkter Anbindung ans Spital.
Einrichtung und Unterbringung
- Unterbringung entweder im Personalhaus oder im Haus Zindel (nur für UHUs).
- Zimmer im Personalhaus sehr sauber und ordentlich. Täglich wird Bad, Küche und Gang geputzt und der Müll entleert.
- Überall im Spital und im Personalhaus freies WLAN.
- Übersichtliches Spital, in dem man sich schnell zurecht findet und innerhalb einer Woche die meisten Mitarbeiter kennt.
Leute
- Durchschnittlich 3-4 UHUs der Chirurgie aus Deutschland oder der Schweiz.
- Sehr nette und hilfsbereite Assistenzärzte.
- Ausgeprägte hierarchische Strukturen. Angespanntes und sehr schlechtes Arbeitsklima in den oberen Reihen. Ein „Teamgeist“ war nicht zu spürbar…
Dienstpläne/ Arbeitseinteilung
- laut Vertrag 48h/ Woche
- Vor Antritt der Stelle können die Urlaubstage (7 für 4 Monate) und ggf. Freiwünsche für Wochenenden oder Feiertage angegeben werden. Hier sind Wochenenden und Feiertage nicht automatisch freie Tage (!) und es gibt auch keine Garantie, dass man trotz Angabe eines Freiwunsches wirklich frei bekommt!
- Rufdienste (Pikettdienste) werden unter der Woche, an Wochenenden und an Feiertagen u.a. von UHUs besetzt. Ich hatte pro Monat 10 Pikettdienste, die mindestens ein Wochenende einschlossen. Rufdienste unter der Woche decken die komplette Nacht ab, Wochenendpikettdienste werden immer als Block verteilt und gehen von Freitag nach Arbeitsschluss bis Montag morgens durchgängig.
- Rufdienste am Wochenende oder Feiertagen ändern nichts am Gehalt. Dafür erhält man unter der Woche Kompensationstage (nicht frei wählbar!)
Arbeit
- Eintritte (Patientenaufnahme): als UHU ist man zuständig für die täglichen Eintrittsuntersuchungen in der Tagesklinik und auf Station von Patienten der Chirurgie, Orthopädie und Urologie mit anschließender Patientenvorstellung an die zuständigen Ärzte und Fertigung von Eintrittsberichten. Pro Tag kommen zwischen 5 und 10 Eintrtitte, die in der Tagesklinik an genaue Uhrzeiten gebunden sind.
- OP: als UHU in der Chirurgie wird man sowohl in die allgemeinchirurgischen als auch in die orthopädischen OPs eingeteilt, meistens als 2. Assistenz, im Rufdienst öfter auch als 1. Assistenz. Je nachdem wieviel man kann darf man manchmal nähen, bei laparoskopischen OPs die Kamera führen, viel mehr aber nicht. Dafür ist die Vielfalt an OPs relativ groß: von Varizen über Hüft-TEPs, laparoskopischen Cholezystektomien und ausgedehnten Laparotomien.
- Für die Organisation der Eintrittsuntersuchungen bei gleichzeitiger Einteilung im OP sind die UHUs selbst zuständig (kann teilweise sehr stressig werden…)
- Rufdienste: hat man Pikett, muss man rund um die Uhr telefonisch erreichbar sein und sollte in mindestens einer halben Stunde bereit im OP-Saal stehen können. Unter der Woche wird man nicht regelmäßig nachts gerufen, dafür umso öfter an Wochenenden und Feiertagen.
- Jeden Monat ist man auch eine Woche in der Notaufnahme eingeteilt. Hier kann man sehr selbstständig arbeiten, Patienten selbst betreuen, dem Oberarzt vorstellen, Schnittwunden versorgen etc.. Beim Notarzt mitfahren ist leider nicht möglich (wegen der Verpflichtung der Eintritte und den OPs).
Lehre
- Jeden Donnerstag gibt es eine Morgenfortbildung für die Chirurgen mit chirurgischen Themen oder Fallvorstellungen.
- UHU-Fortbildung: findet nicht regelmäßig statt (wegen OP-Einteilung). Werden von UHUs selbst gehalten unter Beisein von interessierten Assistenzärzten. Thema i.d.R. frei wählbar.
- Gelegentlich praktische Kurse (Nahtkurs, Gipskurs) und Abendvorträge.
Gehalt
- nach Abzug von Zimmerkosten und Sozialabzügen bleiben einem umgerechnet etwa 600 Euro
- Essen ist nicht frei, Mittagsmenü kostet etwa 10 Franken

