PJ-Tertial Anästhesiologie in Spital Grabs (9/2015 bis 11/2015)

Station(en)
OP
Einsatzbereiche
OP
Heimatuni
Nicht angegeben
Kommentar
Ich möchte über meine 8 Wochen im OP im Spital Grabs berichten.
Der Tag beginnt ca um 7:15 und endet meist gegen 16:15 , dauert also idR um die 9 Stunden.
Das Spital verfügt über 4 OPs und 3 Vorbereitungsräume.

Anästhesiologie in der Schweiz:
Anders als in Deutschland wird die Narkose in der Schweiz generell vom Pflegepersonal geleitet. Die Pflege ist hier sehr gut ausgebildet und hat viel Ahnung. Einzig zum Ein und Ausleiten ist ein Anästhesist dabei, während dem Rest der OP schaut dieser nur ab und zu mal vorbei.
Die Pflege intubiert in 99% der Fälle selbst, und kriegt dabei vom Anästhesisten Tubus und Laryngoskop angereicht - also ebenfalls ganz anders als in Deutschland.

Anästhesiologie am Spital Grabs
Als "Unterassistent" darf man leider sehr wenig machen. Es ist schon das höchste der Gefühle, wenn man einen Patienten vorbereiten darf, sprich verkabeln und einen Zugang legen. Aber auch hier muss man schnell sein: Öfters ist es vorgekommen, dass während man noch am verkabeln war eine Schwester oder ein Pfleger in die Vorbereitung kam und wortlos eine Nadel gelegt hat- auch gegen entsprechendes Bitten.
Zum intubieren kam ich nur wenige Male (2 Mal?) pro Monat , Larynxgmaske 3 oder 4 Mal. Meist war nach dem präoxygenieren Schluss.
Leider war auch bei den deutschen Oberärzten nicht viel mehr drinnen.
In der "Hierarchie" steht man noch unter den OP-Pflegeschülern. Diese dürfen einen Saal (unter Anleitung) alleine leiten, intubieren und Medikamente geben. Teilweise wurde man von Schülern im dritten oder vierten Jahr auf Botengänge geschickt (Decken holen, BGAs von A nach B bringen,...). Da diese natürlich ebenfalls lernen müssen, allerdings länger als nur ein paar Wochen bleiben, scheint auch das Interesse der Oberärzte größer, ihnen was beizubringen. Das Verhältnis zu den Pflegeschülern war übrigens ziemlich gut, nicht dass das hier verbittert rüberkommt. Aber frustrierend war es halt.

Kontakt zur Pflege:
Wie gesagt, die Wertschätzung der Unterassistenten ist nicht sonderlich hoch. Bestimmte Pflegekräfte nutzen einen gerne als Packesel, Botenjungen, oder Sündenbock. Außerdem ist eigentlich alles falsch, bei dem man in irgendeiner Form involviert war. Für viele ist man auch einfach nur Luft bzw. zusätzliche Arbeit, auf die sie keine Lust haben. Das ist besonders problematisch, da die Pflege ja 99% der Anästhesie macht.
Es gibt auf der anderen Seite aber auch sehr nette Pflegekräfte (meistens die Älteren), die einem mit viel Geduld und guter Laune alles ganz genau erklären, so dass man sich auch mal traut Fehler zu machen. Leider kann man nicht beeinflussen, welche Pflegekraft dem eigenen Saal zugeteilt wird, sodass es meistens ne 50/50 Chance war, wie der Tag sein wird.

Das Ärzteteam..
ist nett, kompetent und erklärt auch gerne.
Insbesondere der ltd. OA gibt sich viel Mühe. Beim Chef kommt es öfters mal auf den Tag an...

Unterricht:
Einmal die Woche gibt es Unterricht. Dieser dauert je nach Dozent eine halbe bis 2 Stunden und ist wirklich gut. Es werden die Basics aus der Physio und Biochemie wiederholt und in den klinischen Kontext gesetzt. Der Unterricht findet im kleinen Rahmen (5-8 Leute) statt und ist eher interaktiv als frontal, was ich ebenfalls sehr gut fand. Dafür ne glatte 1.

Sonstiges:
->In der OP-Küche gibt es Kaffee, Brot mit Aufstrich und Suppe für umme. Man kann aber auch für 8CHF aufwärts in die spitaleigene Kantine gehen.
-> Zeit für Pausen gibt es, man arbeitet sich nicht tot.
-> Bei der Unterkunft unbedingt das kleine Personalhaus als Wunsch angeben. (siehe auch andere Berichte)
-> Tolle Umgebung mit vielen freizeitmöglichkeiten.

Gebühren:
1050 Gehalt pro Monat, davon gehen rund 400 pro Monat für Unterkunft, parken, Verwaltungsbeühren usw usw weg. Netto ca 650 CHF (siehe auch andere Berichte) .

Fazit:
Ich würde wohl nicht mehr in die Anästhesie am Spital Grabs gehen. Leider fehlt mir der Vgl. zu D, eventuell ist es da mancherorts schlimmer. Ich bin allerdings mit großen Erwartungen und Vorfreude in das Tertial gegangen und wurde auf weite Strecken enttäuscht. Wenn Anästhesie in der Schweiz, dann nur durch persönliche Empfehlung von Kommilitonen und an ein Haus, bei dem man sicher auch eigenständig arbeiten darf.
Bewerbung
2 Jahre vorher per mail
Unterricht
1x / Woche
Inhalte
Repetitorien
Tätigkeiten
Patienten aufnehmen
Botengänge (Nichtärztl.)
Braunülen legen
Dienstbeginn
7:00 bis 8:00 Uhr
Dienstende
16:00 bis 17:00 Uhr
Studientage
1x / Woche frei
Tätigkeiten
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Kleidung gestellt
Mittagessen regelmässig möglich

Noten

Team/Station
2
Kontakt zur Pflege
3
Ansehen des PJlers
5
Klinik insgesamt
2
Unterricht
1
Betreuung
4
Freizeit
2
Station / Einrichtung
1
Gesamtnote
3

Durchschnitt 2.6