PJ-Tertial Innere in Kaiser-Franz-Joseph-Spital Wien (8/2018 bis 11/2018)

Station(en)
H11 Hämatologie/Onkologie
Einsatzbereiche
Station
Heimatuni
Wien
Kommentar
Ich war auf der Station H11 und habe ein mittelmäßiges Tertial, wie vermutlich jedes andere im KAV erlebt. Man ist quasi Turnusarzt und je nach Zeit und Motivation der Ärzte wird mehr oder weniger gelehrt.

Tagesablauf: Pro Tag sind etwa 3-5 Aufnahmen und Entlassungen, man macht die Aufnahmen mit Status, EKG, Port-a-Cath anstechen (Venflons haben die wenigsten). Wenn Blutabnahmen von der Pflege nicht geschafft werden, macht man die auch, passiert aber selten, da die meisten Ports oder ZVK haben. Außerdem kann die Pflege das sehr gut. Gegen 10 Uhr ist manchmal eine Stationsübergabe mit Frühstück (Brot, Butter, Aufstriche, Kaffee), wo die Patienten ausführlicher besprochen werden und für die Visite geplant wird. Die Visite findet dann danach statt, manchmal etwas später. Man kann meistens einen Flügel mitgehen, die Lehre am Bett ist aber etwas begrenzt, meist nur von einem Oberarzt und vom Assistenzarzt gemacht.
Danach macht man Anforderungen, Aufklärungen und schreibt Briefe für den nächsten Tag. Bis 14 Uhr ist man fast immer fertig.
Man sieht viel naturgemäß viel Krebs, auch sehr seltene wie Morbus Waldenström oder Ductus-bellini-Karzinome, ab und zu auch hämatologische Fälle wie ITP oder Aplastische Anämie.
Aszites oder Pleura wird auswärts punktiert, da die Station kein Ultraschallgerät hat.

Personal: Mit den Turnus- oder Basisausbildungsärzten ist der Kontakt gut, der Assistenzarzt ist auch lustig und nett. Bei der Pflege gibt es ein oder zwei Personen, die nicht so cool sind (schmeißt Müll in Ecken weil das Arbeitsplätze sichert), aber man merkt eh, wem man ausweichen sollte.
Das Klima auf der Station ist gemischt und schwankt stark. Es sind alle relativ nett, die Stimmung kann aber schnell kippen, vor allem wenn viel zu tun ist, oder wenn jemand verstirbt. Naturgemäß ist die Arbeit emotional belastend, leider wird dann oft noch sinnlos herumgestresst. zB hat man von jemandem nicht zeitgerecht die Blutabnahme und man darf sich dann anhören, wie das den Betrieb aufhält etc, nur ist der Patient noch nicht mal im Spital, also schwierig, ihm Blut abzunehmen. Einfach echt sinnloses Gestänkere, das ist emotional sehr anstrengend und ich bin im Verlauf auch immer gleichgültiger geworden.

Die Oberärztin ist widersprüchlich, im Sinne von: Man will einen Patienten während der Visite anfassen und stört dadurch die Visite. Wenn man das nicht tut, meinte sie, dass man sich nicht interessiert. Das ist auf Dauer etwas mühsam.
Der andere Oberarzt ist eh okay und nimmt Lehre an und für sich ernst, hat aber selten Zeit. Er hat mir ernsthaft DREIMAL (!!!!) bei einem Status zugeschaut und mir sinnvolles Feedback gegeben. Die State-of-the-art-Präsentation habe ich in meinen letzten 15 Minuten an der Station gemacht, obwohl ich schon Wochen vorher angekündigt hatte, dass sie fertig sei und wann ich sie halten könnte.

Fast jede Woche gibt es Abteilungsfortbildungen, die von externen Ärzten gemacht werden, die sind vom Niveau sehr hoch, aber sehr gut. Der Primar macht auch Fortbildungen und die sind auch sehr gut. Der ist auch sehr freundlich und beantwortet einem jede Frage mit dem Zitieren von Studien, wo was gefunden wurde und so, das ist ziemlich beeindruckend.
Spitalsintern gibt es auch Turnusarzt-Fortbildungen über häufige und einfache Themen (Pankreatitis, Bronchiolitis…), die sind auch sehr gut, eben für lernende Ärzte gemacht.

Freie Tage nehmen war schwierig („Dann fehlen Sie ja für die Morgenarbeit“) und man muss die Oberärzte bitten, in den Kalender zu schauen, ob genug Personal da ist und einem dann das zu bestätigen. Da die Oberärzte selten Zeit haben, ist das etwas kompliziert und mühsam. Oder die schicken einen dann weiter, um den anderen zu fragen ("Der hat da Dienst, fragen Sie den. Fragen Sie auch den anderen KPJler, ob der da ist" usw).

Die Sekretärin unten mag KPJler scheinbar nicht sonderlich und wollte mir keinen Stationsschlüssel geben, mit der Begründung „Die Famulanten wollen auch alle Telefone haben“ Ahja? Auf Nachdruck der Pflege, die mir nicht immer Sozialraum und Untersuchungszimmer aufsperren wollte, habe ich dann einen erhalten. Ich wurde auch mal von jener Sekretärin angemotzt, weil sie einen Urlaubszettel nicht gesehen hatte und mir vorgeworfen hat, dass ich unerlaubt gefehlt hätte („Gut, dass wir Sie so finden und nicht tot in einer Ecke“).

Kurzfassung: Es ist okay, die Stimmung ist durchwachsen und es ist viel zu tun. Der Assi und der Oberarzt sind aber motivierte Lehrende, aber es ist mühsam, denen ständig nachzulaufen. Jeder steht unter Zeitdruck (Aufnahmen bis 10 fertig, Chemos bis 13 Uhr bestellen, dann anhängen, Briefe bis 14 Uhr fertig usw), teilweise auch einfach sinnloses Herumstressen. Wenn die Stimmung entspannter wäre, wäre es vermutlich netter gewesen.
Bewerbung
Ging kurzfristig über Sylvia Wagner im Sekretariat. Ca. zwei Monate im Voraus. Ich war auch der einzige KPJler auf der Station bis Ende September.
Unterricht
1x / Woche
Inhalte
Sonst. Fortbildung
Patientenvorstellung
Fallbesprechung
Tätigkeiten
Patienten aufnehmen
Briefe schreiben
Untersuchungen anmelden
Blut abnehmen
Patienten untersuchen
EKGs
Dienstbeginn
Nach 8:00 Uhr
Dienstende
Vor 15:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Essen frei / billiger
Kleidung gestellt
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Gehalt in EUR
650

Noten

Stimmung Station
3
Kontakt zur Pflege
2
PJler-Ansehen
2
Stimmung Klinik
3
Unterricht
2
Betreuung
4
Freizeit
2
Lehre auf Station
3
Insgesamt
3

Durchschnitt 2.80