Beurteilung
Pro:
- Schöne Umgebung, Wanderparadies
- Gute Unterbringung
- Übersichtliches Spital, man lernt schnell viele Kollegen kennen.
- Man sieht viele verschiedene OPs und deckt viele Disziplinen gleichzeitig ab.
- Für alle, denen Ortho auch Spaß macht: hier deckt man auch dieses Fach ab mit den orthopädischen Eintritten und zahlreichen orthopädischen OPs, in denen man assistiert. Außerdem ein tolles Team (und deutlich besseres Arbeitsklima!)
- Klare Aufgaben und Verpflichtungen.
- Man bekommt Übung in der Anamneseerhebung, Untersuchung und anschließenden Patientenvorstellung.
- Kein lästiges Blutabnehmen und Nadeln legen (wird von der Pflege gemacht).
Contra:
- Kleines Spital gleich familiäre Atmosphäre trifft hier vielleicht insofern zu, als dass Ellbogenkämpfe und Streitigkeiten offen und lautstark ausgetragen werden.
- Teilweise hohe Arbeitsbelastung (schlaflose Nächte, volle Wochenenden)
- Für deutsche Studenten schwierige Urlaubsplanung durch Pikettdienste an Wochenenden und Feiertagen.
- Kaum Lehre und keine Betreuung. UHUs werden von vielen nicht als Studenten betrachtet, sondern als Angestellte (s. Klappe und Haken halten).
- Eintrittsuntersuchungen werden schnell zur eintönigen Arbeit, für die man kein richtiges Feedback erhält. Außerdem wird man täglich von der Pflege gehetzt und muss den Ärzten hinterherrennen…
- Durch die vielen Eintritte und die Einteilung im OP hat man keine Zeit sich darüber hinaus irgendetwas anzusehen, geschweige denn überhaupt etwas von Stationsarbeit mitzubekommen.
- Grabs ist ein kleiner Ort. Wenn das Wetter mal nicht zum Wandern geeignet ist, ist man aufgeschmissen (v.a. ohne Auto).

Fazit
Wer einen Vorgeschmack auf das Arbeitsleben bekommen möchte ist hier richtig. Als UHU in der Chirurgie läuft man nicht dem Stationsarzt hinterher und schaut sich verschiedenes an, sondern hat verschiedene Verpflichtungen und Aufgaben, die es selbstständig zu erledigen gilt. Man ist fest in die Dienstpläne und OP-Planung eingebunden und lernt einmal wie wirkliche Arbeitsbelastung in den Rufdiensten kennen. Wer mit dem Gedanken an eine Karriere in der Chirurgie spielt und sich auf die Probe stellen möchte, für den lohnt sich vielleicht ein Einblick hier. Für jeden, der das Chirurgie-Tertial einfach hinter sich bringen und nebenbei noch ein paar Sachen für die mündliche Prüfung aufschnappen möchte, ist dieses Haus nicht zu empfehlen. Diese Abteilung ist nicht auf Lehre ausgerichtet, sowohl was das grundsätzliche Angebot für Studenten anbelangt als auch die überwiegende Haltung der Oberärzte. Am Ende bleibt es auch jedem selbst überlassen, ob man die zahlreichen Rufdienste und Einsätze in den Nächten, Wochenenden und Feiertage als Erfahrung oder Ausnutzung betrachtet.

Bewerbung
Ich hatte mich relativ "kurzfristig" ein Jahr im Vorlauf beworben. Grabs war eine von 3 Zusagen, die ich nach über 20 Bewerbungen verstreut in der ganzen Schweiz erhalten hatte. Alle anderen Spitäler waren teilweise schon für die nächsten Jahre im wahrsten Sinne des Wortes ausgebucht. Die überwiegend gute Bewertung des Spitals hatten mich dazu bewegt, die Stelle in Grabs anzutreten.
Unterricht
Kein Unterricht
Inhalte
Sonst. Fortbildung
Tätigkeiten
Mitoperieren
Poliklinik
Briefe schreiben
Patienten untersuchen
Notaufnahme
Patienten aufnehmen
Röntgenbesprechung
Dienstbeginn
Vor 7:00 Uhr
Dienstende
16:00 bis 17:00 Uhr
Studientage
1x / Woche frei
Tätigkeiten
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Unterkunft gestellt
Kleidung gestellt
Gehalt in EUR
1000
Gebühren in EUR
400

Noten

Stimmung Station
4
Kontakt zur Pflege
4
PJler-Ansehen
5
Stimmung Klinik
4
Unterricht
5
Betreuung
5
Freizeit
3
Lehre auf Station
3
Insgesamt
4

Durchschnitt 4.07